L ilh ill llh
  Riyad us Salihin
 

Riyad

us

Salihin

Gärten der Tugendhaften

Zusammengestellt von

Iman Abu Zakaria Yahya

Ibn Scharaf an Nawawi

Band I

I. BUCH DER GEBOTE

Kapitel 1

Aufrichtigkeit und gute Absicht (Niyya) in allen offenbaren und

geheimen Taten und Äußerungen

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und es ist ihnen nichts anderes geboten worden, als dass sie Allah dienen

sollen, aufrichtig Ihm gegenüber in der Religion und Rechtgläubig, und das

Gebet verrichten und die Zakat geben; und das ist die rechte Religion."

(98:5)

"Niemals werdet ihr Frömmigkeit erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet,

was ihr liebt. Und was immer ihr spendet, Allah weiß wahrlich darüber

Bescheid." (3:92)

"Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, sondern es erreicht Ihn

allein die Gottesfurcht, die ihr Ihm entgegenbringt." (22:37)19

"Sprich (zu ihnen): 'Ob ihr verbergt, was in euren Herzen ist, oder ob ihr

es kundtut, Allah weiß es; Er weiß, was in den Himmeln ist und was auf

Erden; und Allah hat Macht über alle Dinge." (3:29)

Hadith 1: Umar ibn al-Khattab (r) berichtet: Ich hörte den Gesandten

Allahs (s) sagen: "Die Taten sind entsprechend den Absichten, und jedem

Menschen (gebührt), was er beabsichtigt hat. Wer also seine Auswanderung

um Allahs und seines Gesandten Willen unternahm, dessen

Auswanderung war für Allah und dessen Gesandten, und wer seine

Auswanderung unternahm, um im Diesseits etwas zu erreichen oder um

eine Frau zu heiraten, dessen Auswanderung war für das, dessentwegen er

auswanderte." (Al-Bukhari und Muslim) Dies ist ein gesunder Hadith

(sahih).

19 Die vor-islamischen Araber bzw. Heiden betrachteten das Fleisch und das Blut des Opfertieres

als Speise der Götter und pflegten die Kalja damit zu besprengen. Der Quran lehnt dies ab

und erklärt hier den Sinn des Opfers.

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1. Buch der Gebote

Hadith 2: Aischa (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: "Ein

Heer wird die Ka'ba überfallen wollen. Wenn es in die Wüste einmarschiert,

wird das gesamte Heer vom Erdboden verschlungen werden."

Sie sagte: Ich fragte ihn: "Oh Gesandter Allahs! Wie sollten sie allesamt

verschlungen werden, wo doch unter jenen Menschen auch Unschuldige

sind (die nicht zum Heer gehören)?" Er sagte: "Sie werden allesamt (von

der Erde) verschlungen werden, doch (am Jüngsten Tag wird jeder von

ihnen) auferstehen und seinen Absichten gemäß behandelt werden." (Al-

Bukhari und Muslim) Die zitierte Fassung stammt von Al-Bukhari.

Hadith 3: Aischa (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Nach der

Einnahme von Mekka gibt es keine Auswanderung mehr, allerdings

bleiben Dschihad20 und die Absichtserklärung (Niyya), und wenn ihr zum

Dschihad aufgerufen werdet, sollt ihr folgen." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 4; Dschabir ibn Abdullah al-Ansari (r) berichtet: Einmal waren wir

mit dem Propheten (s) auf einem Kriegszug, da sagte er: "Es gibt in

Medina einige Männer, die (im Geiste) bei euch sind, wohin ihr auch

immer marschiert und welches Tal ihr auch immer durchschreitet. Nur aus

gesundheitlichen Gründen sind sie verhindert, (leibhaftig) bei euch zu

sein."

Nach einer anderen Version fuhr er fort: "Sie teilen mit euch die Belohnung

(für den Dschihad)21 (Muslim)

Bei Al-Bukhari wird von Anas (r) berichtet: Wir kehrten mit dem

Propheten (s) von der Schlacht bei Tabuk21 zurück, als er sagte: "Gewiss

sind in Medina einige Leute geblieben, die bei uns sind, wohin wir auch

gehen, ob wir ein Gebirge überqueren oder einen Fluss überschreiten. Nur

ein (zwingender) Grund hat sie verhindert."

Hadith 5: Ma'n ibn Yazid ibn al-Akhnas (r) berichtet: Mein Vater Yazid

hatte einige Dinare, die er als Sadaqa22 geben wollte, bei einem Mann in

20 Unter Dschihad versteht man eine "Anstrengung" auf dem Wege Allahs, im Verteidigungsfall

auch unter Anwendung von Gewalt.

21 Der Feldzug nach Tabuk ereignete sich im Jahre 630 n.Chr., also im Jahre 9 nach der

Hidschra.

22 Sadaqa ist ein freiwillig gegebenes Almosen.

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1. Buch der Gebote

der Moschee gelassen. Ich nahm das Geld und brachte es meinem Vater.

Mein Vater sagte zu mir: "Bei Allah, ich wollte diese Dinare nicht dir

geben!" Ich wendete mich an den Gesandten Allahs (s), der entschied: "Oh

Yazid! Du bekommst (Belohnung dafür), was du beabsichtigt hattest. Oh

Ma'n, du bekommst, was du hast." (Al-Bukhari)

Hadith 6: Abu Ishaq Sa'd ibn Abi Waqqas (r), einer der zehn, denen die

frohe Botschaft zuteil wurde, ins Paradies zu gelangen, sagte: Im Jahr der

Abschiedspilgerfahrt lag ich ernsthaft krank darnieder. Da kam der

Gesandte Allahs (s), um nach mir zu schauen. Ich sagte zu ihm: "Oh

Gesandter Allahs! Du siehst, wie krank ich bin, und ich bin vermögend. Ich

habe aber nur eine Tochter als Erbin. Ist es nicht angebracht, dass ich zwei

Drittel meines Vermögens als Sadaqa gebe ?" Er sagte: "Nein!" Ich sagte:

"Dann die Hälfte, oh Gesandter Allahs?" Wieder sagte er: "Nein!" Erneut

wandte ich ein: "Nun, dann ein Drittel, oh Gesandter Allahs?" Darauf sagte

er: "Ein Drittel ist genug und mehr als genug. Es ist besser, du hinterlässt

deine Erben reich, als arm und (als Bettler) auf die Hilfe anderer

angewiesen. Was auch immer du um Allahs willen spendest, dafür wird

Allah dich belohnen, und wenn du auch nur einen Bissen Nahrung in den

Mund deiner Frau bringst." Ich sagte: "Oh Gesandter Allahs! Wie könnte

ich zurückgelassen werden, während meine Gefährten einmarschieren?" Er

sagte: "Du wirst gewiss nicht zurückgelassen, denn was auch immer du um

Allahs willen tust, wird deine Belohnung und Stellung erhöhen. Vielleicht

solltest du zurückbleiben23, zum Wohle der Gemeinschaft und zur

Bestrafung bestimmter Leute. Oh Allah, ermögliche meinen Gefährten die

Auswanderung und bewahre sie vor der Versuchung und dem Scheitern!

Wahrlich, der Verlierer ist (der verstorbene) Sa'd ibn Khaula." Und der

Gesandte Allahs (s) erflehte Allahs Gnade für Sa'd ibn Khaula, der in

Mekka zurückgeblieben war und dort starb. (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 7: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Allah sieht nicht auf euer materielles oder immaterielles Äußeres, sondern

in eure Herzen." (Muslim)

23 Das heißt: Die anderen überleben.

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1. Buch der Gebote

Hadith 8: Abu Musa al-Asch'ari sagte, dass man den Gesandten Allahs (s)

fragte: "Wer führt Dschihad um Allahs willen? Einer, der kämpft, um

seinen Mut zu demonstrieren, oder einer, der aus Begeisterung und Stolz

kämpft, oder einer, der aus Heuchelei kämpft?" Daraufhin sagte der

Gesandte Allahs (s): "Derjenige, der kämpft, damit das Wort Allahs siegt,

ist es, der Dschihad um Allahs willen führt." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 9: Abu Bakra Nufai ibn al-Harith ath-Thaqafi (r) überliefert, dass

der Prophet (s) sagte: "Wenn zwei Muslime aufeinander losgehen, indem

sie ihre Schwerter aufeinander richten, dann kommen alle beide, der

Mörder und der Ermordete, ins Höllenfeuer." Daraufhin sagte ich: "Oh

Gesandter Allahs: Für den Mörder ist das verständlich. Warum aber der

Ermordete?" Er antwortete: "Er war auch darauf aus, seinen Gefährten zu

töten." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 10: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Das Gebet in Gemeinschaft ist über zwanzigmal24 mehr wert, als

das Beten zu Hause oder im Geschäft. Es ist so: Wenn man sich sorgfältig

wäscht und zur Moschee geht, nur mit der Absicht, das Gebet zu

verrichten, dann wird er bis, er die Moschee erreicht, bei jedem Schritt um

eine Stufe erhöht und er verliert eine seiner Sünden. Von dem Augenblick

an, in dem er die Moschee betritt, wird er als Teilnehmer am Gebet

betrachtet, auch während er noch auf den Beginn des Gebets wartet.

Solange er an seinem Gebetsort verharrt, und weder jemandem schadet

noch schlecht über jemanden redet, fahren die Engel damit fort, für seine

Erlösung zu beten, und sie sagen: 'Oh Allah, sei ihm barmherzig! Oh Allah,

vergib ihm! Oh Allah, nimm seine Reue an!'" (Al-Bukhari und Muslim) Die

zitierte Fassung stammt von Muslim.

Hadith 11: Abul-Abbas Abdullah ibn Abbas ibn Abdul-Muttalib (r)

erzählte, dass der Gesandte Allahs (s) von seinem Herrn, dem Gesegneten

und Erhabenen, berichtete, dass Er (Allah) gesagt hat: "Allah hat die guten

und die schlechten Taten niedergeschrieben." Dann erklärte er dies: "Wer

etwas Gutes beabsichtigt und es nicht durchführen konnte, dem hat Allah

dies bei Sich als volle gute Tat angerechnet. Hat er es durchführen können,

dann rechnet Allah ihm dies bei Sich als zehn gute Taten, bis zum

24 Wörtlich: zwischen 23 und 29 mal.

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1. Buch der Gebote

siebenhundertfachen und bis zum vielfachen (davon), an. Und wer etwas

Schlechtes beabsichtigt, es aber nicht durchgeführt hat, dem wird dies als

vollendete gute Tat bei Allah, dem Erhabenen, angerechnet. Hat er diese

schlechte Tat jedoch ausgeführt, so rechnet Allah ihm dies als eine einzige

schlechte Tat an." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 12: Abu Abdur-Rahman Abdullah ibn Umar ibn al-Khattab (r)

erzählte, dass er den Gesandten Allahs (s) folgendes Gleichnis erzählen

hörte: Einst waren drei Männer unterwegs. Sie mussten die Nacht in einer

Höhle verbringen. Ein Felsstück glitt von dem Berg herunter und

blockierte den Höhlenausgang. Sie waren sich einig, dass es nur einen

einzigen Weg zur Befreiung gab, nämlich zu Allah zu flehen, im Namen

ihrer guten Taten. Daraufhin flehte einer von ihnen demütig: "Oh Allah!

Meine Eltern waren sehr alt; ich pflegte ihnen ihren nächtlichen Trank

Milch vor meinen Kindern und den anderen Familienmitgliedern

anzubieten. Eines Tages war ich auf der Suche nach grünen Bäumen und

konnte erst zurückkehren, nachdem meine Eltern eingeschlafen waren. Als

ich die Tiere gemolken hatte und meinen Eltern den Nachttrunk brachte,

schliefen sie fest; doch wollte ich sie nicht stören und auch nichts von der

Milch meinen Kindern oder anderen Familienmitgliedern geben, bevor

nicht meine Eltern ihren Trank gehabt hätten. Also wartete ich mit dem

Gefäß in der Hand auf ihr Erwachen bis zum Beginn der Morgenröte,

während die Kinder zu meinen Füßen vor Hunger jammerten. Als sie

erwachten, bekamen sie ihren Trank. Oh Allah! Wenn ich dieses tat, nur

um Dein Wohlgefallen zu erlangen, dann befreie uns von diesem Übel, das

uns durch diesen Felsen auferlegt wurde." Da bewegte sich der Fels ein

wenig, aber nicht genug, um sie heraus zu lassen. Dann flehte der zweite:

"Oh Allah! Ich hatte eine Cousine, die ich leidenschaftlicher liebte, als je

ein Mann eine Frau geliebt hat. Ich versuchte sie zu verführen, aber sie

wollte nichts von mir wissen. Während einer großen Hungersnot kam sie

zu mir und bat mich um Hilfe. Ich bot ihr einhundertzwanzig Dinare, unter

der Bedingung, dass ich mit ihr Geschlechtsverkehr ausüben dürfe. Sie

stimmte zu, und als ich gerade mit ihr Verkehr haben wollte, bat sie

eindringlich: 'Fürchte Allah, und brich das Siegel nicht ungesetzmäßig!25".

Ich ließ sie unberührt und überließ ihr das ganze Gold, und sie ist für mich

der liebste Mensch auf Erden. Oh Allah! Wenn ich dies tat, allein um Dein

Wohlgefallen zu erlangen, so bewege das Unglück und erlöse uns!"

Wieder bewegte sich der Felsen ein wenig, doch nicht genug, um sie

25 Das heißt: begehe keinen Ehebruch!

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1. Buch der Gebote

hinaus zu lassen. Dann bat der Dritte: "Oh Allah! Ich beschäftigte einige

Tagelöhner und bezahlte ihnen ihren Lohn, doch einer von ihnen ging fort

und ließ seinen Lohn bei mir. Sein Geld investierte ich, und es vermehrte

sich gewaltig. Nach einer Zeit kam der Lohnarbeiter zurück und sagte: 'Oh

Diener Gottes, übergib mir meinen Lohn!' Ich sagte zu ihm: 'Alles was du

siehst ist dein: Kamele, Rinder, Ziegen, Schafe und Sklaven.' Er sagte:

'Verhöhne mich nicht, oh Diener Allahs!' Ich versicherte ihm: 'Ich mache

keinen Spaß.1 So nahm er alles mit, ohne etwas zu hinterlassen. Oh Allah!

Wenn ich dies tat, nur um Dein Wohlgefallen zu erlangen, dann erleichtere

uns und nimm von uns unsere Last!" Der Fels bewegte sich nun fort, und

alle drei verließen die Höhle unversehrt. (Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 2

Reue (Tauba)

Dazu sagen die muslimischen Gelehrten (Ulama'), dass Reue {Tauba) bei

jeder Sünde Pflicht ist. Wenn es sich um eine Sünde zwischen einem

Diener Allahs und Allah, dem Erhabenen handelt, die nicht mit dem Recht

eines anderen Menschen zu tun hat, hat sie drei Bedingungen:

1) Dass er diese Sünde unterlässt,

2) dass er sie bereut, und

3) dass er diese Sünde nicht mehr begeht.

Wenn eine dieser Bedingungen nicht vorhanden ist, wird seine Reue nicht

angenommen.

Wenn eine Sünde mit einem anderen Menschen zu tun hat, gibt es vier

Bedingungen für die Reue {Tauba):

Die drei zuvor genannten und

4) dass er dem Geschädigten sein Recht zukommen lässt, das heißt, dass

er, wenn es sich um Geld oder ähnliches handelt, ihm dieses zurückzahlt,

dass er, wenn es sich um eine Straftat oder ähnliches handelt, ihm

ermöglicht, seine Bestrafung zu erwirken oder ihn um Verzeihung bittet,

und dass er, wenn es sich um üble Nachrede (Raiba) handelt, diese

zurücknimmt.

Und er soll alle Sünden bereuen. Wenn er nur einige bereut, ist seine Reue

für diejenigen Sünden, die er bereut, gültig, die anderen jedoch bleiben

bestehen.

Zur Notwendigkeit der Reue gibt es in Qur'an und Sunna mehrere

Beweise.

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1. Buch der Gebote

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und wendet euch allesamt Allah reuevoll wieder zu, ihr Gläubigen, auf

dass ihr Heil erlangen möget!" (24:31)

"Und dass ihr euren Herrn um Vergebung bittet und euch reuevoll Ihm

zuwendet" (11:3)

"Oh die ihr glaubt, kehrt zu Allah zurück in aufrichtiger Reue." (66:8)

Hadith 13: Abu Huraira (r) erzählte: Ich hörte den Gesandten Allahs (s)

sagen: "Bei Allah, Gewiss bitte ich Allah um Vergebung und wende mich

Ihm reuevoll zu, mehr als siebzig Mal am Tag." (Al-Bukhari)

Hadith 14: Al-Agharr ibn Yasar al-Muzani (r) erzählte, dass der Gesandte

Allahs (s) gesagt hat: "Oh ihr Menschen! Wendet euch Allah zu, und bittet

Ihn um Vergebung; denn ich wende mich Ihm hundertmal täglich reuevoll

zu." (Muslim)

Hadith 15: Abu Hamza Anas ibn Malik al-Ansari (r) berichtet, dass

der Gesandte Allahs (s) versicherte: "Allah ist mehr erfreut über die

Reue Seines Dieners als einer von euch es wäre, wenn er sein in einer

gewaltigen Wüste verlorenes Reitkamel plötzlich wiederfindet." (Al-

Bukhari und Muslim)

Die Version bei Muslim lautet: "Allah ist mehr erfreut über die Reue

Seines Dieners als einer von euch es wäre, dem sein Reittier mit seinem

gesamten Proviant in einer Wüste davongelaufen ist, und der, nachdem er

die Hoffnung, es wiederzufinden, bereits aufgegeben und sich in den

Schatten eines Baumes gelegt hatte, sein Tier plötzlich, während er dort

liegt, mit baumelndem Zügel direkt vor sich stehend findet, und der überglücklich

sagt: 'Oh Allah, Du bist mein Diener und ich bin Dein Herr!`,

wobei er sich vor lauter Freude derart verspricht."

Hadith 16: Abu Musa Abdullah ibn Qais al-Asch'ari (r) berichtet, dass der

Prophet (s) sagte: "Allah reicht Seine Hand nachts, damit der Sünder des

Tages bereue, und Er reicht Seine Hand tagsüber, damit der Sünder der

Nacht bereue, solange, bis die Sonne im Westen aufgehen wird."26 (Muslim)

26 Das heißt: bis zum Jüngsten Tage.

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1. Buch der Gebote

Hadith 17: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Allah wird die Reue des Bereuenden annehmen, solange die Sonne nicht

im Westen aufgegangen ist." (Muslim)

Hadith 18: Abu Abdur-Rahman Abdullah ibn Umar ibn al-Khattab (r)

berichtet, dass der Prophet (s) sagte: "Allah nimmt die Reue des Sünders

an, bis zu seinem letzten Atemzug."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith (hasan).

Hadith 19: Zirr ibn Hubaisch (r) berichtet: Ich ging zu Safwan ibn Assal

(r), um ihn über das Wischen mit den Händen über die Ledersocken

während der rituellen Waschung zu befragen. Er fragte mich: "Was bringt

dich hier her, Zirr?" Ich antwortete: "Der Wunsch nach Wissen." Er sagte:

"Die Engel breiten ihre Flügel aus für denjenigen, der sich auf der Suche

nach Wissen befindet, um ihn auf der Suche nach Wissen zu befriedigen."

Ich erzählte ihm, dass mir Zweifel gekommen seien, im Hinblick auf das

Wischen mit den Händen über die Ledersocken während der Waschungen,

nachdem man auf der Toilette gewesen ist. "Nun bist du einer der

Gefährten des Propheten (s), und ich bin gekommen, dich zu fragen, ob du

ihn irgendetwas dazu sagen hörtest." Er antwortete: "Ja. Er wies uns an,

dass wir auf der Reise unsere Ledersocken drei Tage und drei Nächte zur

Waschung nicht auszuziehen bräuchten, auch nicht, wenn wir auf der

Toilette gewesen wären, außer wenn wir eine Ganzwaschung benötigten."

Ich fragte ihn dann: "Hörtest du ihn etwas bezüglich Liebe und Zuneigung

sagen?" Er antwortete: "Ja. Wir befanden uns mit dem Propheten (s) auf

einer Reise, als ein Araber vom Lande ihn in lautem und rauhem Ton

anrief: 'Oh Muhammad.' Der Prophet (s) antwortete ihm in fast gleichem

Ton: 'Nun, ich bin hier.' Ich sagte zu dem Araber: 'Weh dir; mäßige deine

Stimme. Du befindest dich in Gegenwart des Propheten (s), und es ist dir

verwehrt.' Darauf sagte er: 'Bei Allah, ich werde meinen Ton nicht

mäßigen.1 Und sich an den Propheten (s) wendend sagte er: 'Wie steht es

um einen Mann, der ein Volk liebt, doch noch nicht zu ihm zugelassen

wurde?' Der Prophet antwortete: 'Am Tag des Gerichts wird ein Mensch in

Gesellschaft derer sein, die er liebt.' In der weiteren Unterhaltung mit uns

erwähnte er (s) ein Tor im Westen, dessen Breite von einem Reiter in

vierzig oder siebzig Jahren durchritten werden konnte."

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1. Buch der Gebote

Sufyan, der einer der Erzähler dieses Hadithes ist, fügt hinzu: Dieses Tor

liegt gegenüber von Scham21. Allah hat es bei der Erschaffung .von

Himmeln und Erde geschaffen, und es ist offen für Reue, und es wird nicht

verschlossen werden, bis die Sonne in seiner Richtung28 aufgeht. (At-

Tirmidhi und andere) Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan

sahih).

Hadith 20: Abu Said Sa'd ibn Malik ibn Sinan al-Khudri (r) berichtet,

dass der Prophet Allahs (s) erzählte, dass es in der Vergangenheit in einem

Volk einen Mann gab, der 99 Menschen getötet hatte. Dieser fragte nach

dem gelehrtesten Menschen, den es auf der Welt gebe. Man nannte ihm

einen Mönch, und er ging zu ihm und sagte: "Ich habe neunundneunzig

Menschen getötet. Gibt es irgendeine Art von Buße für mich?" Er

antwortete: "Nein." Daraufhin tötete er auch den Einsiedler und

vervollständigte damit die Zahl seiner Opfer auf hundert. Der Mörder

fragte nun erneut: "Wer ist der gelehrteste Mensch auf der Welt?" Man

verwies ihn an einen gelehrten Menschen. Er ging also zu ihm und sagte:

"Ich habe einhundert Menschen getötet. Gibt es irgendeine Art von

Buße für mich?" Der gelehrte Mann sagte: "Ja. Nichts kann zwischen

dir und Reue .tehen: Begib dich zu dem und dem Land. In diesem Land

gibt es (fromme) Leute, die Allah, den Erhabenen anbeten. Schließ dich

ihnen an, diene Allah und kehre nicht in dein Heimatland zurück, denn es

ist eine schlimme Gegend." Der Mann brach zu diesem Land auf. Er hatte

gerade die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, als er starb. Nun

entstand ein Streit zwischen dem Gnadenengel und dem Plagenengel

darüber, wer die Verwahrung seiner Seele übernehmen sollte. Der

Gnadenengel sprach: "Er hat sich reumütig Allah zugewendet." Der

Plagenengel entgegnete: "Er hat niemals etwas Gutes getan." Da kam ein

Engel in Menschengestalt, und sie setzten ihn als Schiedsrichter zwischen

ihnen ein. Er wies sie an, die Entfernung zwischen den zwei Ländern

auszumessen. Welchem Land er näher sei, zu dem solle er gehören. Sie

führten also die Messung durch, und fanden, dass er dem Land, zu dem er

gehen wollte, näher sei. Also übernahmen ihn die Gnadenengel. (Al-

Bukhari und Muslim)

In einer andere Sahih-Version heißt es, dass er eine Handbreite näher an

dem Land der frommen Menschen war, und dementsprechend wurde er als

einer der ihren angesehen.

27 Asch-Scham bezeichnet die Region des Nahen Ostens zwischen Zweistromland und Ägypten.

Hier ist damit der Westen gemeint, da sie im Westen der Arabischen Halbinsel liegt.

28 Das heißt, bis zum Jüngsten Tag, an dem die Sonne im Westen aufgeht.

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1. Buch der Gebote

Eine andere Sahih-Version lautet, dass Allah, der Erhabene, befahl, dass

die eine Seite sich erweitern und die andere schrumpfen solle, und dann

sagte Er: "Nun messt zwischen den beiden!", und er wurde eine Handbreite

näher an seinem Ziel gefunden, und ihm wurde vergeben. In einer

weiteren Version heißt es, dass er kriechend vorankam.

Hadith 21: Abdullah ibn Ka'b ibn Malik (r), berichtet, dass er den Bericht

seines betagten erblindeten Vaters hörte, über sein Zurückbleiben in

Medina, als der Gesandte (s) nach Tabuk marschierte. Ka'b erzählte: Ich

hatte den Propheten (s) auf jedem Feldzug begleitet außer dem von Tabuk.

Ich konnte mich dem Propheten (s) auch in der Schlacht von Badr nicht

anschließen, aber in diesem Fall hatte er niemandem, der zurückgeblieben

war, etwas vorgeworfen, denn der Prophet (s) und die Muslime beabsichtigten

nur, sich der Karawane der Quraisch zu bemächtigen, ohne dass ein

Kampf erwartet wurde. Dennoch führte sie Allah unerwarteterweise in

eine Auseinandersetzung mit ihrem Feind. Ich war bei dem Propheten (s),

als wir in der Nacht bei Aqaba waren und den Bund bezüglich des Islam

schlossen29. Ich möchte dies jedoch nicht mit der Anwesenheit in Badr

vergleichen, obwohl sich die Leute mehr an Badr, als an Aqaba erinnern.

Als ich vom Feldzug nach Tabuk zurückgeblieben war, befand ich mich bei

besserer Gesundheit und Wohlstand als je zuvor. Ich besaß zwei

Reitkamele, wo ich doch nie zuvor zwei gehabt hatte. Jedesmal, wenn der

Prophet (s) sich zu einem Feldzug entschloss, verriet er dies erst im letzten

Augenblick. Bei diesem Feldzug war allerdings die Jahreszeit gnadenlos

heiß, die Reise war lang und ermüdend, führte durch Wüsten und

unwirtliche Gegenden ohne Grün oder Wasser, und die Zahl der Feinde

war groß. Der Prophet (s) hatte daher die Muslime ausdrücklich darauf

vorbereitet. Die Zahl derer, die bereit waren, den Propheten (s) bei diesem

Unternehmen zu begleiten, war sehr groß. Kein Buch hätte die Namen all

jener, die den Propheten (s) begleiteten, zu fassen vermocht.

29 Der Vertrag von Aqaba wurde von dem Propheten (s) und Muslimen aus Medina geschlossen

und ging der Auswanderung (Hidschra) der Muslime von Mekka nach Medina voraus.

11

1 Buch der Gebote

Jeder, der abwesend blieb, rechnete damit, dass niemand seine

Abwesenheit bemerken würde, außer ihre Pflichtvergessenheit würde

durch göttliche Offenbarung enthüllt. Auch waren die Früchte an den

Bäumen reif geworden, und sie boten Schatten, und all dies mochte ich.

Der Prophet (s) und die Muslime, die ihn begleiten sollten, beschäftigten

sich damit, Vorbereitungen für den Aufbruch zu treffen. Ich selbst hatte

stets die Absicht, mich ebenso auf diese Unternehmung vorzubereiten,

aber ich machte kehrt, ohne irgendetwas davon erledigt zu haben, und ich

sagte zu mir: 'Ich kann das ja noch machen, wenn immer ich will.' Und so

verging die Zeit, bis der Prophet und die Muslime ihre Vorbereitungen

abgeschlossen hatten, und ich hatte noch immer die Absicht, mich auch

noch schnell vorzubereiten. Schließlich kam der Tag, an dem der Prophet

(s) mit den Muslimen aufbrach, und ich wollte ihnen eigentlich später

nachfolgen.

Oh, wenn ich dies nur getan hätte, doch es war mir nicht bestimmt. Als ich

nun aber unter die Leute ging, schmerzte es mich sehr, zu sehen, dass die

mit mir Zurückgebliebenen entweder mutmaßliche Heuchler waren,

oder solche, die aus gesundheitlichen Gründen zurückbleiben mussten.

Der Prophet (s) erwähnte mich nicht, bis er in Tabuk angekommen

war. Erst als er dort unter den Leuten saß, fragte er: "Was ist mit Ka'b

passiert ?" Ein Mann des Salima-Stammes sagte: "Oh Prophet, er kam

nicht mit uns, wegen seines Gewandes und weil er auf sein Äußeres achten

muss." Hierauf tadelte ihn Mu’adh ibn Dschabal und sagte: "Was du von

Ka'b behauptest ist schlimm! Bei Allah, oh Gesandter Allahs, wir wissen

nur Gutes von Ka'b." Der Prophet (s) schwieg. Da sah er (s) plötzlich

von weitem in der Wüste jemand weiß gekleideten, und rief aus: "Möge es

Abu Khaithama sein!" Und in der Tat, er war es. Er war derjenige, über

den sich die Heuchler lustig machten, weil er eine Handvoll Datteln als

Sadaqa zu geben pflegte.

12

1. Buch der Gebote

Als ich erfuhr, dass der Prophet (s) von Tabuk zurückkehrte, begann ich,

mir allerlei Lügen als Ausrede auszudenken, und ich fragte mich, wie ich

mich wohl morgen vor seinem Missfallen schützen sollte, und ich suchte

bei meinen Angehörigen mit gesundem Urteilsvermögen Hilfe. Als mir

gesagt wurde, dass der Prophet (s) bald da sei, verwarf ich jegliche Lüge

und erkannte, dass mir keine falsche Entschuldigung helfen würde, und ich

beschloss daher, die Wahrheit zu sagen.

Er (s) kam am nächsten Morgen an. Es war seine Gewohnheit, dass er,

wenn er von einer Reise zurückkehrte, zuerst die Moschee besuchte, um

zwei Rak`a30 zu beten und dann mit den Leute zusammenzusitzen. Als er

dies tat, kamen diejenigen, die zurückgeblieben waren, zu ihm und

begannen ihm ihre Entschuldigungen vorzutragen und ihm zu huldigen.

Und es waren insgesamt fast neunzig Männer. Der Prophet (s) nahm ihre

Entschuldigungen an, ließ sie ihre Huldigung erneuern, betete für sie um

Vergebung und übergab Allah, was immer sie im Sinne hatten. Als ich an

der Reihe war und ihn (s) begrüßte, lächelte er, doch es war ein ärgerliches

Lächeln. Er (s) sagte: "Komm!" So ging ich und setzte mich direkt vor ihn.

Er (s) fragte: "Was hielt dich zurück? Hast du dir kein Reittier besorgt?"

Ich antwortete: "Oh Gesandter Allahs (s), bei Allah, wenn ich irgendeinem

anderen Menschen als dir gegenüber säße, so würde es mir nicht schwer

fallen, seinem Missfallen mit irgendeiner Ausrede zu entgehen. Doch ich

weiß, auch wenn ich dir heute eine überzeugende aber falsche Geschichte

auftischen würde, so würde doch Allah gewiss bald deinen Zorn gegen

mich erregen. Wenn ich dir nun die Wahrheit erzähle und du auf mich

ärgerlich wirst, so kann ich doch immer Gnade von Allah, dem

Allmächtigen, dem Erhabenen, erhoffen. Bei Allah, ich habe keine

Entschuldigung. Ich war niemals so gesund und kräftig und so wohlhabend

wie jetzt, als ich mich zurückhielt, dich zu begleiten."

30 Rak'a ist die Bezeichnung für eine islamische Gebetssequenz.

13

1. Buch der Gebote

Der Prophet (s) sagte: "Dieser Mann hat die Wahrheit gesagt. Nun zieh

dich zurück, bis Allah deinen Fall entscheidet." Einige Männer des

Salima-Stammes folgten mir und sagten: "Wir wüssten nicht, dass du

früher jemals einen Fehler begangen hättest. Warum hast du nicht vor

Allahs Gesandtem (s) eine Entschuldigung vorgebracht, wie die anderen

Zurückgebliebenen? Deine Sünde wäre durch das Gebet des Propheten (s)

vergeben worden." Bei Allah, sie fuhren damit fort, mir Vorwürfe zu

machen, bis ich mich geneigt fühlte, zum Propheten (s) zurückzugehen und

meine Aussage zu widerrufen. Schließlich fragte ich sie: "Gibt es einen

ähnlichen Fall wie meinen?" Sie sagten: "Ja, zwei Männer haben das

Gleiche wie du gesagt, und ihnen wurde das Gleiche wie dir gesagt." Ich

fragte: "Wer sind die beiden?" Sie sagten: "Es sind Murara ibn ar-Rabi' al-

Amri und Hilal ibn Umayya al-Waqifi." Diese beiden waren tugendhafte

Männer, die an der Schlacht von Badr teilgenommen hatten; sie besaßen

viele gute Qualitäten, und als mir diese beiden genannt wurden, ging ich

weiter.

Der Prophet (s) verbot den Muslimen, mit uns dreien zu sprechen. Die

Leute pflegten uns zu meiden und wurden Fremde für uns. Ich fühlte mich,

als ob ich in einem fremden Land sei. Dieser Zustand dauerte fünfzig Tage

lang. Meine beiden Gefährten resignierten und saßen nur noch zu Hause

und weinten. Ich jedoch war der jüngste und stärkste von den dreien,

pflegte hinauszugehen, am Gebet mit den Muslimen teilzunehmen, auf dem

Markt spazieren zu gehen, doch niemand sprach jemals mit mir. Ich pflegte

nach dem Gebet immer zu dem Propheten (s) zu gehen und ihn zu grüßen,

und ich fragte mich, ob er seine Lippen habe, um meinen Gruß zu

erwidern. Und ich betete gewöhnlich in seiner Nähe, und ich bemerkte,

dass er immer zu mir schaute, wenn ich in mein Gebet vertieft war, und er

schaute sogleich weg, wenn ich in seine Richtung blickte. Als diese strenge

Haltung der Muslime mir gegenüber länger dauerte, ging ich bis zur

Gartenmauer meines Vetters und engen Freundes Abu Qatada, und

kletterte darüber. Ich grüßte ihn, doch, bei Allah, er erwiderte meinen

Gruß nicht. Ich sagte zu ihm: "Abu Qatada, ich bitte dich in Allahs Namen!

Weißt du nicht, dass ich Allah und seinen Propheten (s) liebe?" Doch er

schwieg. Ich wiederholte, was ich gesagt hatte, doch er schwieg. Ich

wiederholte nochmals meine Bitte, da erwiderte er: "Allah und sein

Gesandter (s) wissen es besser." Als ich das hörte, konnte ich meine

Tränen nicht zurückhalten und kletterte über die Gartenmauer zurück.

14

1. Buch der Gebote

Als ich über den Markt von Medina lief, sah ich einen Bauern aus Scham31,

der Lebensmittel verkaufte und die Leute fragte, ob sie ihm Ka'b ibn Malik

zeigen könnten. Sie wiesen auf mich, bis er kam zu mir kam, und er

übergab mir einen Brief des Königs von Ghassan. Da ich belesen genug

war, las ich ihn. Sein Inhalt war: "Wir haben erfahren, dass dein Gefährte

(d.h. der Prophet (s)) dich ungerecht behandelt Gott will dich nicht

misshandeln lassen. Es ist dein Recht, dass wir dich trösten." Als ich diesen

Brief gelesen hatte, sagte ich mir: 'Das ist noch eine Prüfung für mich', und

verbrannte den Brief.

Nachdem vierzig von fünfzig Tagen verstrichen waren und nichts offenbart

worden war, kam ein Bote des Propheten (s) zu mir und sagte: "Der

Prophet (s) weist dich an, dass du dich von deiner Frau fernhältst." Ich

fragte nach: "Soll ich mich von ihr scheiden lassen oder was sollte ich

tun?" Er sagte: "Nein, halte dich nur davon zurück, sie zu berühren." Der

Prophet (s) hatte das Gleiche auch meinen beiden Gefährten geboten. Also

sagte ich zu meiner Frau: "Geh zu deinen Eltern und bleibe bei ihnen, bis

Allah meinen Fall entscheidet." Die Frau von Hilal ibn Umayya ging zum

Propheten (s) und bat ihn: "Oh Gesandter Allahs (s). Hilal ibn Umayya ist

alt und kann nicht für sich selbst sorgen, und er hat keinen Diener, der ihm

den Haushalt macht. Bist du dagegen, wenn ich ihm weiterhin diene?" Er

(s) sagte: "Nein, vorausgesetzt, er berührt dich nicht " Sie sagte: "Bei

Allah, er denkt an nichts derartiges. Bei Allah, seit diesem Vorfall weint er.

ständig." Einige aus meiner Familie schlugen mir vor. ich solle auch die

Erlaubnis des Propheten (s) erbitten, dass meine Frau für mich sorgen

könne, wie es auch die Frau des Hilal ibn Umayya tat Ich erwiderte

jedoch: "Nein, ich werde den Propheten (s) nicht um sie bitten. Was sollte

der Prophet einem jungen Mann wie mir schon antworten?" So blieb ich

also weitere zehn Tage und Nächte, bis seit unserer Isolation fünfzig Tage

verstrichen waren.

31 Siehe Anmerkung Nr. 27 auf Seite 16.

15

1. Buch der Gebote

Ka'b (r) erzählte weiter: Als ich den Propheten (s) grüßte, strahlte sein

Gesicht vor Freude und er sagte: "Sei erfreut über den besten aller Tage,

die seit deiner Geburt vergangen sind." Ich fragte: "Oh Gesandter Allahs

(s), ist dies von dir selbst oder von Allah?" Er antwortete: "Nein, es ist von

Allah, dem Allmächtigen und Erhabenen." Wenn sich der Prophet (s)

freute, strahlte sein Gesicht, als ob es ein Teil des Mondes wäre, und so

konnten wir erkennen, ob er glücklich war. Ich setzte mich neben ihn und

sagte: "Oh Gesandter Allahs (s), als Zeichen meiner Reue will ich meinen

gesamten Besitz als Sadaqa für Allah und Seinen Gesandten geben." Der

Prophet (s) entgegnete: "Behalte einen Teil deines Besitzes. Das ist besser

für dich." Daraufhin sagte ich: "Dann behalte ich nur den Beuteanteil, den

ich in Khaibar erhalten hatte, für mich." Dann sagte ich weiter: "Oh

Gesandter Allahs (s). Allah, der Erhabene, hat mich nur aufgrund der

Wahrhaftigkeit errettet, und daher werde ich als Buße für den Rest meines

Lebens nichts als die Wahrheit sagen."

Und, bei Allah, ich kenne niemanden unter den Muslimen, der so glaubhaft

berichtet wie ich, und bei Allah, ich habe seit diesem Tag niemals

wissentlich gelogen, und ich hoffe, dass mich Allah, der Erhabene, auch für

den Rests meines Lebens davor behüten wird.

Allah, der Erhabene, offenbarte: "Und Allah hat Seine Gnade dem

Propheten wieder zugewandt, und den Muhadschirin und den Ansar 33, die

ihm in der Zeit der Bedrängnis gefolgt sind, nachdem die Herzen einiger

von ihnen fast von der Wahrheit abgewichen wären. Dann wandte Er sich

ihnen wieder gnädig zu - Er ist wahrlich überaus gütig, barmherzig. Und

auch jenen dreien, die zurückgeblieben waren und vorerst von der

Vergebung ausgeschlossen wurden, bis bei all ihrer Weite ihnen die Erde

eng wurde und sie sich beengt fühlten in ihrer Seele und sie erkannten,

dass es keine Zuflucht vor Allah gibt, außer bei Ihm. Dann wandte Er Sich

ihnen in Seiner Gnade wieder zu, damit sie reuevoll umkehrten. Denn

Allah ist wahrlich der Vergebende, der Barmherzige. Oh ihr Gläubigen!

Fürchtet Allah, und seid mit den Wahrhaftigen." (Sure 9:117-119)

33 Ansar ("Helfer") werden die Bewohner von Medina genannt, seitdem sie den Propheten (s)

und die verfolgten Muslime (Muhadschirin) aus Mekka großherzig bei sich aufgenommen haben.

16

1. Buch der Gebote

Ka'b erzählte weiter: Bei Allah, nach meiner Annahme des Islam habe ich

keinen größeren Segen erfahren, als dass ich vor dem Propheten (s) die

Wahrheit sprach und ihn nicht anlog, wie jene, die ihm Lügen erzählten

und die deshalb ins Verderben stürzen. Allah, der Erhabene, offenbarte

über diejenigen, die gelogen haben, schlimmeres denn je zuvor: "Sie

werden euch bei Allah beschwören, wenn ihr zu ihnen zurückkehrt, dass

ihr von ihnen ablasst. So lasst ab von ihnen! Sie sind wahrlich unrein. Und

ihr Aufenthaltsort wird die Hölle sein, als angemessene) Vergeltung für

das, was sie sich erworben haben. Sie beschwören euch, um euch wohl zu

gefallen, doch selbst wenn ihr mit ihnen zufrieden seid, so ist Allah fürwahr

nicht zufrieden mit dem Volk der Frevler." (Sure 9:95-96) Ka'b sagte: Was

uns Drei betraf, so wurden wir im Gegensatz zu denen, die vor den

Propheten (s) traten, um sich zu entschuldigen, und die ihm huldigten und

für die er um Vergebung gebeten hatte, nur zurückgestellt, bis Allah über

uns entschieden hatte. Und tatsächlich entschied Allah, der Erhabene: "Und

auch jenen dreien (wandte Er sich zu), die (vom Kampf) zurückgeblieben

waren." (Sure 9:118) 'Zurückgeblieben' bedeutet nicht, dass wir vom

Dschihad zurückblieben, sondern es bedeutet, dass Allah unseren Fall

aufschob, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Fälle der anderen Personen

behandelt waren, die sich bei dem Propheten (s) entschuldigten und deren

Entschuldigungen er akzeptierte. (Al-Bukhari und Muslim)

Eine andere Version besagt, dass der Prophet (s) an einem Donnerstag

zum Feldzug nach Tabuk aufbrach, und er mochte gerne donnerstags zu

reisen.

Noch eine andere Version besagt, dass er vormittags bei Tageslicht von

einer Reise zurückzukehren pflegte. Er ging dann gewöhnlich direkt in die

Moschee, betete zwei Rak'a und setzte sich dann dort nieder.

Hadith 22: Es erzählte Abu Nudschaid Imran ibn al-Husain al-Khuza'i (r),

dass eine Frau aus dem Dschuhaina-Stamm aufgrund eines Ehebruchs

schwanger wurde. Sie kam zum Propheten (s), gab ihre Schuld zu und

sagte: "Oh Gesandter Allahs, ich habe eine schwere Sünde begangen.

Bestrafe mich also dementsprechend." Der Prophet (s) ließ ihren Vormund

kommen und sagte zu ihm: "Behandle sie gut, und bringe sie wieder zu

mir, wenn sie entbunden hat." Der Vormund führte die Anweisungen

durch und brachte sie zurück zum Propheten (s), der das Urteil sprach und

ihre Hinrichtung anordnete. Man band daher ihre Kleider um ihren Körper

fest 34, und sie wurde zu Tode gesteinigt. Danach leitete der Prophet (s) ihr

17

1. Buch der Gebote

Begräbnisgebet. Umar bemerkte sodann: "Oh Prophet Allahs (s)! Sie ist

eine Ehebrecherin und du leitest ihr Begräbnisgebet?" Der Prophet (s)

sagte: "Sie hat in so einem Maß bereut, dass, wenn diese Reue auf siebzig

Personen aus Medina verteilt würde, sie für alle ausgereicht hätte. Gibt es

etwas besseres, als dass sie sich selbst für Allah, den Allmächtigen und

Erhabenen, aufgeopfert hat?" (Muslim)

Hadith 23: Ibn Abbas und Anas ibn Malik (r) überliefern, dass der

Gesandte Allahs (s) sagte: "Wenn der Sohn Adams35 ein Tal voller Gold

hätte, wäre er auf zwei erpicht. Und nichts würde seinen Mund stopfen, als

Erde. Doch Allah wendet Sich jedem reumütigen Sünder zu." (Al-Bukhari

und Muslim)

Hadith 24: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Allahs Freude über den Märtyrer und seinen reumütigen Mörder ist

groß. Der Erste wurde um Allahs willen getötet, und der Zweite fand

Allahs Erbarmen, nahm dann den Islam an, kämpfte auch um Allahs willen

und wurde als Märtyrer getötet." (Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 3

Geduld (Sabr)

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Oh ihr, die ihr glaubt! Seid geduldig und wetteifert in Geduld und seid

standhaft und fürchtet Allah, damit ihr erfolgreich sein werdet." (3:200)

"Und bestimmt werden Wir euch prüfen mit etwas Angst, Hunger und

Minderung an Besitz, Seelen und Früchten. Doch verkünde frohe

Botschaft den Geduldigen." (2:155)

"Den Standhaften wird wahrlich ihr Lohn gegeben ohne zu rechnen."

(39:10)

"Wer aber geduldig ist und verzeiht - dies ist fürwahr ein Zeichen fester

Entschlossenheit." (42:43)

34 Bei einer Steinigung pflegte man die Kleidung festzubinden, um zu verhindern, dass

während des Steinigens eine Blöße des Verurteilten sichtbar wurde.

35 Mit dem Sohn Adams ist der Mensch gemeint.

18

. Buch der Gebote

"Oh die ihr glaubt, sucht Hilfe in Geduld und Gebet; wahrlich, Allah ist mit

den Geduldigen." (2:153)

"Und Wir werden euch ganz gewiss so lange prüfen, bis Wir die kenntlich

machen, die sich unter euch mit aller Kraft (für Unsere Sache) einsetzen

und standhaft sind..." (47:31)

Zur Geduld und ihren Vorzügen gibt es noch viele bekannte Verse im

Qur'an.

Hadith 25: Abu Malik al-Harith ibn Asim al-Asch'ari (r) berichtet, daß der

Gesandte Allahs (s) sagte: "Die Reinheit ist die Hälfte des Glaubens.

Alhamdu lillah36 füllt die Waagschale (am Tag des Jüngsten Gerichts), und

Subhan Allah37 und Alhamdu lillah füllt, was zwischen Himmel und Erde

ist. Das Gebet ist ein Licht, Almosen sind ein Beweis (der Frömmigkeit),

Geduld ist der Glanz und der Qur'an ist das maßgebende Argument für

oder gegen dich. Jedermann geht in den Tag und verkauft seine Seele und

erwirkt ihre Befreiung oder ihr Verderben." (Muslim)

Hadith 26: Abu Said Sa'd ibn Malik ibn Sinan al-Khudri (r) überliefert,

dass einige Leute aus den Reihen der Ansar den Gesandten Allahs (s)

baten, ihnen etwas zu geben, und er gab es ihnen. Sie baten erneut, und er

gab ihnen, so lange, bis nichts mehr übrig blieb. Dann sagte er zu ihnen:

"Solange mir etwas verbleibt, zögere ich nicht, es euch zu geben. Erinnert

euch aber: Wer Reinheit begehrt, so macht Allah ihn rein; und wer sich

zufrieden gibt (mit dem was er hat), den wird Allah bereichern; und wer

sich geduldet, dem wird Allah Geduld schenken. Kein Geschenk ist besser

und umfangreicher für einen von euch als die Geduld." (Al-Bukhari und

Muslim)

Hadith 27: Abu Yahya Suhaib ibn Sinan (r) überliefert, daß der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Der Gläubige ist zu bewundern, da alles für ihn gut ist.

Und niemanden außer einem Gläubigen zeichnet dies aus: Wenn ihm etwas

Erfreuliches widerfährt und er dankt (Allah) dafür, so ist das gut für ihn.

Wenn er von einer Prüfung heimgesucht wird und sich in Geduld übt, so

ist das auch gut für ihn." (Muslim)

36 Auf Deutsch bedeutet dies: "Gelobt sei Allah!"

37 Auf Deutsch bedeutet dies: "Gepriesen sei Allall!"

19

1. Buch der Gebote

Hadith 28: Anas (r) überliefert: Als der Prophet (s) (kurz vor seinem

Tode) schwer erkrankte und an seiner Krankheit litt, sagte Fatima (r):

"Ah! Wie schwer ist das Leiden meines Vaters!" Daraufhin sagte er:

"Bald38 gibt es kein Leiden mehr für deinen Vater."

Als er verschied, sagte sie: "Ah! Mein Vater! Er hat auf das Rufen seines

Herrn geantwortet. Ah, mein Vater! Der Himmel des Paradieses ist ihm

zum Zufluchtsort geworden. Ah, mein Vater! Wir geben Gabriel dein

Ableben bekannt."

Als er (s) begraben wurde, klagte Fatima (r): "Wie könnt ihr nur den

Gesandten Allahs (s) mit Erde bestreuen?"

(Al-Bukhari)

Hadith 29: Usama ibn Zaid (r), der Diener des Gesandten Allahs (s), den

dieser sehr mochte, wie er auch dessen Vater gemocht hatte, berichtet,

dass eine Tochter des Gesandten (s) nach ihm (s) aussandte, als ihr Sohn

im Sterben lag. Er (s) sandte ihr seinen Gruß mit der Botschaft: "Allah

gehört, was Er schenkt, und Ihm gehört, was Er (wieder) nimmt. Alles hat

seine angemessene Frist, die Er allein bestimmt." Sie (die Tochter) solle

sich gedulden, und (auf die Belohnung Allahs dafür) vertrauen. Doch sie

schickte nochmals in Allahs Namen nach ihm, dass er zu ihr komme. Er

machte sich also zu ihrem Haus auf, in Begleitung von Sa'd ibn Ubada,

Mu'adh ibn Dschabal, Ubai ibn Kais, Zaid ibn Thabit und anderen

Gefährten (r). Man reichte ihm den Jungen, und er nahm ihn auf seinen

Schoß.* Als er den Todeskampf des Kindes sah, begannen seine Augen

Tränen zu vergießen, worauf Sa'd (r) ihn (verwundert) fragte: "Oh

Gesandter Allahs, was soll das sein?" Der Prophet (s) erwiderte: "Das ist

die Barmherzigkeit, die Allah, der Erhabene, in die Herzen Seiner Diener

gelegt hat."

Nach einer anderen Version sagte er (s): "Das ist die Barmherzigkeit, die

Allah, der Erhabene, in die Herzen bestimmter Diener von Ihm gelegt hat;

denn Allah wird sich derjenigen Seiner Diener erbarmen, die barmherzig

sind."

(Al-Bukhari und Muslim)

38 Wörtlich: Nach dem heutigen Tag.

20

1. Buch der Gebote

Hadith 30: Suhaib (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) erzählte:

Man erzählt, dass es einst einen König gab, der einen Zauberer (in seinem

Dienst) hatte. Als der Zauberer alt wurde, sagte er zu dem König: "Da ich

jetzt alt werde, bestimme bitte einen jungen Mann, den ich die Zauberei

lehren kann." Der König schickte also einen jungen Mann zu ihm, der in

der Kunst der Zauberei unterrichtet werden sollte. Auf dem Weg des

jungen Mannes zum Zauberer lebte ein Mönch, bei dem der Junge zu

sitzen pflegte und dessen Reden er gern lauschte. Der Junge war so erfreut

durch das Gespräch mit dem Mönch, dass er sich immer zu dem Mönch

auf den Weg setzte, wenn er zum Zauberer ging. Dies ließ den Jungen zu

spät kommen, worauf der Zauberer ihn schlug. Als der Junge sich beim

Mönch darüber beklagte, sagte der Mönch zu ihm: "Wenn du Angst vor

dem Zauberer hast, sag ihm: 'Meine Leute hielten mich auf, und wenn du

dich vor deiner Familie fürchtest, sag ihnen: 'Ich habe mich wegen des

Zauberers verspätet.'" Diese Strategie setzte sich eine Zeitlang fort. Einst

sah der junge Mann, dass ein gewaltiges Tier den Menschen den Weg

blockierte. Der junge Mann sagte bei sich: 'Jetzt werde ich merken, ob der

Zauberer besser ist oder der Mönch.' Er hob nun einen Stein auf und sagte:

"Allah! Wenn das Verhalten des Mönches dir wohlgefälliger ist als die

Tätigkeit des Zauberers, dann töte dieses Tier, so dass die Leute durch

gehen können." Und dann warf er mit dem Stein nach dem Tier und tötete

es, womit er den Leuten den Durchgang ermöglichte. Der junge Mann

erzählte dieses dem Mönch, der zu ihm sagte: "Mein Sohn, heute bist du

mir zuvorgekommen, und ich glaube, dass du jetzt ein Stadium erreicht

hast, in dem du geprüft werden könntest. Sollte das geschehen, verrate

mich nicht." Der junge Mann begann, Menschen zu heilen, die von Geburt

an an Blindheit litten, unter Lepra und anderen Krankheiten. Diese

Nachricht gelangte zu einem königlichen Höfling, der erblindet war. Er

ging zu dem jungen Mann mit vielen Geschenken und sagte: "All dieses

wird dein sein, wenn du mich heilst." Der junge Mann sagte zu ihm: "Ich

heile niemanden. Es ist Allah allein, der Heilung gewährt. Wenn du deinen

Glauben an Allah bekundest, will ich für dich beten, und Er wird dir

Gesundheit gewähren." Da sprach er seinen Glauben an Allah aus, Der ihm

das Sehen wiedergab. Danach ging er zum königlichen Hof und saß dort

wie gewöhnlich. Der König fragte ihn: "Wer hat dir dein Sehen wiedergegeben?"

Der Mann antwortete: "Mein Herr!" Der König fragte weiter:

"Hast du einen Herrn außer mir?" Er antwortete: "Mein Herr und dein

Herr ist Allah." Der König befahl, den Höfling gefangen zu nehmen und

foltern zu lassen, bis er den Namen des jungen Mannes bekannt gab, und

21

1. Buch der Gebote

der wurde vor den Herrscher gebracht, der zu ihm sagte: "Mein Sohn, bist

du in der Zauberei so weit gekommen, dass du Leute vom Leiden der

Blindheit, Lepra und anderen Gebrechen heilen kannst?" Der junge Mann

sagte: "Ich heile überhaupt niemanden. Es ist Allah, der heilt." Da wurde

auch er inhaftiert und gefoltert, bis er den König Namen und Wohnort des

Mönchs wissen ließ. Dieser wurde ebenfalls herbei zitiert und aufgefordert,

seinen Glauben zu widerrufen, was er aber verweigerte. Der König ließ

daraufhin eine Säge holen, die mitten auf den Kopf des Mönches gesetzt

wurde, und er wurde in zwei Teile entzwei geschnitten. Danach wurde

nach dem Höfling des Königs geschickt, und er wurde aufgefordert, seinen

Glauben zu leugnen. Er weigerte sich ebenfalls und wurde genauso

gespalten. Dann wurde der junge Mann gebracht und aufgefordert, seinem

Glauben zu entsagen, doch auch der weigerte sich, dies zu tun. Der König

überantwortete den jungen Mann seinen Leuten und sagte ihnen: "Bringt

ihn zu dem und dem Berg, und wenn ihr den Gipfel erreicht habt, und er

sich immer noch weigert, seinem Glauben abzuschwören, werft ihn vom

Berggipfel hinunter." Sie brachten ihn also zum Berggipfel. Dort flehte er:

"Oh Allah! Befreie mich von diesen auf welche Art Du willst." Sogleich

erschütterte ein Erdbeben den Berg, und die Männer des Königs fielen

hinab. Der junge Mann kam zurück zum König, der fragte: "Was ist mit

deinen Begleitern passiert?" Er antwortete: "Allah, der Erhabene, hat mich

vor ihnen gerettet." Da wurde er anderen Männern übergeben, denen

aufgetragen wurde, ihn in einem kleinen Boot aufs Meer hinaus zu bringen

und ihn, im Falle des Widerstandes, seinen Glauben aufzugeben, in die See

zu werfen. Also nahmen sie ihn mit sich fort, und dann betete er: "Oh

Allah! Befreie mich von diesen auf welche Art Du willst!" Da erlitt das

Boot Schiffbruch und die Männer ertranken. Und wieder kehrte der junge

Mann zurück zum König, der ihn fragte: "Was ist mit deinen Begleitern

passiert?" Er antwortete: "Allah, der Erhabene, hat mich vor ihnen

gerettet", und er fügte hinzu: "Du wirst nicht fähig sein, mich zu töten,

wenn du nicht tust, was ich dir sage." Der König fragte nach: "Was ist

das?" Der junge Mann antwortete: "Versammle die Leute auf offenem

Gelände und lass mich von einem Palmstamm hängen. Dann nimm einen

Pfeil aus meinem Köcher und sprich, indem du ihn in die Mitte eines

Bogen spannst: 'Im Namen Allahs, des Herrn diesen jungen Mannes', und

schieße den Pfeil auf mich. Wenn du das tust, wirst du mich töten

können." Der König ging dementsprechend vor. Die Leute wurden

veranlasst, sich auf freiem Feld zu versammeln, der Mann wurde von dem

Stamm einer Palme hinunter gehängt, der König nahm einen Pfeil aus

22

Buch der Gebote

seinem Köcher, und indem er ihn in die Mitte des Bogens" spannte sagte er:

"Im Namen Allahs, des Herrn dieses jungen Mannes" und schoss ihn ab.

Der Pfeil traf den jungen Mann an der Schläfe, der hob seine Hand zur

Schläfe und starb.

Als die Leute dies sahen, sprachen sie: "Wir erklären unseren Glauben an

den Herrn dieses jungen Mannes." Der König bekam zu hören: "Schau!

Was du befürchtet hast, ist geschehen: Die Leute haben ihren Glauben an

den Herrn dieses jungen Mannes bekundet." Der König befahl, an beiden

Seiten der Wege Gräben auszuheben. Als sie fertig waren, wurde in ihnen

Feuer entzündet. Dann wurde verkündet, dass jeder, der sich weigere,

seinem Glauben zu entsagen, in die brennenden Gräben geworfen werde

oder aufgefordert werde, hineinzuspringen. Die Dinge nahmen so ihren

Lauf, bis eine Frau hervorkam, begleitet von einem Jungen, doch sie

weigerte sich, in das Feuer geworfen zu werden, woraufhin der Junge sie

ermutigte und sagte: "Oh meine Mutter! Sei standhaft; du bist auf dem

richtigen Pfad." (Muslim)

Hadith 31: Anas (r) berichtet, dass es dem Propheten (s) einst passierte,

dass er an einer Frau vorüberging, die über einem Grab weinte. Er sagte zu

ihr: "Fürchte Allah und sei geduldig!" Die Frau - nicht wissend wer er war

- erwiderte: "Lass mich allein, denn du bist nicht betroffen wie ich." Als

man ihr danach erzählte, dass er der Gesandte Allahs (s) war, ging sie zu

dem Haus des Propheten, und sah, dass er keinen Türhüter hat. Sie ging

hinein und sagte zu ihm: "Ich habe dich nicht erkannt." Er (s) sagte: "Die

wahre Geduld ist bei dem ersten Schlag (geduldig zu sein)." (Al-Bukhari

und Muslim) In der Version von Muslim heißt es, dass sie über ihren

Jungen weinte.

Hadith 32: Abu Huraira (r) berichtet, dass Allahs Gesandter (s) gesagt

hat: Allah, der Erhabene, spricht: "Es gibt keine andere Belohnung von

Mir für Meinen gläubigen Diener, wenn ich seinen besten Freund von den

Bewohnern dieser Welt zu Mir genommen habe und er dies mit Geduld

trägt, als das Paradies." (Al-Bukhari)

23

1. Buch der Gebote

Hadith 33: Aischa (r) berichtet, dass sie den Gesandten Allahs (s) nach

der Pest befragte. Er (s) erzählte ihr, die Pest sei eine Qual, welche Allah,

der Erhabene, als Strafe schickt, wem Er will. Aus dieser Qual wird

Barmherzigkeit für die Gläubigen; denn jeder Diener Allahs, der durch die

Pest gequält wird und an seinem Wohnsitz geduldig ausharrt, wohl

wissend, dass ihm nur das geschehen wird, was Allah für ihn bestimmt hat,

wird den gleichen Lohn erhalten wie ein Märtyrer." (Al-Bukhari)

Hadith 34: Anas (r) überliefert, er habe den Gesandten Allahs sagen

hören, dass Allah, der Erhabene, gesagt hat: "Wenn Ich einen Meiner

Diener plage, indem er seine (beiden) Teuersten39 verliert, so gewähre Ich

ihm das Paradies als Ersatz." (Al-Bukhari)

Hadith 35: Es berichtet Ata ibn Abi Rabah (r), dass Ibn Abbas (r) zu ihm

sagte: "Möchtest du, dass ich dir eine Bewohnerin des Paradieses zeige?"

Ich sagte: "Gewiss!" Er sagte zu mir: "Diese schwarze Frau! Sie kam zum

Propheten (s) und sagte zu ihm: 'Ich bin Epileptikerin und wenn ich einen

Anfall habe, wird mein Körper bloßgelegt. Bitte bete zu Allah für mich.' Er

(s) sagte: 'Wenn du es vorziehst, geduldig zu sein, wann immer du von

deinem Leiden gequält wirst, wirst du ins Paradies gelangen. Wenn du

jedoch wünscht, dass ich für dich bete, wird Allah dich heilen.` Sie sagte:

'Ich werde es mit Geduld ertragen, doch bete bitte, dass mein Körper sich

nicht enthüllt, wenn ich einen Anfall habe.` So betete er wie von ihr

gewünscht." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 36: Abu Abdur-Rahman Abdullah ibn Mas'ud (r) berichtet, dass er

sich erinnere, als wenn er den Propheten (s) sehe, als er (s) die folgende

Begebenheit aus dem Leben eines der Propheten erzählte: "Er wurde von

seinem Volk geschlagen und so schwer verletzt, dass er heftig blutete, und

er musste das Blut aus seinem Gesicht wischen, wobei er bat: 'Oh Allah,

vergib meinem Volk, denn sie wissen nicht, was sie tun.'"

(Al-Bukhari und Muslim)

39 Mit den "Teuersten" sind die Augen gemeint.

24

1. Buch der Gebote

Hadith 37: Abu Said al-Khudri und Abu Huraira (r) überliefern, dass der

Prophet (s) sagte: "Für eine jede Sorge, Krankheit, Leid, Bekümmernis,

Verletzung oder Gram, die einen Muslim plagt, sogar für den Stich eines

Dorns, nimmt Allah etwas von seinen Sünden fort." (Al-Bukhari und

Muslim)

Hadith 38: Ibn Mas'ud (r) erzählte: Ich besuchte den Propheten (s) als er

Fieber hatte. Ich sagte zu ihm: "Oh Gesandter Allahs! Du hast sehr hohes

Fieber." Er sagte: "Ja wirklich, es ist so stark, wie wenn zwei Männer von

euch Fieber hätten." Ich fragte: "Heißt das, dass du die doppelte

Belohnung erhältst?" Er sagte: "So ist es. Wenn ein Muslim auch nur

durch einen Dorn verletzt wird, vergibt ihm Allah dafür eine seiner

Sünden, und sie fallen von ihm ab, wie Laub von einem Baum." (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 39: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: "Wenn

Allah einen Menschen begünstigen will, macht Er dies, indem Er ihm eine

Härte auferlegt." (Al-Bukhari)

Hadith 40: Anas (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Niemand soll sich nach dem Tode sehnen weil ihn ein Unglück getroffen

hat. Wenn jemand von euch so sehr des Lebens überdrüssig ist, sollte er

sagen: "Oh Allah, erhalte mich am Leben, solange das Leben besser für

mich ist, und nimm mich (zu Dir), wenn der Tod besser für mich ist."40 (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 41: Abu Abdullah Khabbab ibn al-Aratt (r) sagte: Wir beklagten

uns bei dem Gesandten Allahs (s), während er seinen Kopf im Schatten der

Ka'ba auf sein Gewand gelegt hatte, indem wir sagten: "Betest du nicht um

Hilfe für uns? Willst Du nicht die Hilfe Allahs für uns erbitten?" Daraufhin

40 Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet:

Allahumma ahyini ma kanatil-hayatu khairan li wa tawajfani idha kanatil-wafatu khairan li.

25

1. Buch der Gebote

sagte er: "Einst verfolgte man die Gläubigen, indem man sie in ein Loch

eingrub und ihren Kopf in zwei Teile sägte, oder ihr Fleisch mit Eisenkämmen

von den Knochen schabte, doch nichts von alledem konnte sie

von ihrem Glauben abbringen. Bei Allah! Allah wird gewiss diese

Botschaft vollenden, bis der Reiter, der von San'a' bis Hadramaut gelangt,

nichts außer Allah fürchtet, und dem Wolf für seine Schafe. Doch ihr

drängelt zu sehr." (Al-Bukhari)

In einer anderen Version heißt es, dass der Gesandte mit dem Kopf auf

seinem Gewand lag, und wir von den Ungläubigen hart bedrängt wurden.

Hadith 42: Es erzählte Ibn Mas'ud (r): Am Tag von Hunain41 begünstigte

der Gesandte Allahs (s) einige Leute beim Verteilen der Kriegsbeute: So

gab er al-Aqra' ibn Häbis und Uyaina ibn Hisn je hundert Kamele und

bevorzugte auch einige arabische Honoratioren. Ein Mann sagte: "Bei

Allah, das ist weder eine gerechte Verteilung, noch ist sie um Allahs

willen." Ich sagte: "Bei Allah, ich werde den Gesandten Allahs (s) hiervon

unterrichten." Als ich ihm dies erzählte, wurde sein Gesicht rot und er

sagte: "Wer wird noch Gerechtigkeit ausüben, wenn Allah und Sein

Gesandter es nicht tun?" Dann fügte er hinzu: "Möge Allah Erbarmen mit

Moses haben! Man hat ihm mehr Unrecht getan als dies (hier), jedoch blieb

er geduldig." Als ich dies hörte, sagte ich zu mir selbst: 'Gewiss werde ich

nie wieder etwas Derartiges zu ihm weiterleiten!' (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 43: Anas (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Wenn Allah einen Seiner Diener begünstigen will, so lässt Er ihn im

Diesseits leiden. Wenn Er ihn nicht begünstigen will, so bestraft Er ihn

überhaupt nicht, bis zum Tag des Gerichts." Er (s) sagte auch: "Die Höhe

der Belohnung entspricht dem Umfang des Leidens, und wenn Allah, der

Erhabene, ein Volk liebt, so prüft Er es. Ist der Mensch damit zufrieden,

so genießt er Allahs Wohlgefallen. Grollt er deswegen, so verdient er

Seinen Groll." (At-Tirmidhi) Dies ist ein guter Hadith (hasan).

41 Die Schlacht von Hunain fand im Jahre 630 n.Chr. statt, also im Jahre 8 nach der Hidschra,

und endete mit einem Sieg der Muslime über die Götzendiener.

26

1. Buch der Gebote

Hadith 44: Anas (r) berichtet, dass Abu Talha (r) einen kranken Sohn

hatte. Während Abu Talha einmal nicht zu Hause war, starb dieser Junge.

Als Abu Talha zurückkam, fragte er seine Frau: "Wie geht es meinem

Sohn?" Die Mutter des Jungen, Umm Sulaim, sagte: "Er war noch nie so

ruhig." Dann gab sie ihm zu essen. Nachdem er gegessen hatte, schlief er

mit ihr. Danach sagte sie: "Nun begrabt den Jungen!" Am Morgen ging

Abu Talha zu Allahs Gesandtem (s) und berichtete ihm davon. Er (s)

fragte ihn: "Habt ihr letzte Nacht zusammen geschlafen?" Abu Talha

antwortete: "Ja!" Da bat der Prophet: "Oh Allah, segne die beiden!", und

seine Frau bekam einen Sohn. Da sagte Abu Talha zu mir: "Bring ihn zum

Propheten, Anas.", und er gab mir auch ein paar Datteln mit. Der Prophet

(s) fragte mich: "Habt ihr etwas mitgebracht?", und ich erwiderte: "Ja, ein

paar Datteln." Da nahm er eine, zerkaute sie und rieb damit den Gaumen

des Säuglings ein, und nannte ihn Abdullah." (Al-Bukhari und Muslim)

Nach der Version von Al-Bukhari sagte Ibn Uyaina: Einer der Ansar

berichtete: "Ich habe neun Söhne (von Abdullah) gesehen, die alle den

Qur'an auswendig gelernt hatten."

27

1. Buch der Gebote

In der Version von Muslim lautet dieser Hadith wie folgt: Als der Sohn

von Abu Talha starb, sagte Umm Sulaim zu ihrer Familie: "Erzählt Abu

Talha nichts von seinem Sohn, bevor ich mit ihm darüber geredet habe."

Als er nach Hause kam, gab sie ihm zu essen, und er aß und trank. Dann

zog sie sich so schön wie nie zuvor an, und er schlief mit ihr. Als sie sah,

dass er satt und zufrieden war, sagte sie zu ihm: "Oh Abu Talha! Was

denkst du: Wenn jemand einer Familie etwas ausleiht und es später

zurückfordert, hat sie das Recht dies zu verweigern?" Er antwortete:

"Nein!" Daraufhin sagte sie: "Dann hoffe auf Belohnung in Bezug auf

deinen Sohn!" Abu Talha war erbost und sagte: "Du hast mir nichts davon

erzählt, bis ich mich verunreinigt hatte, und nun erzählst du mir von

meinem Sohn." Dann ging er zu Allahs Gesandtem (s) und erzählte ihm,

was geschehen war. Er (s) sagte: "Möge Allah eure Nacht segnen!", und

sie wurde schwanger. Der Prophet (s) ging einst auf eine Reise, und sie

begleiteten ihn. Der Prophet (s) hatte die Gewohnheit, Medina nicht des

Nachts zu betreten (um seine Familie nicht zu stören). In der Nähe von

Medina setzten allerdings ihre Wehen ein. So musste Abu Talha bei ihr

bleiben, und der Prophet (s) zog weiter. Abu Talha betete: "Oh Allah! Du

weißt, wie sehr ich es begehre, den Gesandten (s) zu begleiten, wenn er

kommt oder geht. Und Du siehst, was mich nun festhält!" Doch Umm

Sulaim sagte: "Oh Abu Talha, ich habe keine Schmerzen mehr. Lass uns

weitergehen!" So gingen sie weiter und siehe, als sie in Medina ankamen,

gebar sie einen Jungen.

Anas (r) erzählte weiter: Meine Mutter sagte zu mir: "Oh Anas, lass

niemanden ihn stillen, bis du ihn morgen zum Propheten (s) gebracht hast!"

Am nächsten Morgen brachte ich den Säugling zum Gesandten Allahs (s).

Das Ende dieses Hadithes ist oben beschrieben.

Hadith 45: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Nicht derjenige ist stark, der den Gegner zu Boden schlägt,

sondern derjenige, der sich nicht gehen lässt, wenn er gereizt wird." (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 46: Sulaiman ibn Surad (r) erzählte. Ich saß beim Propheten (s),

als sich zwei Männer so beschimpften, dass das Gesicht des einen rot

wurde und seine Halsadern anschwollen. Da sagte Allahs Gesandter (s):

"Ich weiß einen Satz, der seinen Zorn bändigen kann, wenn er ihn sagen

28

1. Buch der Gebote

würde: A'udhu billahi min asch-schaitan-ir-radschim!42" Die Anwesender,

sagten: "Der Prophet (s) hat sagt, du solltest a'üdhu bi-llahi

min asch-schaitanir-radschim sagen!" (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 47: Mu'adh ibn Anas (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte:

"Wer seinen Zorn bändigen kann, obwohl er in der Lage ist, sich zu

rächen, den wird Allah, der Gepriesene, der Erhabene, am Tage des

Gerichts, vor den Augen der Menge zu sich rufen und ihn unter den

Huris43 wählen lassen, welche er möchte."

(Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Nach At-Tirmidhi ist dies ein guter Hadith (hasan).

Hadith 48: Abu Huraira (r) überliefert, dass ein Mann dem Propheten (s)

sagte: "Gib mir einen Rat!" Er sagte: "Zürne nicht!" Und er wiederholte

dies mehrmals, und er (s) sagte: "Zürne nicht!" (Al-Bukhari)

Hadith 49: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Der Gläubige, ob Mann oder Frau, wird immer wieder geprüft werden,

am eigenem Leib, an seinen Nachkommen und an seinem Gut, bis er ohne

Sünde Allah, dem Erhabenen, gegenübersteht."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

Hadith 50: Ibn Abbas (r) erzählte: Einst kam Uyaina ibn Hisn als Gast

seines Neffen al-Hurr ibn Qais, der zu dem (dem Kalifen) Umar

nahestehenden und beliebten Kreis gehörte, (nach Medina). Jener Kreis um

Umar (r) wurde von Quranlesern und Rezitatoren gebildet, die,

unabhängig von ihrem Alter, seine Berater waren. Da sagte Uyaina zu

seinem Neffen: "Oh mein Neffe! Du erfreust dich des Vertrauens des Amir

al-Mu'minin 44 (Umar); würdest du die Genehmigung für mich erlangen,

dass ich ihn sehe?" Al-Hurr erbat dies, und Umar gewährte es. Als Uyaina

42 Auf Deutsch bedeutet dies: "Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Satan, dem Verdammten!"

43 Huri ist die Bezeichnung für Jungfrauen des Paradieses.

44 Amir al-Mu'minln bedeutet so viel wie "Führer der Gläubigen", und ist ein Titel des Kalifen.

29

1. Buch der Gebote

vor Umar stand, sagte er zu ihm: "Wisse, Sohn des Khattab! Bei Allah,

was du uns gewährst ist weder reichlich, noch behandelst du uns gerecht!"

Umar wurde so zornig, dass er ihn beinahe bestraft hätte. Da sagte al-Hurr

zu ihm: "Oh Arnir al-Mu'minin! Allah, der Erhabene, sagte zu Seinem

Propheten (s): 'Übe Nachsicht und gebiete Gutes, und wende dich ab von

den Törichten'(Sure 7:199), und dieser ist einer der Törichten." Bei Allah,

Umar gewann seine Fassung wieder, als er diesen Qur'anvers hörte, denn

der Qur'an war für ihn Grundlage allen Tun und Handelns. (Al-Bukhari)

Hadith 51: Ibn Mas'ud (r) überliefert, dass Allahs Gesandter sagte: "Nach

mir werden Selbstsucht und Verwerfliches kommen, was ihr nicht kennt

und was ihr verurteilen würdet." Sie (seine Gefährten) sagten: "Oh

Gesandter Allahs, was gebietest du uns zu tun?" Er sagte: "Ihr solltet eure

Pflichten erfüllen, und Allah anrufen." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 52: Abu Yahya Usaid ibn Hudair (r) überliefert, dass einer der

Ansar zum Gesandten Allahs (s) sagte: "Oh Gesandter Allahs, möchtest du

mich nicht mit einer Tätigkeit betrauen, wie du es mit dem Soundso getan

hast?" Er (s) antwortete: "Nach mir wird euch Selbstsucht treffen, doch

seid geduldig, bis ihr mich am Fluss Al-Haud (im Paradies) trefft." (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 53: Abu Ibrahim Abdullah ibn Abi Aufä (r) überliefert: Während

des Krieges mit einem Feind wartete Allahs Gesandter (s) bis zum

Sonnenuntergang, dann sagte er zu den Muslimen: "Oh ihr Menschen!

Wünscht nicht, dem Feind im Kampf zu begegnen, und bittet Allah um

Wohlbefinden. Aber wenn ihr den Feind trefft, dann seid standhaft und

wisst, dass das Paradies im Schatten des Schwertes liegt." Dann fügte er

(s) hinzu: "Oh Allah! Offenbarer des Buches! Beweger der Wolken!

Überwinder aller Parteien! Besiege sie (die Feinde), und hilf uns, sie zu

besiegen!" (Al-Bukhari und Muslim)

30

1. Buch der Gebote

Kapitel 4

Aufrichtigkeit

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Oh, ihr Gläubigen! Fürchtet Allah und seid mit den Wahrhaftigen!"

(9:119)

"...Und die wahrhaften Männer und die wahrhaften Frauen... Allah hat

ihnen Vergebung und einen gewaltigen Lohn verheißen." (33:35)

"...Dann wäre es am besten für sie, wenn sie sich für Allah aufrichtig

einsetzten." (47:21)

Hadith 54: Abdullah ibn Mas'ud (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs

(s) sagte: "Aufrichtigkeit führt auf den Weg der Tugend, und die Tugend

führt zum Paradies; Ein Mensch, der nur die Wahrheit spricht, wird von

Allah siddiq45 genannt. Und das Lügen führt zum Übel, und Übel führt ins

Höllenfeuer; und ein Mensch, der immer wieder lügt, wird von Allah

Lügner genannt." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 55: Abu Muhammad al-Hasan ibn Ali ibn Abi Talib (r) berichtet:

Ich habe von dem Gesandten Allahs (s) auswendig gelernt: "Lass das, was

in dir Zweifel weckt, für das, was dir keine Zweifel verursacht."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein gesunder Hadith (sahih).

Hadith 56: Abu Sufyan Sakhr ibn Harb (r) erzählte in seinem langen

Bericht über das, was sich bei (dem oströmischen Kaiser) Heraklios

ereignet hatte, dass Heraklios fragte: "Was lehrt er (der Prophet (s))

euch?", und Abu Sufyan fuhr fort: "Ich antwortete: "Betet zu Allah allein

und gesellt ihm nichts bei und wendet euch von dem ab, was eure

Vorfahren sagten', und er hält uns dazu an, das Gebet zu verrichten,

aufrichtig zu sein, züchtig zu bleiben und die Verwandtschaftsbande zu

achten." (Al-Bukhari und Muslim)

45siddiq heiß auf Deutsch "rechtschaffen".

31

1. Buch der Gebote

Hadith 57: Sahl ibn Hunaif (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte:

"Derjenige, der Allah aufrichtig um Märtyrertum bittet, wird von ihm in

den Stand eines Märtyrers erhoben, auch wenn er in seinem Bett stirbt."

(Muslim)

Hadith 58: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s)

folgendes Gleichnis erzählte: Einer der früheren Propheten verkündete

seinem Volk, als er zum Dschihad auszog, dass derjenige, der beabsichtigt,

seine Frau, die er geheiratet, aber noch nicht zu seinem Haus

gebracht, nach Hause zu bringen, oder derjenige, der die Mauern eines

Hauses gebaut hat, doch noch kein Dach darauf gesetzt hat, oder

derjenige, der trächtige Ziegen oder Kamele erworben hat, und auf die

Geburt ihrer Nachkommenschaft wartet, ihn nicht begleiten darf. Dann

brach er zu der Stadt auf, die sein Ziel war. Er kam dort ungefähr zur Zeit

des Nachmittagsgebets an, und sagte zur Sonne: "Du gehorchst. dem

Befehl Allahs, und auch ich gehorche Seinem Befehl." Dann betete er: "Oh

Allah! Halte die Sonne zurück für uns."; und sie wurde zurückgehalten, bis

Allah ihm den Sieg gab. Sodann wurde die Beute gesammelt, um als Opfer

verbrannt zu werden, aber das Feuer vertilgte sie nicht. Da verkündete er:

"Einer von euch hat einen Teil der Beute unterschlagen, lasst daher von

jedem Stamm einen mir huldigen." Bei der Huldigung blieb die Hand eines

dieser Männer an der des Propheten haften, und er (s) sagte: "Einer aus

deinem Stamm hat die Veruntreuung begangen. Lass darum nun jeden

Mann deines Stammes mir huldigen." Während dieser Huldigungen blieben

die Hände von zwei oder drei Personen an der Hand des Propheten haften,

und er sagte, dass sie Veruntreuungen begangen hätten. Sie gingen also

und brachten einen Kuhkopf aus Gold, der zur Beute gestellt wurde, und

das Feuer fraß nun alles. Kriegsbeute war niemandem vor uns gestattet.

Allah erlaubte sie uns nur aufgrund unserer Schwäche und Mittellosigkeit.

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 59: Abu Khalid Hakim ibn Hizam (r) berichtet, dass Allahs

Gesandter (s) sagte: "Eine Verkaufsvereinbarung kann widerrufen werden,

solange Käufer und Verkäufer sich noch nicht voneinander getrennt haben.

Wenn sie sich die Wahrheit sagen und alles offen legen, wird ihr Handel

gesegnet sein; wenn sie jedoch verschweigen und lügen, wird der Segen

ihres Handels nichtig." (Al-Bukhari und Muslim)

32

1. Buch der Gebote

Kapitel 5

Beaufsichtigung

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und setze dein Vertrauen in den Allmächtigen, den Allbarmherzigen, Der

dich sieht, wie du (allein beim Gebet) stehst, und wie du dich bewegst

unter denen, die sich niederwerfen." (26:217-219)

"Und Er ist bei euch, wo ihr auch seid. Und Allah sieht, was ihr tut."

(57:4)

"Vor Allah ist wahrlich nichts verborgen, weder auf Erden, noch im

Himmel," (3:5)

"Dein Herr ist wahrlich ständig auf der Wacht." (89:14)

"Er kennt die Täuschung der Blicke und das, was die Herzen verborgen

halten." (40:19)

Hadith 60: Umar ibn al-Khattab (r) berichtet: Einst, als wir bei dem

Gesandten Allahs (s) saßen, erschien plötzlich ein Mann, dessen Kleidung

strahlend weiß und dessen Haar tief schwarz war, und der kein Anzeichen

einer Reise an sich hatte, und den niemand von uns kannte. Er setzte sich

neben den Propheten (s), wobei seine Knie die des Propheten (s)

berührten. Die Hände auf seine Oberschenkel legend sagte er. "Oh

Muhammad! Kläre mich auf, was wirklich Islam ist." Der Prophet (s)

sagte: "Islam' ist, dass du bezeugen sollst, dass es keinen Gott außer Allah

allein gibt und dass Muhammad (s) sein Gesandter ist, und dass du das

Gebet verrichtest, die Zakat zahlst, das Fasten während des Monats

Ramadan beachtest und die Pilgerfahrt zum Hause Allahs durchfuhrst,

wenn du dazu in der Lage bist." Der Mann sagte: "Das ist richtig!" Und

wir waren erstaunt, dass er ihn fragte und sogleich die Richtigkeit der

Antwort bestätigte. Dann sagte er: "Erzähle mir vom Glauben!" Der

Prophet (s) sagte: "Du sollst glauben an Allah, an Seine Engel, an Seine

Bücher, an Seine Propheten, an den Jüngsten Tag, und du sollst glauben,

33

1. Buch der Gebote

dass Er das Schicksal bestimmt, sei es gut oder schlecht." Der Mann sagte:

"Das ist richtig! Jetzt erzähle mir vom rechten Tun." Der Prophet (s)

sagte: "Du sollst Allah anbeten, als ob du ihn siehst, und wenn du ihn auch

nicht siehst, so bedenke, dass Er dich beobachtet." Der Mann sagte: "Nun

erzähle mir vom Jüngsten Tag." Der Prophet (s) sagte: "Davon weiß der

Gefragte nicht mehr als der Fragende." Der Mann sagte dann: "Nun, so

lass mich einigender Zeichen des Jüngsten Tages wissen." Der Prophet (s)

sagte: "Dass die Dienerin ihren Herrn gebärt und dass barfußige, nackte,

mittellose Schafhirten Bauten in die Höhe ziehen." Dann verabschiedete

sich der Mann, und ich blieb noch geraume Zeit dort. Schließlich sagte der

Prophet (s) zu mir: "Oh Umar, weißt du, wer dieser Fragesteller war?" Ich

antwortete: "Allah und Sein Gesandter (s) wissen es am besten!" Da sagte

er: "Es war Gabriel, der kam, um euch zu unterweisen und euch eure

Religion zu lehren." (Muslim)

Hadith 61: Abu Dharr Dschundub ibn Dschunada und Mu'adh ibn

Dschabal (r) überliefern, dass Allahs Gesandter (s) sagte: "Fürchte Allah,

wo immer du bist, und lass der bösen Tat eine gute folgen, so wird sie sie

auslöschen, und verhalte dich den Menschen gegenüber auf die beste

Weise!"

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith (hasan).

Hadith 62: Ibn Abbas (r) berichtet, dass er auf dem Reittier hinter dem

Propheten saß, als er (s) zu ihm sagte: "Mein Junge! Ich lehre dich einige

Worte: Bewahre Allah, so wird Er dich bewahren. Bewahre Allah, dann

wirst du Ihn bei dir finden. Wenn du irgendjemanden bittest, dann bitte

Allah. Wenn du Hilfe suchst, dann suche Hilfe bei Allah. Und wisse, dass,

wenn die gesamte Gemeinde beschließt, dir in einer Sache zu nutzen, sie

dir nur in etwas nutzt, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat, und

dass sie, wenn sie beschließt, dir in einer Sache zu schaden, dir nur in

etwas schadet, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat. Die

Schreibfedern sind abgesetzt und die Tinte ist getrocknet." (At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

34

1. Buch der Gebote

In einer anderen Version, außer der bei At-Tirmidhi, heißt es: "Bewahre

Allah, dann findest du ihn bei dir. Lerne Allah kennen, solange du sorglos

bist, dann kennt Er dich in der Not. Wisse, dass das, was dich verfehlte,

dich nicht treffen sollte Und was dich trifft, sollte dich nicht verfehlen.

Und wisse, dass der Sieg auf Seiten der Geduld ist, dass Trost mit Sorge

und Not mit Erleichterung einher geht."

Hadith 63: Anas ibn Malik (r) sagte: "Ihr tut Dinge, die ihr als winzige

Sünden betrachtet, die wir hingegen zur Zeit des Propheten (s) als schwer

wiegende Sünden betrachteten." (Al-Bukhari)

Hadith 64: Abu Huraira (r) überliefert, dass Allahs Gesandter (s) sagte:

"Allah, der Erhabene, ist selbstachtungsvoll, und Seine Selbstachtung zeigt

sich, sobald der Mensch beginnt, Dinge zu tun, die Er verboten hat." (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 65: Abu Huraira (r) überliefert, dass er den Gesandten Allahs (s)

folgendes Gleichnis erzählen hörte: Es waren drei vom Volke Israel, die

Allah prüfen wollte. Der erste war ein Lepräkranker, der zweite ein

Kahlköpfiger und der dritte war blind Er sandte ihnen einen Engel in

Menschengestalt zu. Dieser ging zu dem Leprakranken und fragte: "Was

möchtest du am liebsten?" Er antwortete: "Eine schöne Farbe und hübsche

Haut und .Heilung von dieser Krankheit, die die Menschen mich meiden

ließ." Der Engel strich mit seiner Hand über seinen Körper, und seine

Krankheit verschwand und sein Körper bekam eine schöne Farbe. Dann

fragte ihn der Engel weiter: "Welchen Besitz hättest du am liebsten?" Der

Mann sagte: "Kamele (oder Kühe46)." Daraufhin wurde dem Mann eine

trächtige Kamelstute gegeben, und der Engel sagte: "Möge Allah sie für

dich segnen." Sodann ging er zu dem kahlköpfigen Mann und fragte ihn:

"Was möchtest du am liebsten?" Der Mann antwortete: "Schönes Haar

und Ersatz für das Fehlende, weswegen inich die Leute verabscheuen."

Der Engel fuhr mit seiner Hand (über seinen Kopf), und seine Krankheit

war geheilt und er bekam schönes Haar. Daraufhin fragte ihn der Engel:

"Welchen Besitz hättest du am liebsten?" Der Mann sagte: "Rinder!",

worauf ihm eine trächtige Kuh gegeben würde, und der Engel sagte:

"Möge Allah sie für dich segnen!" Sodann kam-der Engel zu dem Mann,

46 Der Überlieferer ist sich hier nicht sicher.

35

1. Buch der Gebote

der blind war, und fragte ihn: "Was möchtest du am liebsten?" Er sagte:

"Dass Allah mir mein Sehvermögen wiedergeben möge, damit ich die

Leute um mich herum sehen kann." Der Engel strich ihm mit seiner Hand

über die Augen, und Allah gab ihm sein Sehvermögen wieder. Dann fragte

ihn der Engel: "Welchen Besitz hättest du am liebsten?" Der Mann sagte:

"Ziegen!", und ihm wurde eine trächtige Ziege gegeben. Diese Tiere

brachten ihre Jungen zur Welt, und bald hatte einer ein Tal voller

Kamele, der andere ein Tal voller Kühe und der dritte ein Tal voller

Ziegen.

Nach einiger Zeit besuchte der Engel den Leprakranken in dessen

ursprünglicher Gestalt und sagte zu ihm: "Ich bin arm und habe alle Mittel

zum Lebensunterhalt im Verlauf meiner Reise aufgebraucht, und nun weiß

ich nicht mehr, an wen ich mich wenden soll, außer an dich und an Allah.

Ich bitte dich im Namen Dessen, der dir eine angenehme Farbe gegeben

hat und schöne Haut und Wohlstand, mich mit einem Kamel auszustatten,

um meine Reise zu vollenden." Er antwortete: "Ich habe viele Verpflichtungen

zu erfüllen." Da sagte der Engel: "Mir scheint, dass ich dich

vorher schon einmal gesehen habe. Warst du nicht ein Leprakranker, der .

von den Leuten gemieden wurde, der arm war, und den Allah reich

machte?" Der Mann sagte: "Ich habe diesen Besitz von meinen Vorfahren

geerbt." Der Engel sagte: "Wenn du eine Lüge sprichst, möge Allah dich in

den Zustand zurückversetzen, in dem du warst." Dann kam er zu dem

Kahlköpfigen in dessen ursprünglicher Gestalt, wiederholte seine Bitte und

erhielt eine Antwort ähnlich der, die er von dem Leprakranken bekommen

hatte. Auch zu diesem sagte er: "Wenn du eine Lüge sprichst, möge Allah

dich in den Zustand zurückversetzen, in dem du warst." Darauf besuchte

der Engel den blinden Mann in dessen früheren Gestalt und sagte zu ihm:

"Ich bin ein armer Reisender. Meine Vorräte sind aufgebraucht und ich

kann mein Reiseziel nicht erreichen, außer mit deiner oder Allahs Hilfe. Ich

bitte dich im Namen Allahs, der dir deine Sehfähigkeit zurückgegeben hat,

mir eine Ziege zu geben, die sich als Hilfe erweisen mag, mein Ziel zu

erreichen." Der Mann sagte: "Ich war wirklich blind, und Allah gab mir

mein Augenlicht zurück. Du magst nehmen was du willst, und zurücklassen

was du willst. Bei Allah, ich werde dir nichts verweigern, was auch

immer du im Namen Allahs, des Allmächtigen und Erhabenen, zu nehmen

wünschst." Der Engel sagte: "Behalte alles, was du hast. Ihr wurdet alle

drei versucht. Allah ist wahrhaft über dich erfreut und erbost über deine

Gefährten." (Al-Bukhari und Muslim)

36

1. Buch der Gebote

Hadith 66: Abu Ya'la Schaddad ibn Aus (r) führt an: Der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Scharfsinnig ist derjenige, der sich selbst kritisch

betrachtet und nach dem strebt, was ihm nach dem Tode zum Wohl

gereichen wird; und schwachsinnig ist derjenige, der Sklave seiner

Begierden bleibt, und von Allah nur die Erfüllung seiner Wünsche

erbittet." (At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith (hasan)

Hadith 67: Abu Huraira (r) überliefert, dass Allahs Gesandter (s) sagte:

"Zum guten Muslim-Sein gehört, zu lassen, was einen nichts angeht." (At-

Tirmidhi und andere) Nach At-Tirmidhi ist dies ein guter Hadith (hasari).

Hadith 68: Umar (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Man soll

einen Ehemann nicht nach dem Grund fragen, weshalb er seine Frau

geschlagen hat." (Abu Dawud und andere),47

47 Nach Meinung einiger Gelehrter ist dieses Hadith schwach belegt (isnad daif).

37

1. Buch der Gebote

Kapitel 6

Gottesfurcht (Taqwa)

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Oh die ihr glaubt! Fürchtet Allah, so wie man Ihn fürchten sollte." (3:102)

"Fürchtet also Allah, so sehr ihr könnt." (64:16)

"Oh die ihr glaubt! Fürchtet Allah und sprecht ein rechtes Wort..." (33:70)

"Und dem, der Allah furchtet, schafft Er einen Ausweg, und versorgt ihn,

von wo er nicht damit rechnet." (65:2-3)

"Oh die ihr glaubt! Wenn ihr Allah furchtet, wird Er euch göttliche

Erleuchtung zukommen lassen und eure Sünden vergeben und euch

verzeihen. Und Allah ist der Herr übergroßer Huld." (8:29)

Hadith 69: Abu Huraira (r) berichtet: Man fragte den Gesandten Allahs

(s), wer der Edelste unter den Menschen sei. Er sagte: "Der, der am

gottesfurchtigsten ist!" Die Gefährten sagten: "Das ist nicht, was wir

meinen." Er sagte: "Dann ist es Joseph, der Prophet Allahs, der Sohn eines

Propheten Allahs (d.i. Jakob), der Enkel eines anderen Propheten Allahs

(d.i. Isaak), der Urenkel eines anderen Propheten, Abrahams, des Freundes

Allahs." Sie sagten. "Das ist auch nicht, was wir meinen." Der Prophet (s)

sagte: "Ihr befragt mich also über arabische Stämme? Die besten von ihnen

vor dem Islam sind auch im Islam die besten, vorausgesetzt, dass sie ihn

richtig verstanden haben." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 70: Abu Said al-Khudri (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte:

"Diese Welt ist hübsch und grün. Allah hat euch zu seinen Treuhändern auf

Erden gemacht, so dass Er euch beobachten mag, wie ihr euch verhaltet.

Hütet euch also vor dem Diesseits und vor Frauengeschichten. Die erste

Zwietracht unter dem Volk Israel entstand wegen der Frauen." (Muslim)

38

1. Buch der Gebote

Hadith 71: Ibn Mas'ud (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) zu

Allah zu beten pflegte: "Oh Allah, ich bitte Dich um Rechtleitung,

Frömmigkeit, Tugend und Wohlstand."48 (Muslim)

Hadith 72: Abu Tarif Adi ibn Hatim at-Täi (r) sagte: Ich hörte den

Gesandten Allahs (s) sagen: "Wenn jemand sich verpflichtet, etwas zu tun,

und dann etwas entdeckt, was Allah wohlgefälliger ist, dann sollte er das

Bessere davon tun." (Muslim)

Hadith 73: Abu Umama Sudai ibn Adschlan al-Bahili (r) berichtet, dass er

den Gesandten Allahs (s) in der Predigt auf der letzten Pilgerfahrt sagen

hörte: "Fürchtet Allah, verrichtet eure fünf täglichen Gebete, fastet im

Monat Ramadan, zahlt die Zakat vom Vermögen und gehorcht euren

(gerechten) Herrschern, so dürft ihr ins Paradies eures Herrn eintreten."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

Kapitel 7

Gewissheit und das Gottvertrauen

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und als die Gläubigen die Verbündeten sahen, sagten sie: 'Das ist, was

uns Allah und Sein Gesandter versprochen haben, und Allah und Sein

Gesandter haben ihr Versprechen eingehalten.1 Und es bestärkte sie nur im

Glauben und in völliger Ergebenheit." (33:22)

"Diejenigen, zu denen die Leute sagten: 'Wahrlich, die Leute haben sich

gegen euch zusammengeschart, so furchtet sie,' was sie nur noch in ihrem

Glauben bestärkte. Und sie sagten: 'Allah ist uns genug, und was für ein

48 Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet: "Allahumma inni as'alukal-hudä wat-tuqa wal-'afäfa

wal-ghina."

39

1. Buch der Gebote

Sachwalter voll Gnadenfülle ist Er!' Und sie Kehrten überhäuft von Allahs

Gnade und Huld zurück, ohne dass ihnen Böses zugefügt wurde, und sie

folgten dem Wohlgefallen Allahs, und Allahs ist der Herr gewaltiger

Huld." (3:173-174)

"Und setze dein Vertrauen auf den Lebendigen, Der nicht stirbt..." (25:58)

"Und auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen." (14:11)

"Doch wenn du einen festen Entschluss gefasst hast, dann vertraue auf

Allah..." (3:159)

"Wer auf Allah vertraut, für den ist Er seine Genüge..." (65:3)

"Die Gläubigen sind wahrlich jene, deren Herzen erzittern, wenn Allah

genannt wird, und wenn ihnen Seine Zeichen vorgetragen werden, wird ihr

Glaube noch stärker, und in ihren Herrn setzen sie ihr (ganzes) Vertrauen."

(8:2)

Hadith 74: Ibn Abbas (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: "Mir

wurden viele Völker gezeigt. Ich sah einen Propheten mit einer sehr

kleinen Gemeinde, ein anderer Prophet hatte nur ein oder zwei

Gefolgsleute bei sich, und ein anderer Prophet hatten gar niemanden bei

sich. Dann sah ich plötzlich eine ungeheure Menge, und ich dachte, dass

das vielleicht meine Leute seien, doch mir wurde gesagt, dass dies Moses

mit seinen Gefolgsleuten sei, aber ich solle zum Horizont blicken. Ich

schaute und erblickte eine unermessliche Menge. Dann wurde ich gebeten,

zur anderen Seite des Horizonts zu sehen, und dort sah ich ebenfalls eine

unermessliche Menge. Mir wurde gesagt: Das ist deine Gemeinde

(Umma), und unter ihnen gibt es Siebzigtausend, die das Paradies betreten

sollen ohne Abrechnung oder Bestrafung."

Dann stand der Prophet (s) auf und ging in seine Kammer, und seine

Gefährten begannen, Vermutungen anzustellen über jene, die ins Paradies

eintreten würden ohne Abrechnung oder Bestrafung: Einige sagten:

Vielleicht sind das jene, die Gefährten des Propheten (s) sein konnten.

Andere sagten, dass es vielleicht diejenigen sein könnten, welche als

Muslime geboren wurden und niemals irgendetwas Allah beigesellt hätten;

und so ging es weiter. Da kam der Gesandte Allahs (s) heraus und fragte:

"Was beredet ihr?" Man sagte es ihm, worauf er sagte: "Es sind jene, die

keine Amulette herstellen oder benutzen, und nicht an Vorzeichen glauben,

sondern ihrem Herrn vertrauen." Hierauf stand der Gefährte Ukascha ibn

Mihsan (r) auf und bat ihn darum, Allah demütig zu ersuchen, dass er einer

40

1. Buch der Gebote

von jenen sein dürfe. Der Prophet (s) sagte: "Du bist einer von ihnen!"

Sodann stand ein anderer Gefährte auf und bat um das Gleiche. Der

Prophet (s) antwortete: "Ukascha ist dir zuvorgekommen." (Al-Bukhari

und Muslim)

Hadith 75: Ibn Abbas (r) überliefert, dass der Prophet (s) das folgende

Bittgebet zu sagen pflegte: "Oh Allah, Dir habe ich mich ergeben, an Dich

glaube ich und in Dich setze ich mein Vertrauen, an Dich wende ich mich,

und Dir übergebe ich mich zum Urteil. Oh Allah, ich suche Zuflucht bei

Deiner Macht; es gibt keinen Gott außer Dir, auf dass Du mich davor

schützen mögest, in die Irre zu gehen. Du bist der Lebendige, der nicht

stirbt, wohingegen Menschen und Dschinn49 (alle) sterben werden."50 (Al-

Bukhari und Muslim) Die zitierte Fassung stammt von Muslim. Bei Al-

Bukhari ist sie verkürzt.

Hadith 76: Ibn Abbas (r) überliefert, dass die Worte Abrahams (as) als er

ins Feuer geworfen wurde, waren: "Hashuna-llahu wa ni'mal wakil."51

Und dies sprach auch Muhammad (s), als ihm gesagt wurde, dass sich

gegen ihn Leute zusammengerottet hätten, so dass er sie furchten sollte,

doch dies verstärkte nur seinen Glauben an Allah, ebenso den der

Muslime, und sie sagten: "Hasbuna-llahu wa ni'mal wakil" (Al-Bukhari)

In einer anderen Version erzählte Ibn Abbas (r): Das letzte Wort, das

Abraham (as) sagte, als er ins Feuer geworfen wurde, war: "Hasbia-Hahu

wa ni'mal wakil. "52

Hadith 77: Abu Huraira (r) erzählte, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Ins Paradies werden Völker eintreten, deren Herzen wie die Herzen von

Vögeln sind." (Muslim)

49 Dschinn sind immaterielle Geschöpfe Gottes.

50 Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet: "Allahumma laka aslamt, wa bika amant, wa alaika

tawakkalt, wa ilaika anabt, wa bika khdsamt: Allahumma inm. a'udhu bi'izzatik; lä ilaha illa

anta an tudulanl, antal-hayyul-ladhi la tamut, wal-dschinnu wal-insu yamutun."

51 Auf Deutsch bedeutet dies: "Allah genügt uns, und Er ist ein vortrefflicher Beschützer."

52 Auf Deutsch bedeutet dies: "Allah genügt mir, und Er ist ein vortrefflicher Beschützer."

41

I. Buch der Gebote

Man sagt, dies seien diejenigen, die (auf Allah) vertrauen, und es heißt,

dass sie ein weiches Herz besitzen.

Hadith 78: Es erzählte Dschabir (r), dass er mit dem Gesandten Allahs (s)

auf dem Weg zu einer Schlacht in der Gegend von Nadschd war. Nach

Ende der Schlacht kehrte er mit ihm zurück. Sie erreichten ein Tal voller

Dornenbüsche, wo der Prophet (s) Halt machen ließ, und seine Gefährten

zerstreuten sich auf der Suche nach Schatten. Allahs Gesandter (s) hängte

sein Schwert an den Ast eines Baumes und wir legten uns ein wenig zur

Ruhe. Plötzlich hörten wir den Propheten (s) uns herbeirufen, und wir

sahen, dass ein Araber vom Lande bei ihm war. Der Prophet (s) sagte zu

uns: "Dieser Mann zog mein Schwert gegen mich, während ich schlief. Ich

wachte auf und sah, dass er das blanke Schwert in seiner Hand hatte und

zu mir sagte: 'Wer kann dich jetzt vor mir schützen?' Ich sagte ihm

dreimal: 'Allah!'." Der Prophet (s) saß auf und strafte diesen Mann nicht.,

(Al-Bukhari und Muslim)

Eine andere Version lautet: Dschabir sagte: Wir waren mit Allahs

Gesandtem (s) auf dem Feldzug nach Dhatir-Riqa'. Wir kamen zu einem

schattigen Baum und ließen ihn dem Gesandten Allahs (s) zum Ausruhen.

Einer der Götzendiener erschien, und als er das Schwert des Gesandten

(s), das am Baum hing, erblickte, zog er es und sagte (zu dem Gesandten

(s): "Hast du keine Furcht vor mir?" Er antwortete: "Nein." Dann fragte

er: "Und wer kann dich vor mir beschützen?" Allahs Gesandter (s) sagte:

"Allah!".

Und nach der Version in der Sahih-Sammlung von Abu Bakr al-Ismaili

fragte er: "Wer kann dich vor mir beschützen?" Er (s) sagte: "Allah!"

Daraufhin fiel das Schwert aus seiner Hand. Da nahm es Allahs Gesandter

(s) und fragte ihn: "Wer kann dich (nun) vor mir schützen?" Er sagte: "Sei

der Beste der Nehmenden." Da fragte ihn der Prophet (s): "Wirst du

bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass ich Sein

Gesandter bin?" Der Mann antwortete: "Nein! Aber ich verspreche dir,

dass ich weder gegen dich kämpfe, noch werde ich mich denen

anschließen, die gegen dich kämpfen." Der Prophet (s) ließ ihn frei gehen,

und er kehrte zu seinen Leuten zurück und sagte zu ihnen: "Ich kehre

gerade von dem Besten aller Menschen zu euch zurück."

42

1. Buch der Gebote

Hadith 79: Umar ibn al-Khattab (r) überliefert, dass er den Gesandten

Allahs (s) sagen hörte: "Wenn ihr aufrichtig auf Allah vertraut, wird Er für

euren Lebensunterhalt sorgen, wie Er auch für die Vögel sorgt. Morgens

gehen sie mit leerem Magen hinaus und abends kehren sie mit gefülltem

Magen zurück."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith (hasan).

Hadith 80: Abu Umära al-Bara` ibn Azib (r) sagte: Allahs Gesandter hat

gesagt: "Wenn du dich schlafen legst, dann sprich: 'Oh Allah, Dir vertraue

ich meine Seele an, auf Dich sammle ich meine Gedanken, und ich

überlasse meine Angelegenheiten Deiner Obhut. Zu Dir nehme ich

Zuflucht, aus Liebe zu Dir und aus Furcht vor Dir. Es gibt keine Zuflucht

und keine Rettung außer bei Dir. Ich glaube an Dein Buch, das Du

herabgesandt hast, und an Deinen Propheten, den Du gesandt hast.'53 Und

falls du in dieser Nacht sterben solltest, wirst du in Reinheit54 sterben, und

wenn du morgens aufwachst, wird es dir besser gehen." (Al-Bukhari und

Muslim)

In der Version bei Al-Bukhari und Muslim heißt es: Allahs Gesandter (s)

wies mich an: "Bevor du dich schlafen legst, wasche dich, wie du dich zum

Gebet wäschst, dann lege dich auf deine rechte Seite und sprich: 'Oh Allah,

Dir vertraue ich meine Seele an, auf Dich sammle ich meine Gedanken,

und ich überlasse meine Angelegenheiten Deiner Obhut. Zu Dir nehme ich

Zuflucht, aus Liebe zu Dir und aus Furcht vor Dir. Es gibt keine Zuflucht

und keine Rettung außer bei Dir. Ich glaube an Dein Buch, das Du

herabgesandt hast, und an Deinen Propheten, den Du gesandt hast.', und

lass dies deine letzten Worte sein."

Hadith 81: Abu Bakr as-Siddiq (r) überliefert: Ich sah die Füße der

Götzenanbeter (die den Propheten (s) und mich auf der Auswanderung

{Hidschra) verfolgten) oberhalb von uns, als wir in der Höhle waren. Da

53 Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet: "Allahumma aslamtu nafsi ilaik, wa waddschahtu

wadschhl ilaik, wa fauwadtu amri ilaik, wa aldscha'tu zahri ilaik, raghbatan wa rahbatan

ilaimak, Id maldscha'a wa la mandscha minka illa ilaik, atnantu bikitabikal-ladhi anzalt, wa

nabiyyikal-ladhl arsalt."

54 Wörtlich: in Fitra: wie ein Neugeborenes.

43

1. Buch der Gebote

sagte ich: "Oh Gesandter Allahs! Wenn einer von ihnen bei seinen Füßen

hinuntersehen würde, würde er uns sehen." Daraufhin sagte er: "Was

würdest du, Abu Bakr, über zwei denken, bei denen Allah der Dritte ist?"

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 82: Die Mutter der Gläubigen55, Umm Salama (r), überliefert, dass

der Gesandte Allahs (s) beim Verlassen des Hauses zu sagen pflegte: "Im

Namen Allahs! Auf Allah vertraue ich: Oh Allah, ich nehme Zuflucht bei

Dir davor, mich zu verirren oder in die Irre geführt zu werden, einen

Fehler zu begehen oder zu Fehlern verleitet zu werden, jemandem Unrecht

zuzufügen oder Unrecht zugefügt zu bekommen, mich töricht zu

benehmen oder töricht behandelt zu werden."56 (Abu Dawud, At-Tirmidhi

und andere) Nach At-Tirmidhi ist dies ein guter und gesunder Hadith

(hasan sahih).

Hadith 83: Anas (r) überliefert, dass der Gesandte Allah (s) sagte:

"Wer beim Verlassen seines Hauses sagt: Im Namen Allahs! Auf Allah

vertraue ich, denn es gibt keine Macht noch Kraft außer bei Allah!'57,

dem wird geantwortet: 'Allah wird dich rechtleiten, dich schützen

und vor dem Bösen bewahren.' und der Satan wird ihn meiden." (Abu

Dawud, At-Tirmidhi, An-Nasai und andere) Nach At-Tirmidhi ist dies ein

guter Hadith (hasan). Abu Dawud fügt hinzu: Ein Satan sprach zu einem

anderen Satan: "Wie kannst du einen Menschen verführen, der

rechtgeleitet, beschützt und errettet wird?"

Hadith 84: Anas (r) erzählte: Zur Zeit des Prophet (s) lebten zwei

Brüder,

von denen einer stets zum Propheten zu gehen pflegte, während der andere

sich um den Lebensunterhalt (der beiden) kümmerte. Eines Tages beklagte

sich der letztere beim Propheten (s) darüber. Der Prophet (s) sagte: "Es ist

doch auch möglich, dass du seinetwegen Versorgung findest."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein gesunder Hadith (sahih).

55 Die Frauen des Propheten Muhammad (s) werden "Mütter der Gläubigen" genannt.

55Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet: "Bismillah, tawakkaltu ala-llah, allahumma innt a'udhu

bika an adilla au udall. Au azilla au uzall, au azlima an uzlam, au adschhala au yudschhala

alai."

57 Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet: "Bismillahi tawakkaltu ala-llah, wa la haula wa

la quwwata illa billah."

44

1. Buch der Gebote

Kapitel 8

Aufrichtigkeit

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"So tritt also geduldig (für das Gute) ein, wie dir geboten worden ist..."

(11:112)

"Wahrlich, diejenigen, die sprechen: 'Unser Herr ist- Allah', und dann

standhaft sind, zu denen steigen die Engel hernieder (und sprechen):

'Fürchtet euch nicht und seid nicht traurig, und freut euch des Paradieses,

das euch versprochen wurde. Wir sind eure Beschützer im Diesseits und

im Jenseits; darin werdet ihr alles haben, was sich eure Seele begehrt, und

darin werdet ihr alles haben, wonach ihr verlangt. Eine Gabe von einem

Allverzeihenden, Barmherzigen." (41:30-32)

"Wahrlich, diejenigen, die sagen: 'Unser Herr ist Allah', und dann standhaft

bleiben, die brauchen keine Angst zu haben, noch müssen sie traurig sein.

Diese sind es, die Bewohner des Gartens sein werden. Dort werden sie

(ewig) verweilen. Eine Belohnung für das, was sie zu tun pflegten."

(46:13-14)

Hadith 85: Sufyan ibn Abdullah (r) sagte: Ich sagte zum Gesandten Allahs

(s): "Sag mir so etwas über den Islam, dass ich danach niemanden sonst

befragen muss." Er antwortete: "Sprich: Ich glaube an Allah, und dann sei

standhaft." (Muslim)

Hadith 86: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Übertreibt nicht und untertreibt nicht, und seid standhaft; und

erinnert euch daran, dass niemand durch seine Taten allein gerettet wird."

Jemand fragte: "Nicht einmal du, oh Gesandter Allahs (s)?" Er sagte: "Ich

auch nicht, ausgenommen Allah sollte mich mit seiner Barmherzigkeit und

Gnade bedecken." (Muslim)

Nach den muslimischen Gelehrten (Ulamar) bedeutet Standhaftigkeit, all

das zu tun, was Allah von den Menschen zu tun verlangt. Möge Allah den

Aufrichtigen und Standhaften Erfolg verleihen!

45

1. Buch der Gebote

Kapitel 9

Nachsinnen über die Großartigkeit der Schöpfung Allahs, des

Erhabenen, die Vergänglichkeit dieser Welt, die Schrecken des

Jenseits und alles, was damit zusammenhängt, sowie

Unzulänglichkeit eines selbst und eigene Charakterbildung durch

Selbstverpflichtung zur Aufrichtigkeit

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Sprich: Wahrlich, ich rate euch eines: dass ihr zu zweit oder einzeln vor

Allah hintretet und dabei nachsinnt: Euer Gefährte ist fürwahr nicht

besessen." (34:46)

"Wahrlich, in der Erschaffung der Himmel und der Erde und in der

Verschiedenheit von Nacht und Tag, sind Zeichen für die Einsichtigen,

diejenigen, die Allahs im Stehen und im Sitzen gedenken und wenn sie auf

ihrer Seite liegen und nachdenken über die Erschaffung der Himmel und

der Erde (und sagen): 'Unser Herr! Du hast dies (alles) nicht umsonst

erschaffen! Gepriesen seist Du, Verschone uns vor der Strafe des Feuers.'"

(3:190-191)

"Und schauen sie nicht auf die Kamele, wie sie erschaffen sind, und auf

den Himmel, wie er erhöht ist, und auf die Berge, wie sie aufgerichtet sind,

und auf die Erde, wie sie ausgebreitet ist? Darum warne, denn du bist

wahrlich ein Warner..." (88:17-21)

"Sind sie denn nicht im Land umhergezogen, so dass sie sehen konnten,

wie das Ende derjenigen war, die vor ihnen waren? Allah hat völlige

Vernichtung über sie gebracht und den Ungläubigen wird das Gleiche wie

ihnen zuteil." (47:10)

Diesbezüglich gibt es noch viele Qur'anverse und Hadithe, wie der bereits

erwähnte Hadith Nr. 66: "Scharfsinnig ist derjenige, der sich selbst kritisch

betrachtet und nach dem strebt, was ihm nach dem Tode zum

Wohl

gereichen wird..."

Kapitel 10

Initiative zu Wohltätigkeit und Ermutigung, diese eifrig und ohne zu

zaudern in Angriff zu nehmen

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Jeder hat ein Ziel, dem er sich zuwendet. So wetteifert miteinander in

guten Werken Wo immer ihr auch seid, Allah wird euch zusammenbringen;

wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge." (2:148)

46

1. Buch der Gebote

"Und beeilt euch um die Wette, um die Verzeihung eures Herrn zu

erlangen und einen Garten, dessen Weite die Himmel und die Erde umfasst

und der bereitet ist für die Gottesfurchtigen." (3:133)

Hadith 87: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs sagte:

"Wetteilt, gute Werke zu tun, denn bald wird es Ketten von Unheil geben:

Finsternisse, eine über der anderen. Der Eine steht am Morgen auf als

gläubiger Muslim und wird am Abend als Ungläubiger zu Bett gehen, und

der Andere wird sich am Abend als Gläubiger ins Bett legen und wird am

Morgen als Ungläubiger aufstehen. So wird der Mensch (immer) bereit

sein, seinen Glauben für die Güter dieser Welt zu verkaufen." (Muslim)

Hadith 88: Es erzählte Abu Surwa'a Uqba ibn al-Harith (r): Ich schloss

mich dem Nachmittagsgebet hinter dem Gesandten Allahs (s) in Medina

an. Kaum als er das Gebet beendet hatte, stand er auf und eilte an den

Reihen der Betenden vorbei zu einer seiner Kammern, so dass die

Anwesenden erschraken. Als er zurückkam, erklärte er ihnen seine Eile

indem er sagte: "Es fiel mir ein, dass bei uns zu Hause noch ein Stück

Edelmetall (Gold oder Silber) geblieben war, und ich beeilte mich zu

meiner Entlastung, und sorgte dafür, dass es rechtzeitig verteilt werde."

(Al-Bukhari)

In einer anderen Version bei Al-Bukhari heißt es, dass der Gesandte Allahs

(s) gesagt hat: "Ich hatte bei mir zu Hause noch ein Stück Edelmetall

liegen, das zur Sadaqa bestimmt war, und ich wollte nicht, dass es noch

über Nacht bei mir blieb."

Hadith 89: Dschabir (r) erzählte: "Am Tag der Schlacht von Uhud58

fragte ein Mann den Propheten (s): "Was denkst du, wo ich sein werde,

wenn ich in dieser Schlacht getötet werde?" Er antwortete: "Im Paradies."

Sofort warf der Mann die wenigen Datteln, die er noch in seiner Hand

hielt, fort und stürzte sich in die Schlacht, bis er den Märtyrertod fand."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 90: Abu Huraira (r) überliefert, dass ein Mann zum Propheten (s)

kam und fragte: "Oh Gesandter Allahs, welche Sadaqa ist am wertvollsten

bezüglich der Belohnung Allahs?" Er antwortete: "Dass du gibst, während

du dich guter Gesundheit erfreust, trotz der Habsucht und des Verlangens

58 Die Schlacht am Berg Uhud fand im Jahre 625 n.Chr. statt, und endete, nachdem sich

;irere muslimische Kämpfer nicht an die Anweisungen des Propheten gehalten hatten, für die

Muslime besonders verlustreich.

47

1. Buch der Gebote

nach Reichtum, und wenn du dies rechtzeitig tust, ohne es zu verschieben

bis du im Schatten des Todes bist, um dann zu sagen: 'Dem Soundso

dieses und dem Soundso jenes, und derjenige bekommt dies und jenes ..."'

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 91: Es erzählte Anas (r): Am Tage der Schlacht von Uhud nahm

der Gesandte Allahs (s) ein Schwert und sprach: "Wer möchte dieses

(Schwert) von mir nehmen?" Jeder streckte seine Hand aus und sagte:

"Ich, ich." Der Prophet (s) sagte: "Wer wird seine volle Verantwortung

übernehmen?" Die Leute zögerten, aber Abu Dudschäna (r) sagte: "Ich

nehme es mit seiner Verantwortung." Und er schlug damit eine ganze

Anzahl von Götzendienern." (Muslim)

Hadith 92: Es erzählte az-Zubair ibn Adi (r): Wir gingen zu Anas ibn

Malik (r) und beklagten uns bei ihm über die schlechte Behandlung und die

Drangsal, die uns von al-Haddschadsch59 zuteil wurde. Er sagte: "Seid

geduldig! Jeder Zeit folgt eine schlechtere, bis ihr euren Herrn trefft. Das

habe ich den Propheten (s) sagen gehört." (Al-Bukhari)

Hadith 93: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte:

"Verliert keine Zeit, Gutes zu tun, bevor ihr von einem der sieben Unheile

eingeholt werdet: der Armut, die deine Weisheit beeinträchtigen könnte,

oder dem Wohlstand, der dich irrefuhren könnte, oder der Krankheit, die

deiner Gesundheit schaden könnte, oder dem hohen Alter, das deine Sinne

beeinträchtigen könnte, oder dem plötzlichen Tod oder dem Erscheinen

des Daddschal60. All dies sind schlimme Ereignisse, die euch treffen

können, oder die Stunde (des Jüngsten Tages), die in der Tat viel härter

und bitterer ist." (At-Tirmidhi) Dies ist ein guter Hadith (hasan).

Hadith 94: Abu Huraira (r) berichtet: Am Tage der Schlacht von

Khaibar61 sagte der Gesandte Allahs (s): "Ich werde diese Standarte

jemandem übergeben, der Allah und Seinen Gesandten liebt. Möge Allah

(uns) durch ihn zum Sieg verhelfen."

59Al-Haddschdsch ibn Yusuf at-Taqafi war ein grausamer Herrscher zur Zeit der Umayyaden.

60Der Daddschal ist nach muslimischer Überlieferung ein Wesen, das vor dem Jüngsten Tag

erscheinen wird, um die Menschen vom rechten Glauben abzubringen.

61Die Schlacht von Khaibar fand im Jahre 628 n.Chr. statt, also im Jahre 7 nach der Hidschra.

48

1. Buch der Gebote

Dazu erzählte Umar (r): Ich hatte noch nie ein Kommando begehrt, doch

an jenem Tag hoffte ich, dass mir die Gelegenheit gegeben würde. Der

Gesandte Allahs (s) rief jedoch Ali ibn Abi Talib (r) und übergab ihm die

Standarte und sagte: "Geh voran und gib auf nichts weiter acht, bis Allah

durch dich den Sieg erteilt." Als Ali (r) das hörte, bewegte er sich ein

wenig nach vorne und fragte mit lauter Stimme, ohne sich umzudrehen:

"Oh Gesandter Allahs (s), wofür werde ich mit ihnen kämpfen?" Er

antwortete: "Kämpfe so lange, bis sie bestätigen, dass es niemanden gibt,

der anbetungswürdig ist außer Allah, und dass Muhammad Sein Gesandter

ist. Wenn sie das tun, sollen ihr Leben und Besitz sicher bleiben, und ihr

Lohn ist bei Allah."62 (Muslim)

Kapitel 11

Anstrengung (für Allah)

Qur'an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und diejenigen, die sich mit aller Kraft für Uns einsetzen, die werden Wir

gewiss auf Unseren Weg leiten. Und Allah ist wahrlich mit denen, die

Gutes tun." (29:69)

"Und diene deinem Herren, bis die Gewissheit zu dir kommt." (15:99)

"So gedenke des Namens deines Herrn und widme dich ganz und gar

Ihm." (73:8)

"Und wer Gutes im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen."

(99:7)

"Und das, was ihr an Gutem für euch vorausschickt, das werdet ihr bei

Allah wiederfinden - ja sogar besser und größer an Belohnung..." (73:20)

"Und was immer ihr an Gutem spendet, wahrlich, Allah weiß es wohl."

(2:273)

Hadith 95: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: Allah, der Erhabene, sagt: "Wer einen der Mir Nahestehenden zum

Feind nimmt, dem habe ich den Krieg erklärt. Mein Diener nähert sich Mir

nicht mit etwas, das Ich mehr liebe als das, was Ich ihm zur Pflicht

auferlegt habe: Mein Diener fährt fort, sich Mir durch zusätzliche

62 Das bedeutet, dass sie mit der Armahme des Islam den anderen Muslimen gleichgestellt sind,

und von Allah auch dementsprechend belohnt oder bestraft werden.

49

1. Buch der Gebote

Frömmigkeit zu nähern, bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, bin Ich

sein Gehör, mit dem er hört, sein Sehvermögen, mit dem er sieht, seine

Hand, mit der er zupackt, und sein Fuß, mit dem er geht. Wenn er mich

bittet, werde ich gewiss erfüllen, und wenn er Mich um Beistand bittet,

werde ich ihm gewiss Zuflucht gewähren." (Al-Bukhari)

Hadith 96: Anas ibn Malik (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

von seinem Herrn, dem Allmächtigen und Erhabenen, erzählte, dass dieser

spricht: "Wenn sich einer Meiner Diener Mir eine Spanne nähert, komme

Ich ihm eine Elle entgegen. Nähert er sich Mir eine Elle, komme ich ihm

die Weite seiner ausgestreckten Arme entgegen. Und wenn er zu mir

gehend kommt, laufe ich ihm entgegen." (Al-Bukhari)

Hadith 97: Ibn Abbas (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Gesundheit und Zeit sind zwei Gaben, durch die viele Menschen

übervorteilt sind."63 (Al-Bukhari)

Hadith 98: Aischa (r) erzählte, dass der Prophet (s) in der Nacht stehend

zu beten pflegte, bis seine Füße Risse bekämen. Daher sagte sie zu ihm:

"Warum tust du dies, oh Gesandter Allahs, obwohl Allah dir alle deine

vergangenen und zukünftigen Fehler vergeben hat?" Daraufhin sagte er:

"Darf ich denn nicht ein dankerfüllter Diener sein?"

(Al-Bukhari und Muslim)

Die zitierte Fassung stammt von Al-Bukhari.

In den beiden Sahih-Werken von Al-Bukhari und Muslim wird der gleiche

Hadith auch unter Berufung auf al-Mughira ibn Schu'ba berichtet.

Hadith 99: Aischa (r) erzählte: "Der Gesandte Allahs (s) pflegte in den

letzten zehn Nächten des Ramadan die Gebete sehr zu vertiefen und er

weckte seine Familie dazu und hielt sich von seinen Frauen fern." (Al-

Bukhari und Muslim)

63 Gesundheit und Zeit sind wie das Kapital eines Geschäftsmanns, das gewinnbringend

angelegt sein soll. Ebenso soll der Muslim seine Gesundheit und Freizeit für Allah einsetzen, der

ihm dafür reichlich Belohnung gewährt.

50

1. Buch der Gebote

Hadith 100: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Der starke Gläubige ist Allah lieber als der schwache Gläubige; in

jedem ist jedoch Gutes vorhanden. Halte dich fest an das, was dir nützt,

flehe Allah um Hilfe an und gib nicht auf! Sollte dir etwas zustoßen, dann

sage nicht 'Hätte ich nur dies und das getan!'. Aber Du sollst sagen: 'Allah

hat es bestimmt und Sein Wille geschieht', denn 'hätte' öffnet nur dem

Satan die Tür." (Muslim)

Hadith 101: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs

(s)

sagte: "Die Hölle ist von Gelüsten umgeben, und das Paradies von

Widerwärtigkeiten."

(Muslim)

In der Version von Al-Bukhari heißt es statt "umgeben" "verdeckt".

Hadith 102: Abu Abdullah Hudhaifa ibn al-Yaman (r) erzählte: Eines

Nachts betete ich hinter dem Propheten (s). Er begann mit der Rezitation

der Sure Al-Baqara64, und ich sagte mir, er werde sich beim hundertsten

Vers verbeugen. Er aber fuhr danach fort, und ich sagte mir, er werde die

ganze Sure im ersten Rak'a vollenden. Er fuhr allerdings fort und begann

mit der (Rezitation der) Sure An-Nisa', las sie durch und las dann die Sure

Al-Imran65. Dabei las er sie alle langsam und deutlich vor, und schloss alle

Lobpreisungen, Schutzformeln und Bittgebete, die in diesen Versen

erwähnt sind, ausführlich mit ein. Als er sich dann verbeugte, wobei er die

Worte "Subhana rabbiyal-azim"66 wiederholte, war seine Verbeugung

(Ruku') nahezu so lange, wie sein Beten im Stehen (Qiyam). Dann sagte

er: "Sami'a-llahu liman hamidah, rabband lakal-hamd"67, richtete sich

64Die Sure Al-Baqara ist die zweite und längste Sure des Qur'an.

65Die Suren Äl-lmran und An-Nisa' sind die dritte und vierte Sure im Qur'an. Sie sind nach der

Sure Al-Baqara die nächstlängeren Suren. Diese drei Suren umfassen über ein Fünftel des

gesamten Qur'ans.

66Auf Deutsch bedeutet dies: "Gepriesen sei mein Herr, der Allerhabene!"

67Auf Deutsch bedeutet dies: "Allah hört denjenigen, der ihn preist, Dein ist das Lob, oh unser

51

1. Buch der Gebote

wieder auf und blieb stehen, so lange wie er in der Verbeugung {Rukur)

verweilt hatte. Dann warf er sich nieder, und sagte: "Subhana rabbiyala'la"

68, und seine Niederwerfung dauerte so lange, wie sein Stehen.

(Muslim)

Hadith 103: Ibn Mas'ud (r) erzählte. Eines Nachts schloss ich mich dem

Gesandten Allahs (s) im Gebet an. Er verweilte im Stehen (Qiyam) so

lange, bis ich beinahe etwas Schlechtes getan hätte. Man fragte ihn: Was

hättest du denn getan? Er sagte: Ich hätte mich hingesetzt und ihn

gelassen.

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 104: Anas ibn Malik (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Drei begleiten den Gestorbenen zum Grab: seine Angehörigen, sein

Vermögen und seine Taten. Zwei davon, nämlich die Angehörigen und

sein Vermögen, verlassen ihn. Das Dritte, sein Verdienst, bleibt bei ihm."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 105: Ibn Mas'ud (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs sagte:

"Das Paradies ist jedem von euch näher als sein Schnürsenkel, und ähnlich

ist es auch mit der Hölle." (Al-Bukhari)

Hadith 106: Abu Firäs Rabia ibn Ka'b al-Aslami (r), ein Diener des

Propheten (s) und einer der Ahl-us-Suffa69, sagte: Ich verbrachte meine

Nächte immer in der Nähe des Gesandten Allahs (s), damit ich ihm Wasser

für seine Waschungen und seinen Bedarf bringen konnte. Eines Tages

sagte er zu mir: "Was wünschst du dir von mir?" Ich sagte: "Ich bitte

darum, in deiner Gesellschaft im Paradies zu sein!" Er sagte weiter: "Und

was noch?" Ich sagte: "Nur dies!" Da sagte er: "Dann hilf mir, indem du

dich selbst oft vor Allah niederwirfst." (Muslim)

68Auf Deutsch bedeutet dies: "Gepriesen sei mein Herr der Allerhöchste!"

69 Siehe Anmerkung Nr. 143 auf Seite 202.

52

1. Buch der Gebote

Hadith 107: Abu Abdullah (oder Abu Abdur-Rahman) Thauban (r), der

freigelassene Sklave des Propheten (s), sagte: Ich habe den Gesandten

Allahs (s) sagen hören: "Vermehre deine Niederwerfungen, denn jede

Niederwerfung vor Allah wird deinen Rang um einen Grad erhöhen und

eine deiner Sünden tilgen." (Muslim)

Hadith 108: Abu Safwan Abdullah ibn Busr al-Aslami (r) berichtet, dass

der Gesandte Allahs (s) sagte: "Der beste unter den Menschen ist derjenige,

der ein langes Leben genießen durfte, in dem er gute Werke

vollbracht hat." (At-Tirmidhi) Dies ist ein guter Hadith (hasan).

Hadith 109: Anas (r) berichtet: In der Schlacht von Badr70 war mein

Onkel Anas ibn an-Nadr (r) abwesend. Später sagte er zum Propheten (s):

"Oh Gesandter Allahs. Ich war beim ersten Kampf, den du gegen die

Götzendiener geführt hast, nicht dabei. Wenn mir Allah einen anderen

Kampf gegen die Götzendiener ermöglichen sollte, werde ich Allah zeigen,

was ich zu tun imstande bin." Am Tage der Schlacht von Uhud gerieten

die Muslime in schwere Bedrängnis. Da rief mein Onkel: "Oh Allah! Ich

entschuldige mich für das Verhalten jener (meiner Leute), und ich trage

keine Mitschuld an dem, was jene (Götzendiener) getan haben!" Dann

stürmte er vor und sagte zu dem entgegenkommenden Sa'd ibn Mu'adh (r):

"Oh Sa'd ibn Mu'adh! Beim Herrn der Ka'ba, ich rieche den Duft des

Paradieses jenseits von Uhud!" Sa'd ibn Mu'adh erzählte: "Oh Gesandter

Allahs! Es ist unbeschreiblich, was er tat!" Anas ibn Malik sagte: "Wir

fanden in seinem Körper mehr als achtzig Verletzungen, zugefügt von

Schwertern, Speeren und Pfeilen. Zudem hatten die Götzendiener seinen

toten Körper so sehr verstümmelt, dass keiner von uns ihn identifizieren

konnten. Erst seine Schwester konnte ihn an seinen Fingern erkennen."

Anas sagte: "Wir waren der Ansicht, dass mein Onkel und ähnliche

Märtyrer mit der Offenbarung des folgenden Qur'anverses gemeint sind:

'Unter den Gläubigen sind Männer, die sich wahrhaft an das hielten, was

sie Allah gelobt hatten. Und unter ihnen sind solche, deren Schicksal sich

70 Die Schlacht von Badr war eine der ersten bewaffneten Auseinandersetzung der Muslime in

Medina mit den ungläubigen Mekkanern. Sie fand im Jahre 624 n.Chr., also dem Jahr 2 nach der

Hidschra, statt und endete mit dem überraschenden Sieg der Muslime.

53

1. Buch der Gebote

Meine Diener: Wenn die ersten und die letzten unter euch - seien es

Menschen oder Dschinn - auf einer einzigen Anhöhe stünden und Mich

bäten, und Ich jedem einzelnen gäbe, worum er Mich bittet, so vermindert

das nicht das, was bei Mir ist, um mehr als das, was eine Nadel vermindert,

wenn sie (mit ihrer Spitze) die Oberfläche des Meeres berührt. Oh Meine

Diener: Es zählen allein eure Taten, die Ich euch anrechne, danach gebe

Ich euch für sie volle Belohnung. Wer dann Gutes erlangt, der soll Allah

preisen, und wer Anderes erhält, soll nur sich selbst tadeln." (Muslim)

Nach der Version von Muslim sagte Said, dass Abu Idris, wenn er diesen

Hadith hörte, auf die Knie zu fallen pflegte. Und von Ahmad ibn Hanbai

(rA) ist bekannt, dass er sagte: Bei den Menschen aus Scham71 kennt man

keinen erhabeneren Hadith, als diesen.

Kapitel 12

Ermutigung zu verstärkter Wohltätigkeit gegen Ende des Lebens

Quran: Allah, der Erhabene, spricht:

"Haben Wir euch denn nicht ein genügend langes Leben gewährt, so dass

der, der sich ermahnen lassen wollte, darin Ermahnung hätte annehmen

können? Und ist nicht der Warner zu euch gekommen?" (35:37)

Unter einem "langem Leben" verstehen die meisten Gelehrten ein Alter ab

vierzig Jahren. Die meisten Gelehrten meinen, der Warner sei Muhammad

(s) selbst, wobei einige meinen, der Warner sei das Greisenalter. Zu den

letzten gehören Ikrima und Ibn Uyaina (r)

Hadith 112: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte:

"Wahrlich, Allah ist entschuldigt, wenn Er einem Menschen eine lange

Frist zur Buße gibt, bis er das Alter von sechzig Jahren erreicht." (Al-

Bukhari)

71 Siehe Anmerkung Nr. 27 auf Seite 16.

54

1. Buch der Gebote

Hadith 113: Ibn Abbas (r) erzählte: Umar ibn al-Khattab (r) pflegte mich

der Beratungsversammlung der Ältesten, die an der Schlacht von Badr

teilgenommen hatten, hinzuzugesellen. Einige von ihnen kritisierten dies

und meinten, ich sei nicht alt genug für diesen Rang, vor allem weil ihre

Söhne in meinem Alter waren. Zu ihnen sagte allerdings Umar: "Er ist wer,

wie ihr wisst." Dann rief er mich eines Tages zu seiner Versammlung mit

ihnen, und ich erriet, dass er es nur getan hatte, um ihnen mein Wissen zu

zeigen. Umar fragte sie: "Was sagt ihr über die Bedeutung des Wortes

Allahs (in Sure 110:1): 'Wenn die Hilfe Allahs kommt und der Sieg`?"

Einige von ihnen antworteten: "Allah fordert uns auf, ihn zu preisen und

ihn um Vergebung zu bitten, wenn er uns hilft und uns Sieg gewährt."

Einige blieben ruhig und sagten nichts. Da sagte Umar zu mir: "Ist das

auch deine Auslegung, du Sohn des Abbas?" Ich sagte: "Nein!" Da sagte

er: "Was meinst du dann?" Ich sagte: "Dies war ein Zeichen (Allahs) für

den baldigen Tod des Gesandten (s). Ihm wurde (von Allah) gesagt: "Wenn

die Hilfe Allahs kommt und der Sieg - das ist ein Zeichen für (das Ende)

deiner Zeit. - Dann lobpreise deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung,

denn Er ist wahrlich der oft Sich (uns wieder) Zuwendende.'(Sure 110:3)"

Da sagte Umar (r) zu mir: "Nur dies ist die wahre Auslegung, die auch ich

kenne, genau so, wie du es erklärt hast." (Al-Bukhari)

Hadith 114: Aischa (r) überliefert: "Nach der Offenbarung der Sure

An-Nasr (110:1-3) hat der Gesandte Allahs (s) niemals darauf verzichtet,

bei jedem Gebet zu wiederholen: "Gepriesen bist du, unser Herr, und Du

bist gelobt! Oh Allah, vergib mir!"72 (Al-Bukhari und Muslim)

In einer anderen Version der beiden Sahih-Sammlungen von Al-Bukhari

und Muslim berichtet Aischa (r), dass der Prophet (s) im Gebet während

der Verbeugung (Ruku`) und der Niederwerfung (Sudschud) oft sagte:

"Gepriesen bist du, oh Allah, unser Herr, und Du bist gelobt! Oh Allah,

vergib mir!", so wie es im Qur’an geschrieben ist: "Dann lobpreise deinen

Herrn und bitte Ihn um Vergebung." (Sure 110:3)

Nach einer anderen Version bei Muslim wiederholte der Prophet vor

seinem Tod oft: "Gepriesen bist Du, oh Allah, und Du bist gelobt! Dich

bitte ich um Vergebung und wende mich Dir reuevoll zu."73

72 Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet: "Subhanaka rabbana wa bihamdik, allahumma-ghafir Ii."

55

1. Buch der Gebote

Aischa (r) berichtet: Ich sagte zu ihm: "Oh Gesandter Allahs! Was sind das

für Aussprüche, die ich seit kurzem von Dir höre?" Er sagte: "Allah hat

meine Gemeinde (Umma) betreffend ein Zeichen gesetzt, und ich soll

diese Worte aussprechen, wenn ich dieses Zeichen sehe:" und dann

rezitierte er die Sure An-Nasr (110:1-3): "Wenn die Hilfe Allahs kommt

und der Sieg, und du die Menschen in Scharen in die Religion Allahs

eintreten siehst, dann lobpreise deinen Herrn und bitte Ihn um

Vergebung, denn Er ist wahrlich der oft sich (uns wieder) Zuwendende."74

Nach einer anderen Version von Aischa (r) sagte der Gesandte Allahs (s)

mehrmals: "Gepriesen sei Allah, und gelobt sei Er! Ich bitte Allah um

Vergebung und wende mich Ihm reuevoll zu." Da sagte sie zu ihm: "Oh

Gesandter Allahs, ich höre dich oft sagen: Gepriesen sei Allah, und gelobt

sei Er! Ich bitte Allah um Vergebung und wende mich Ihm reuevoll zu."

Da sagte er: "Mein Herr teilte mir mit, dass ich bald Hinweise sehen

werde, die auf meine Gemeinde (Umma) hindeuten, und dass ich, wenn ich

sie sehe, sagen soll: 'Gepriesen sei Allah, und gelobt sei Er! Ich bitte Allah

um Vergebung und wende mich Ihm reuevoll zu.' Nun habe ich diese

Zeichen gesehen: 'Wenn die Hilfe Allahs kommt und der Sieg" - Allahs

Sieg und Hilfe sind der Sieg von Mekka - 'Und du die Menschen in

Scharen in die Religion Allahs eintreten siehst, dann lobpreise deinen

Herrn und bitte ihn um Vergebung, denn Er ist wahrlich der oft Sich (uns

wieder) Zuwendende." (Sure 110:1-3)"

Hadith 115: Es erzählte Anas (r): Allah, der Allmächtige und Erhabene,

offenbarte dem Gesandten Allahs (s) häufig in der letzten Zeit vor

seinem

Tode.

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 116: Dschabir (r) berichtet, dass der Prophet (s) gesagt hat: "Jeder

wird (am Tage des Gerichts) in der Verfassung auferstehen, in der er

starb." (Muslim)

73 Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet: "Subhanaka-llahumma wa bihamdik, astaghfiruka

wa atubu ilaik

74 Das Zeichen, das Allah in der Sure An-Nasr für Seine Umma gesetzt hat, ist der Sieg und

die Hilfe Allahs, sowie der massenhafte Eintritt der Menschen in den Islam.

56

1. Buch der Gebote

Kapitel 13

Aufzählung mehrerer Wege zu Wohltätigkeit

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und was immer ihr an Gutem tut, wahrlich Allah weiß es wohl." (2:215)

"Und was ihn an Gutem tut, Allah weiß es." (2:197)

"Und wer Gutes im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen."

(99:7)

"Wer Gutes tut, tut es für seine eigene Seele..." (45:15)

Es gibt eine Reihe von Qur’anversen über dieses Thema. Von den

Aussprüchen des Propheten (s) diesbezüglich begnügen wir uns mit den

folgenden:

Hadith 117: Abu Dharr Dschundub ibn Dschunada (r) berichtet: Ich

fragte (den Gesandten Allahs (s)): "Oh Gesandter Allahs, welche Tat ist

am verdienstvollsten?" Er antwortete: "Der Glaube an Allah und der

Dschihad um Allahs willen." Ich fragte: "Welche Art von Sklavenbefreiung

ist am wertvollsten?" Er antwortete: "Die Befreiung der von den

Angehörigen am höchsten geschätzten (Sklaven), und von diesen der,

dessen Lösegeld am höchsten ist." Ich fragte: "Und wenn ich dies nicht tun

kann?" Er sagte: "Dann hilf einem Bedürftigen oder hilf jemandem bei

einer Arbeit, die er nicht so gut erledigen kann." Ich fragte erneut: "Und

was, wenn ich selbst so schwach geworden bin, dass ich nicht helfen

kann?" Er sagte: "Dann fuge keinem Menschen Schaden zu, denn auch

dies zählt als Sadaqa dir selbst gegenüber." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 118: Abu Dharr (r) überliefert auch, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Jeder von euch hat jeden Tag für jedes gesunde Glied seines

Körpers Sadaqa zu entrichten. Und jede Lobpreisung Allahs (indem man

Subhan Allah sagt) zählt als Sadaqa, jedes Alhamdu lillah zählt als

Sadaqa, jedes La ilaha illa-llah75 zählt als Sadaqa, jedes Allahu akbar76

zählt als Sadaqa, das Gute zu gebieten zählt als Sadaqa und das Übel zu

verwehren zählt als Sadaqa. Es genügt aber auch, wenn man am

Vormittag ein kurzes Gebet (mit zwei Rak'a) verrichtet." (Muslim)

75 Auf Deutsch bedeutet dies: "Es gibt keinen Gott außer Allah!"

76 Auf Deutsch bedeutet dies: "Allah ist größer!"

57

1. Buch der Gebote

Hadith 119: Abu Dharr (r) überliefert auch, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Mir wurden die Taten meiner Gemeinde (Umma), die guten und

die schlechten, gezeigt. Zu den guten zählt die Beseitigung von störenden

Gegenständen vom Weg, und zu den schlechten zählt das Nichtbeseitigen

von in der Moschee zurückgelassenem Auswurf." (Muslim)

Hadith 120: Abu Dharr (r) überliefert auch Folgendes: Man sagte zu dem

Propheten (s): "Oh Gesandter Allahs (s), die Wohlhabenden werden besser

belohnt (als wir), denn sie beten wie wir beten, sie fasten wie wir fasten,

und sie geben Sadaqa von den Überschüssen ihres Vermögens." Er sprach:

"Hat Allah euch denn nichts gegeben, wovon ihr Sadaqa geben könnt:

Gewiss zählt jedes Subhan Allah als Sadaqa, jedes Allahu akbar, jedes

Alhamdu lillah und jedes La ilaha illa-llah zählt als Sadaqa. Zum Guten

aufzurufen zählt als Sadaqa, das Übel zu bekämpfen zählt als Sadaqa, und

der Beischlaf zählt als Sadaqa" Da wurde er gefragt: "Oh Gesandter

Allahs (s), einer von uns stillt seine Begierde (durch Beischlaf bei seiner

Ehefrau) und dafür erhält er eine Belohnung?" Er sagte: "Seht ihr nicht,

dass er sündigt, wenn er sie auf verbotene Weise befriedigt? Und so wird

er für die legale Befriedigung (seiner Begierde) belohnt." (Muslim)

Hadith 121: Abu Dharr (r) überliefert, dass der Prophet (s) zu ihm sagte:

"Verachte niemals auch nur die kleinste Kleinigkeit einer guten Tat; sogar

deinen Bruder (Mitmenschen) mit einem fröhlichen Gesicht zu treffen

(zählt als gute Tat)." (Muslim)

58

1. Buch der Gebote

Hadith 122: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Jedes Glied des menschlichen Körpers muss Sadaqa geben, an

jedem Tag, an dem die Sonne aufgeht. Wenn du Gerechtigkeit zwischen

zwei Parteien stiftest, so zählt dies als Sadaqa. Jemandem zu helfen, sein

Reittier zu besteigen, ist Sadaqa, oder ihm beim Beladen seines Tieres zu

helfen ist Sadaqa; ein freundliches Wort ist Sadaqa, jeder Schritt, der zum

Gebet fuhrt, ist Sadaqa; etwas vom Weg zu beseitigen, was ein Hindernis

bildete, ist Sadaqa." (Al-Bukhari und Muslim)

Nach Muslim überliefert die Mutter der Gläubigen Aischa (r), dass der

Gesandte Allahs (s) dazu folgendes Gleichnis erzählte: "Der Mensch ist

mit dreihundertsechzig Gelenken erschaffen worden. Derjenige, der mit

Wohltaten, wie dem Aussprechen von Allahu akbar, dem Ausdruck seiner

Dankbarkeit Allah gegenüber, indem er Alhamdu lillah sagt, dem

Bezeugen, dass es nur einen Gott gibt, indem er La ilaha illa-llah sagt,

der Verherrlichung Allahs mit den Worten Subhän Allah, der Bitte um

Vergebung mit den Worten Astaghfiru-llah, dem Beseitigen von störenden

Hindernissen auf dem Weg, seien es Steine, Dornen, Gräten oder

Knochen, und dem Gebieten des Guten und dem Verwehren des Übels,

360 erreicht, wird sich an diesem Tage vom Höllenfeuer entfernen."

Hadith 123: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) gesagt hat:

"Wer immer zum Gebet in die Moschee geht, ob morgens oder abends, für

den bereitet Allah im Paradies einen festlichen Empfang, wann und wo

immer er eintrifft." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 124: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

gesagt hat: "Oh muslimische Frauen! Fühlt euch nicht zu gering, um eurer

Nachbarin selbst die kleinste Kleinigkeit zu schenken. Schenkt, was immer

ihr schenken könnt, auch wenn dies nur der Fuß eines Schafes ist." (Al-

Bukhari und Muslim)

59

1. Buch der Gebote

Hadith 125: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

gesagt hat: "Es gibt sechzig bis achtzig Arten von Glauben. Die edelste

von ihnen ist das Bezeugen, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und die

geringste von ihnen ist, Hindernisse aus dem Wege zu räumen (und somit

Unannehmlichkeiten zu beseitigen). Auch sich zu Schamen ist eine Art von

Glauben."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 126: Abu Huraira (r) erzählte, dass der Prophet (s) folgendes

Gleichnis erzählte: Ein Mann verspürte, als er des Weges zog, großen

Durst. Beim Erreichen eines Brunnens stieg er in diesen hinab, trank

Wasser zur Genüge und stieg wieder hinauf. Da sah er einen Hund mit

hängender Zunge, der vor lauter Durst Schlamm aufleckte. Der Mann

sagte zu sich, dass der Hund den gleichen Durst verspüren müsse, den er

selbst wenig zuvor gehabt hatte. So stieg er nochmals in den Brunnen

hinab, füllte seinen Lederstrumpf mit Wasser, stieg wieder hinauf - wobei

er den Strumpf mit seinen Zähnen festhielt - und gab dem Hund zu trinken.

Allah schätzte die Tat dieses Mannes und vergab ihm seine Sünden. Der

Prophet (s) wurde gefragt: "Oh Gesandter Allahs (s), werden wir auch für

Freundlichkeit gegenüber Tieren belohnt?" Er antwortete: "Es gibt

Belohnung für Freundlichkeit gegenüber jedem Lebewesen." (Al-Bukhari

und Muslim)

In der Version bei Al-Bukhari endet der Hadith mit: "Allah dankte ihm

sein Tun, vergab ihm (seine Sünden) und ließ ihn ins Paradies eingehen."

Eine andere Version lautet: Ein Hund umkreiste voller Durst den Rand

eines Brunnens, als eine Prostituierte vom Volke Israel das Tier sah, ihren

Lederstrumpf in den Brunnen hinabließ, etwas Wasser heraufzog und dem

Hund zu trinken gab. Ihr wurde aufgrund dieser Tat vergeben.

Hadith 127: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) gesagt hat:

Ich sah einen Mann im Paradies umherschlendern, weil er einen Baum, der

den Muslimen Schaden verursachte, vom Weg entfernt hatte." (Muslim)

60

1. Buch der Gebote

In einer anderen Fassung heißt es: Ein Mann kam an dem Ast eines

Baumes vorbei, der einen Weg versperrte. Er sagte sich: 'Bei Allah, ich

werde ihn entfernen, damit er den Muslimen nicht schade.` Er wurde

wegen dieser guten Tat ins Paradies eingelassen.

Eine weitere Version lautet: Ein Mann kam einen Weg entlang, wobei er

einen dornigen Ast entdeckte, der über den Weg hing, und er nahm ihn

fort. Allah dankte ihm dies und vergab ihm (seine Sünden). (Al-Bukhari

und Muslim)

Hadith 128: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

gesagt hat: "Wer sorgfältig seine Waschung macht, und zum Freitagsgebet

kommt und der Ansprache aufmerksam zuhört, dessen Sünden vom

Freitag zuvor bis drei Tage darauf werden gelöscht. Und sich während der

Freitagsansprache mit Kieselsteinen zu beschäftigen ist so, als ob man

geredet hätte." (Muslim)

Hadith 129: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Wenn ein Muslim oder ein Gläubiger seine rituellen Waschungen vollzieht

und sein Gesicht wäscht, spült das Wasser bis zum letzten Tropfen alle

Sünden fort, die durch seine Augen begangen wurden; wenn er seine

Hände wäscht, spült das Wasser die Sünden fort, die von seinen Händen

begangen wurden; und wenn er seine Füße wäscht, wäscht das Wasser alle

Sünden weg, zu denen seine Füße ihn gebracht haben, bis er daraus

hervorgeht, gereinigt von allen seinen Sünden." (Muslim)

Hadith 130: Abu Huraira (r) überliefert auch, dass der Gesandte Allahs

(s) sagte: "Die fünf täglichen Gebete zwischen zwei Freitagen und

zwischen zwei Ramadan-Monaten löschen die dazwischen begangenen

Sünden aus, vorausgesetzt, es sind keine großen Sünden." (Muslim)

61

1. Buch der Gebote

Hadith 131: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Soll ich euch nicht etwas sagen, womit Allah Sünden erlässt, und

den Rang erhöht." Die Gefährten sagten: "Gewiss, oh Gesandter Allahs."

Er sagte: "Die Waschung stets durchzuführen, auch unter widrigen

Umständen, oft zum Gebet in die Moschee zu gehen und auf das nächste

Gebet zu warten, wenn eines vorüber ist. All dies ist Dschihad für euch."

(Muslim)

Hadith 132: Abu Musa al-Asch'ari (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs

(s) gesagt hat: "Einer, der (regelmäßig und pünktlich) das Morgengebet

und das Nachmittagsgebet verrichtet, wird ins Paradies eintreten." (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 133: Abu Musa al-Asch'ari (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs

(s) gesagt hat: "Wenn ein Diener Allahs krank wird oder auf eine Reise

geht, wird er mit einem ebenso großen Anteil an Belohnung ausgestattet,

wie wenn er gesund oder zu Hause geblieben wäre." (Al-Bukhari)

Hadith 134: Dschabir (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Jede gute Tat ist Sadaqa."

(Al-Bukhari)

Muslim überliefert den gleichen Hadith unter Berufung auf Hudhaifa (r).

Hadith 135: Dschabir (r) berichtet auch, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Wenn ein Muslim einen Baum pflanzt, dann ist das, was von dem

Baum gegessen wird, eine Sadaqa für ihn, und was auch immer davon

gestohlen wird, ist auch eine Sadaqa für ihn, und auch was davon verloren

geht."

(Muslim)

62

1. Buch der Gebote

Eine andere Version bei Muslim lautet: "Ein Muslim pflanzt keinen

Schößling, von dessen Pflanze ein Mann oder ein Tier oder ein Vogel isst,

ohne dass ihm das als Sadaqa für den Tag des Gerichts angerechnet wird."

Eine weitere Version bei Muslim lautet: "Was immer ein Muslim pflanzt

oder anbaut, und wer auch immer dann davon isst, seien es Mensch, Tier

oder sonst irgendetwas, so gilt dies als Sadaqa für ihn." Das gleiche Hadith

wird unter Berufung auf Anas (r) berichtet.

Hadith 136: Dschabir (r) überliefert: Als der Salima-Stamm sich in die

Nähe der Moschee niederlassen wollte, und der Prophet dies erfuhr, sagte

er: "Ich habe davon erfahren, dass ihr vorhabt, näher an der Moschee zu

sein." Sie sagten: "Ja, oh Gesandter Allahs, das wollen wir." Er sagte:

"Leute des Salima-Stammes, bleibt in euren Häusern; eure Fußabdrücke

sind bereits verzeichnet.77"

(Muslim)

Eine andere Version bei Muslim besagt: "Gewiss erhöht euch jeder Schritt

(zur Moschee) um eine Stufe."

Bei Al-Bukhari wird dieser Hadith unter Berufung auf Anas (r) berichtet.

Hadith 137: Abul-Mundhir Ubai ibn Ka'b (r) erzählte: Es gab einen Mann,

der weiter als alle von der Moschee entfernt wohnte, doch niemals ein

Gebet (in der Moschee) ausließ. Ich oder jemand anderes sagte zu ihm:

"Warum kaufst du keinen Esel, auf dem du in der Dunkelheit und in der

Hitze reiten könntest?" Er sagte: "Ich will nicht, dass mein Haus näher bei

der Moschee sein könnte. Ich bevorzuge, dass mein Gehen zur Moschee

und meine Rückkehr von dort nach Hause zu meinem Vorteil

aufgezeichnet würde." Der Prophet (s) sagte zu ihm: "Allah hat all das zu

deinem Vorteil aufgezeichnet." (Muslim) In einer anderen Fassung heißt es

weiter: "Du erhältst, was du wünschst."

77 Das heißt: Zieht nicht um! Dass ihr einen weiten Weg zur Moschee habt, wird euch von

Allah angerechnet.

63

1. Buch der Gebote

Hadith 138: Abu Muhammad Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) berichtet,

dass der Prophet (s) sagte: "Es gibt vierzig Arten guter Taten, von denen

die höchste die ist, eine Milch gebende Ziege auszuleihen. Wer auch immer

eine dieser Taten vollbringt, in der Hoffnung auf Belohnung und der

Zuversicht darauf, den wird Allah ins Paradies eintreten lassen." (Al-

Bukhari)

Hadith 139: Adi ibn Hatim (r) berichtet: Ich hörte den Propheten (s)

sagen: "Schützt euch vor dem Höllenfeuer, auch wenn es nur durch das

Geben einer halben Dattel (als Sadaqa) ist." (Al-Bukhari und Muslim)

Nach einer anderen Version sagte Adi (r): Der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Euer Herr wird sicherlich mit jedem von euch, ohne Hilfe eines

Dolmetschers, sprechen. Dann wird jeder (von euch) zu seiner Rechten

schauen und nur seine Taten sehen; und er wird zu seiner Linken schauen

und nur seine Taten sehen. Er wird vor sich schauen und nur das

Höllenfeuer vor sich sehen. Deshalb schützt euch gegen das Höllenfeuer,

wenn es auch nur durch das Geben einer halben Dattel (als Sadaqa) sei,

und wenn selbst das nicht vorhanden ist, durch das Sprechen eines

angenehmen Wortes." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 140: Anas (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) gesagt hat:

"Allah hat Wohlgefallen an dem (Seiner) Diener, der Allah dankt, wenn er

etwas isst oder trinkt." (Muslim)

Hadith 141: Abu Musa al-Asch'ari (r) überliefert, dass der Prophet (s)

gesagt hat: "Jeder Muslim soll Sadaqa geben." Er wurde gefragt. "Und

wenn man nichts besitzt?" Der Prophet (s) antwortete: "Dann soll er mit

seinen Händen zu seinem eigenen Nutzen arbeiten und auch (etwas von

diesem Verdienst als Sadaqa) geben." Er wurde gefragt: "Und was ist,

64

1. Buch der Gebote

wenn er das nicht kann?" Der Prophet (s) sagte: "Dann soll er armen und

bedürftigen Menschen helfen." Er wurde gefragt: "Und was ist, wenn er

sogar dazu nicht in der Lage ist." Der Prophet (s) sagte: "Dann soll er

andere auffordern, Gutes zu tun." Man fragte: "Und was ist, wenn er auch

das nicht macht?" Der Prophet (s) sagte: "Dann soll er sich von Bösem

fernhalten. Auch das ist Sadaqa" (Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 14

Maßhalten bei der Verehrung Allahs

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Wir haben dir den Qur’an nicht herabgesandt, um dich unglücklich zu

machen." (20:2)

"Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen..." (2:185)

Hadith 142: Es überliefert Aischa (r), dass der Prophet (s) eines Tages zu

ihr kam, als eine andere Frau bei ihr saß. Er (s) fragte: "Wer ist sie?"

Aischa antwortete: "Sie ist die Frau, die bekannt ist für ihre ausgedehnten

Gebete." Sich an sie wendend sagte er: "Hört auf mich. Ihr seid dazu

aufgefordert, nur so viel zu beten, wie ihr könnt. Und bei Allah, Allah wird

nie verdrossen, aber könnt müde werden."78 (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 143: Anas (r) erzählte: Es kamen einmal drei Leute zum Haus des

Propheten (s), um die Frauen des Propheten über den Gottesdienst des

Propheten zu befragen. Als sie darüber unterrichtet worden waren, hatten

sie das Gefühl, dass dies im Vergleich zu dem, was sie selbst taten, wenig

sei. Sie sprachen: "Was für ein Unterschied besteht zwischen uns und dem

Propheten (s), und ihm werden seine Sünden vergeben, die vergangenen

78 Das bedeutet, dass die Belohnung Allahs für denjenigen, der Gutes tut, nicht aufhören

wird, bis er selbst damit aufhört, Gutes zu tun. Deshalb ist es sinnvoller, auch nur etwas

Geringes regelmäßig zu tun, damit Gnade und Belohnung Allahs dauerhaft sind.

65

1. Buch der Gebote

und die zukünftigen." Einer von ihnen sprach: "Ich verbringe immer die

ganze Nacht im Gebet." Der andere sprach: "Ich faste ständig ohne

Unterbrechung." Der dritte sagte: "Und ich halte mich von Frauen fern und

heirate niemals." Inzwischen kam der Prophet (s) und fragte sie: "Seid ihr

diejenigen, die das und das gesagt haben? Hört, ich fürchte Allah mehr als

ihr alle, und ich bin frömmer. Dennoch faste ich und ich esse, ich bete (des

Nachts) und schlafe (auch), und ich heirate Frauen. Wer sich von meiner

Sunna (meinem Vorbild) abwendet, gehört nicht zu mir." (Al-Bukhari und

Muslim)

Hadith 144: Es überliefert Ibn Masud (r), dass der Prophet (s) gesagt hat:

"Mögen die Übertreibenden79 zugrunde gehen!" Und er wiederholte dies

dreimal. (Muslim)

Hadith 145: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) gesagt hat:

"Dieser Glaube ist gewiss einfach. Kein Mensch soll sich in Extremen

verlieren, was die Angelegenheiten des Glaubens anbelangt, sonst wird ihn

die Religion überwältigen. Darum übertreibt nicht und untertreibt nicht,

und seid damit zufrieden und sucht Allahs Hilfe im Gebet am Morgen und

Abend und im letzten Teil der Nacht." (Al-Bukhari)

In einer anderen Version von Al-Bukhari heißt es: "Übertreibt nicht und

untertreibt nicht. Und verrichtet (eure Gebete) morgens, abends und im

letzten Teil der Nacht. Nach und nach werdet ihr so an (euer Ziel)

gelangen."

Hadith 146: Anas (r) berichtet: Der Prophet (s) betrat die Moschee, als er

ein Seil bemerkte, das zwischen zwei Säulen festgebunden war. Er fragte:

"Was soll dieses Seil?" Man sagte ihm: "Dieses Seil ist von Zainab, die

sich, wenn sie beim Gebet müde wird, daran ausruht." Der Prophet (s)

sagte: "Entfernt es. Ihr sollt nur so lange beten, wie ihr euch wohlfühlt.

Wenn ihr euch müde fühlt, sollt ihr euch ausruhen."

(Al-Bukhari und Muslim)

79 Mit den Obertreibenden sind jene gemeint, die streng sind darin, wo sie nicht streng

sein sollen.

66

1. Buch der Gebote

Hadith 147: Aischa (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) gesagt

hat: "Wenn jemand von euch beim Beten schläfrig wird, dann soll er sich

hinlegen, bis er ausgeruht ist; denn wenn er im Zustand der Schläfrigkeit

fortfährt zu beten, dann weiß er nicht, welche Worte er von sich gibt; und

er könnte fluchen statt Allahs Vergebung zu erbitten." (Al-Bukhari und

Muslim)

Hadith 148: Abu Abdullah Dschabir ibn Samura (r) sagte: "Ich pflegte

mich dem Propheten (s) in seinem Gebet anzuschließen. Sowohl seine

Gebete als auch seine Ansprachen waren stets von ausgewogener Länge."

(Muslim)

Hadith 149: Abu Dschuhaifa Wahb ibn Abdullah (r) erzählte folgende

Geschichte: Der Prophet (s) hatte zwischen Salman (r) und Abud-Darda`

(r) den Bund der Bruderschaft geschlossen. Einst ging Salman (r)

Abud-Darda` (r) besuchen, und fand seine Frau schäbig gekleidet. Er fragte

sie, was mit ihr los sei. Sie sagte: "Dein Bruder Abud-Darda' hat nichts zu

tun mit dieser Welt.80" In der Zwischenzeit kam Abud-Darda` (r) und

kochte für Salman (r) etwas zu essen. Dann sprach er: "Iss, denn ich

faste." Salman (r) sagte zu ihm: "Ich werde nicht anfangen zu essen, bis du

mit mir isst." In der Nacht stand Abud-Darda` (r) auf, um zusätzliche

Gebete zu verrichten. Salman bat ihn, weiter zu schlafen, was er auch tat.

Nach einiger Zeit erhob sich Abud-Darda` erneut um zu Beten, und erneut

wurde er von Salman (r) zum Schlafen aufgefordert. Im späteren Teil der

Nacht sagte Salman (r): "Steh jetzt auf!", und die beiden beteten

gemeinsam. Danach sagte Salman (r): "Zweifellos bist du deinem Herrn

verpflichtet; genauso bist du dir selbst verpflichtet und deiner Familie. Du

sollst deine Pflicht jedem gegenüber erfüllen." Er ging daraufhin zum

Propheten (s) und erzählte ihm all dies. Der Prophet (s) sagte: "Was

Salman sagt ist die Wahrheit." (Al-Bukhari)

80 Das heißt, dass er sich nicht um Frauen zu kümmern pflegte.

67

1. Buch der Gebote

Hadith 150: Abu Muhammad Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) erzählte:

Man berichtete dem Propheten (s), dass ich gesagt hatte: "Bei Allah, ich

werde mein ganzes Leben lang tagsüber fasten und in der Nacht beten."

Der Prophet (s) fragte mich: "Bist du derjenige, der dies gesagt hat?" Ich

antwortete: "Mögen meine Eltern für dich geopfert werden, wenn ich

dieses nicht sagte, oh Gesandter Allahs." Er sagte: "Du wirst das nicht

schaffen können. Du sollst fasten, aber brich das Fasten. Schlafe und steh

auf (in der Nacht für zusätzliche Gebete). Faste drei Tage im Monat, das

hat die zehnfache Wirkung einer guten Tat und entspricht somit

ununterbrochenem Fasten." Ich sagte: "Ich bin stark genug, mehr als dies

zu tun." Er (s) sagte: "Dann faste einen Tag und brich das Fasten für zwei

Tage." Ich sagte: "Ich bin stark genug, mehr zu tun." Er (s) sagte: "Nun,

dann faste einen Tag uns iss am nächsten Tag. So hat der Prophet David

gefastet, und es ist ein gemäßigtes Fasten." - Und nach einer anderen

Version heißt es: "und das ist das beste Fasten." - Ich sagte: "Ich bin stark

genug, noch mehr zu tun." Der Prophet (s) sagte: "Es gibt keine bessere

Tugend als diese." Ich hätte dem Vorschlag des Propheten (s) hätte folgen

sollen, an drei Tagen im Monat zu fasten. Das wäre für mich wertvoller

gewesen als mein ganzes Vermögen und meine Kinder.

Eine andere Version besagt, dass der Prophet (s) sagte: "Bin ich recht

darüber informiert worden, dass du jeden Tag fastest und die Nacht

hindurch betest?" Ich bestätigte: "Oh Gesandter Allahs (s), es ist so." Er

sagte: "Tu es nicht: Faste und brich das Fasten, schlafe und steh auf zum

Gebet. Dein Körper hat gewiss ein Anrecht auf dich, und deine Augen

haben ein Recht auf dich, deine Frau hat ein Recht auf dich und dein Gast

hat ein Recht auf dich. Es wäre genug, wenn du an drei Tagen im Monat

fastest; jede Tugend hat ja einen Zehnfachen Wert; das bringt dich bei drei

gefasteten Tagen auf einen ganzen Monat. Dies bedeutet also ständiges

fasten." (Abdullah sagte:) Ich war hart zu mir selbst, und das erzeugte

Härte für mich. Ich sagte zum Gesandter Allahs (s): "Ich fühle mich so

stark, dass ich öfter fasten kann." Er (s) sagte: "Dann faste wie David, der

Prophet Allahs, und übertreibe nicht." Ich fragte: "Was war das Fasten des

Propheten David?" Er sagte: "Die Hälfte des ständigen Fastens.81" Im Alter

pflegte Abdullah zu sagen: Ich wünschte, ich hätte das Zugeständnis

angenommen, das mir der Prophet (s) (zur Mäßigung im Fasten und

Beten) vorschlug."

81 Das heißt: Einen Tag zu fasten und einen Tag das Fasten zu brechen.

68

1. Buch der Gebote

Noch eine andere Version lautet, dass der Prophet sagte: "Bin ich nicht

unterrichtet worden, dass du immer fastest und jede Nacht den Qur’an

liest?" Ich sagte: "Das ist richtig, oh Gesandter Allahs, und ich hoffe, damit

nur Gutes zu tun." Er sagte: "Folge dem Fasten Davids, des Propheten

Allahs, denn er war Allah inbrünstig hingegeben und vollendete die Lesung

des Qur'ans einmal monatlich." Ich warf ein: "Oh Prophet Allahs, ich bin

stark genug, es noch besser zu tun." Er sagte: "Dann rezitiere ihn in zehn

Tagen." Ich sagte: "Oh Prophet Allahs, ich bin stark genug, es noch besser

zu tun." Er sagte: "Nun, so lies ihn in sieben Tagen und vollende sein

Lesen nicht vorher." So unterwarf ich mich der Mühsal und litt darunter.

Der Prophet (s) sagte zu mir: "Du weißt nicht, ob du ein längeres Leben

haben wirst." Und dann kam es so, wie es der Prophet (s) vorausgesehen

hatte: Als ich alt wurde, erkannte ich, dass ich das Zugeständnis, das mir

vom Propheten (s) gemacht worden war, hätte annehmen sollen.

Einer anderen Version zufolge sagte er: "Dein Sohn hat ein Anrecht auf

dich." Nach einer weiteren Version sagte der Prophet (s): "Wer ständig

fastet, der fastet überhaupt nicht." Dies wiederholte er dreimal.

Eine weitere Version fügt hinzu: "Das Fasten des Propheten David ist

Allah, dem Erhabenen, am liebsten. Er ruhte in der ersten Hälfte der

Nacht, dann verrichtete er sein zusätzliches Gebet, und er pflegte das

verbleibende Sechstel (der Nacht) zu schlafen. Ebenso pflegte er einen Tag

zu fasten und den nächsten zu essen. Niemals hielt er sich zurück, wenn es

darum ging, sich einem Feind entgegenzustellen."

69

1. Buch der Gebote

In einem anderen Hadith wird über Abdullah erzählt, dass er gesagt habe,

sein Vater habe ihn mit einer Frau verheiratet, die zu einer angesehenen

Familie gehörte. Auch habe sein Vater diese Frau über ihren Ehemann

befragt. Sie sagte: "Wie vortrefflich ist so ein Mann, der nie sein Bett

berührt und seine Scham enthüllt hat, seit ich mit ihm verheiratet bin." Als

dieser Zustand anhielt, brachte er (Abdullahs Vater) diese Angelegenheit

dem Propheten (s) zur Kenntnis, der meinen Vater bat, mich zu ihm zu

schicken. Als ich mich dem Propheten (s) vorstellte, fragte er mich: "Wie

fastest du*7" Ich antwortete: "Ich faste jeden Tag." Er fragte mich dann:

"Wie lange brauchst du, eine Lesung (des ganzen Qur’ans) zu vollenden.

Ich antwortete: "Jede Nacht", und er erzählte weiter, was vorher berichtet

wurde.

Später (als Abdullah alt wurde) pflegte er ein Siebtel (des Qur’an) einigen

Familienmitgliedern schon am Tage vorzutragen, so dass seine Belastung

in der Nacht vermindert wurde. Ebenso ließ er, als er eine Erleichterung

bei seinem gewohnten Fasten benötigte, des öfteren einige Tage des

Fastens aus, holte aber die fehlenden Tage später nach. Er tat dies in erster

Linie weil er nicht auf seine Lebensweise, die der Prophet (s) von ihm

kannte, verzichten wollte.

Alle diese Hadithe sind gesund (sahih), und die meisten von ihnen wurden

von Al-Bukhari und Muslim überliefert.

Hadith 151: Abu Rib'i Hanzala ibn ar-Rabi al-Usayyidi (r), einer der

Schreiber des Propheten (s), erzählte: Eines Tages begegnete mir Abu

Bakr (r) und fragte: "Wie geht es dir, Hanzala?" Ich sagte: "Hanzala ist zu

einem Heuchler geworden!" Abu Bakr (r) sagte: "Gelobt sei Allah. Was

sagst du?" Hanzala erklärte: "Wenn wir vor dem Propheten (s) versammelt

waren und er uns von Paradies und dem Höllenfeuer erzählte, fühlten wir

uns, als ob diese vor unseren Augen wären. Aber als wir ihn verließen und

uns mit unseren Frauen, Kindern, Ländereien und Gärten beschäftigten,

vergaßen wir vieles." Abu Bakr (r) sagte: "Bei Allah. Wir sind alle in der

gleichen Situation." Da gingen sie beide zum Propheten (s). Hanzala sagte:

"Oh Gesandter Allahs (s), Hanzala ist zu einem Heuchler geworden." Der

Prophet (s) fragte: "Was meinst du damit?" Ich sagte: "Oh Gesandter

Allahs, wenn wir in deiner Gesellschaft waren und du uns über Höllenfeuer

und Paradies erzähltest, fühlten wir uns, als ob sie vor unseren Augen

stünden. Doch sobald wir nicht mehr in deiner Gegenwart waren.

70

1. Buch der Gebote

beschäftigten wir uns mit unseren Frauen, Kindern, Gärten und

Ländereien, und vergaßen vieles." Der Prophet (s) sagte: "Bei Allah, in

dessen Händen mein Leben ruht. Wenn ihr im gleichen Zustand verbleibt,

in dem ihr mit mir wart, mit euren Gedanken bei Allah, würden Engel

herabkommen, um euch die Hand zu geben, wenn ihr in euren Betten und

auf den Wegen seid. Doch, Hanzala, alles zu seiner Zeit." Und er (s)

wiederholte diesen Satz dreimal. (Muslim)

Hadith 152: Ibn Abbas (r) erzählte folgendes: Während der Prophet (s)

eines Tages predigte, sah er einen Mann stehen. Er erkundigte sich später

nach ihm. Ihm wurde gesagt, sein Name sei Abu Israil, und er habe gelobt,

er werde in der Sonne stehen und sich nicht setzen und nicht in den

Schatten gehen und zu niemandem sprechen, und er werde das Fasten

beachten. Der Prophet (s) sagte: "Bittet ihn, zu sprechen, in den Schatten

zu gehen und sich zu setzen. Aber lasst ihn sein F asten vollenden." (Al-

Bukhari)

Kapitel 15

Bewahrung tugendhafter Werke

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Ist es nicht für die Gläubigen an der Zeit, dass sich ihre Herzen beim

Gedenken Allahs und der Wahrheit, die (ihnen) offenbart wurde,

demütigen, damit sie nicht wie jene werden, denen zuvor das Buch

gegeben wurde. Doch die Zeit ging über sie hin und ihre Herzen wurden

hart, und viele von ihnen sind Frevler." (57:16)

"Dann ließen wir in ihren Spuren Unsere Gesandten folgen, und wir ließen

ihnen Jesus, den Sohn der Maria, folgen und gaben ihm das Evangelium. In

die Herzen derer, die ihm folgten, legten Wir Güte und Barmherzigkeit.

Das Mönchstum jedoch erfanden sie selber, Wir geboten ihnen nur, nach

Allahs Wohlgefallen zu trachten, aber sie befolgten (Unser Gebot) nicht

auf die rechte Weise. Denjenigen unter ihnen, die (an unsere Botschaft)

71

1. Buch der Gebote

glaubten, gaben Wir ihren Lohn, aber viele von ihnen waren Frevler."

(57:27)

"Und seid nicht wie jene, die ihr Gesponnenes wieder aufdröselt, nachdem

es zu einem festen Faden versponnen war, indem ihr eure Eide zum Mittel

gegenseitigen Betrugs macht, (weil ihr meint), dass die eine Gemeinschaft

der anderen überlegen sei an Zahl und Macht..." (16:92)

"Und diene deinem Herrn, bis die Gewissheit zu dir kommt." (15:99)

Unter den Hadithen zu diesem Thema ist der folgende von Aischa, dass

ihm (s) das Liebste in der Religion das war, was man regelmäßig zu tut

pflegte.

Siehe hierzu das voranstehende Kapitel.

Hadith 153: Umar ibn al-Khattab (r) berichtet: Der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Wenn jemand verschlafen hat, so dass er sein Sechzigstel des

Qur’an (Hisb) oder einen Teil davon nicht rezitieren konnte, und er holt es

zu einer beliebigen Zeit zwischen dem Morgengebet und dem Mittagsgebet

nach, dann wird ihm dies angerechnet wie das Rezitieren in der Nacht."

(Muslim)

Hadith 154: Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) berichtet: Der Gesandte

Allahs (s) sagte zu mir: "Oh Abdullah! Sei nicht wie Soundso, der nachts

zu zusätzlichen Gebeten aufstand, sie aber nach einiger Zeit vernachlässigte."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 155: Aischa (r) überliefert: Wenn der Gesandte Allahs (s) des

Nachts aufgrund einer Krankheit oder Müdigkeit kein zusätzliches Gebet

verrichten konnte, verrichtete er im Laufe des Tages zusätzlich zwölf

Rak'a.82 (Muslim)

82 Er verrichtete also ein langes Gebet.

72

1. Buch der Gebote

Kapitel 16

Gebot zur Bewahrung der Sunna und ihrer Sitten

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"... Und was euch der Gesandte gibt, das nehmt, und was er euch

verwehrt, darauf verzichtet." (59:7)

"Euer Gefährte irrt nicht und wurde auch nicht verleitet, und er spricht

auch nicht aus niederer Begierde. Es ist nichts anderes als eine

Offenbarung, die ihm eingegeben wird." (53:2-4)

"Sprich: Wenn ihr Allah (wahrhaftig) liebt, so folgt mir, dann wird Allah

euch lieben und euch eure Sünden verzeihen. Denn Allah ist verzeihend,

barmherzig." (3:31)

"Ihr habt fürwahr im Gesandten Allahs ein vortreffliches Vorbild für den,

der auf Allah hofft, und auf den Jüngsten Tag und häufig Allahs gedenkt."

(33:21)

"Doch nein, bei deinem Herrn! Sie glauben nicht (wirklich), bevor sie dich

nicht zum Richter machen über das, worüber sie miteinander streiten, und

danach innerlich nicht ärgerlich und bedrückt sind wegen dessen, was du

beschlossen hast, und sich in völliger Ergebenheit fügen." (4:65)

"Oh die ihr glaubt! Gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und den

Verantwortlichen unter euch. Und wenn ihr über etwas in Streit geratet,

dann bringt es vor Allah und den Gesandten, sofern ihr an Allah glaubt und

an den Jüngsten Tag. Das ist am besten und die schönste (Art des

Vorgehens und der) Auslegung." (4:59)

"Wer dem Gesandten gehorcht, der hat Allah gehorcht. Und wenn sich

jemand abwendet, so haben Wir dich nicht als ihr Bewahrer geschickt."

(4:80)

"Du leitest fürwahr zum geraden Weg..." (42:52)

"Darum mögen sich die hüten, die sich seinem Gebot widersetzen, dass sie

nicht eine schwere Prüfung trifft oder dass ihnen nicht schmerzliche Strafe

zuteil wird." (24:63)

"Und bleibt in euren Häusern und stellt euch nicht unnötig zur Schau, wie

man sich in früheren Zeiten der Unwissenheit zur Schau stellte, und

verrichtet das Gebet und gebt Zakat und gehorcht Allah und Seinem

Gesandten..." (33:33)

73

1. Buch der Gebote

Hadith 156: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s)

gesagt hat: "Behelligt mich nicht mit Fragen über Themen, die ich euch

gegenüber nicht erwähne, denn die Völker, die euch vorangingen, gingen

an ihrer Fragerei und ihrer Abweichung vom Wege ihrer Propheten

zugrunde. Daher, wenn ich euch verbiete, etwas zu tun, dann haltet euch

davon fern. Und wenn ich euch etwas befehle, dann befolgt es, soweit ihr

könnt." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 157: Abu Nadschih al-Irbad ibn Sariya (r) berichtet: Der Gesandte

Allahs (s) hielt eine bewegende Ansprache, die uns zutiefst berührte und

eine Woge von Furcht in unsere Herzen sandte und unsere Tränen fließen

ließ. Wir sagten zu ihm: "Oh Gesandter Allahs, dies klingt, als wäre diese

Predigt die letzte eines Abschied Nehmenden. Rate uns also!" Daraufhin

sagte er: "Ich ermahne euch, Allah zu fürchten und dem Anführer zu

gehorchen, auch wenn er ein äthiopischer Sklave sein sollte. Diejenigen

unter euch, die mich überleben, werden schon eine Menge an Meinungsverschiedenheiten

feststellen. Eure Pflicht ist es aber, meiner Sunna und

der Sunna meiner rechtgeleiteten Nachfolger (Kalifen) hartnäckig zu

folgen, und dass ihr euch vor Neuerungen hütet, denn jede Neuerung (die

dem Islam widerspricht) ist ein Irrtum." (Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Nach At-Tirmidhi ist dies ein guter und gesunder Hadith {hasan sahih).

Hadith 158: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Meine ganze Gemeinde (Umma) wird ins Paradies kommen, außer

denjenigen, die es ablehnen." Er wurde gefragt: "Oh Gesandter Allahs, wer

sollte dies ablehnen?" Er sagte: "Wer mir gehorcht, kommt ins Paradies,

und wer mir nicht gehorcht, weigert sich (ins Paradies zu kommen)." (Al-

Bukhari)

74

1. Buch der Gebote

Hadith 159: Abu Muslim (der auch Abu Iyas genannt wurde,) Salama ibn

Amru ibn al-Akwa` (r) berichtet, dass ein Mann in Anwesenheit des

Propheten (s) mit der linken Hand aß, worauf dieser sagte: "Iss mit deiner

Rechten!" Der Mann sagte zu ihm: "Das kann ich nicht." Der Prophet (s)

sagte zu ihm: "Du wirst es auch nicht können!" Dieser Mann weigerte sich

aus Hochmut, dem Propheten zu gehorchen. Und es geschah tatsächlich,

dass er sie nie wieder zu seinem Mund führen konnte. (Muslim)

Hadith 160: Abu Abdullah an-Nu'man ibn Baschir (r) erzählte: Ich habe

den Gesandten Allahs (s) sagen hören: "Haltet eure Reihen gerade (beim

Gebet in der Gemeinschaft), sonst wird Allah Uneinigkeit unter euch

zulassen."

(Al-Bukhari und Muslim)

Eine andere Version bei Muslim lautet: Der Gesandte Allahs (s) pflegte

darauf zu achten, dass unsere Gebetsreihen gerade gehalten wurden, als ob

sie einen geraden Stab darstellte, bis er sah, dass wir ihn verstanden hatten.

Eines Tages war er gerade dabei, mit dem Gebet zu beginnen, als er

bemerkte, dass die Brust eines der Betenden aus der Linie herausragte,

woraufhin er sagte: "Allahs Diener, haltet eure Reihen gerade, sonst wird

Allah Uneinigkeit unter euch zulassen."

Hadith 161: Abu Musa (r) überliefert, dass ein Haus in Medina in der

Nacht Feuer fing und über seinen Bewohnern zusammenbrach. Als der

Prophet (s) dies erfuhr, sagte er: "Feuer ist euer Feind. So löscht es also,

wenn ihr euch schlafen legt." (Al-Bukhari und Muslim)

75

1. Buch der Gebote

Hadith 162: Abu Musa (r) überliefert, dass der Prophet (s) folgendes

Gleichnis erzählte: "Das Gleichnis davon, dass Allah mich geschickt hat,

mit Rechtleitung und Wissen, ist wie der Regen, der auf Erde fallt, die zum

Teil gut und fruchtbar ist, das Wasser aufnimmt und Gras und reichlich

Vegetation wachsen lässt, und zum Teil trocken ist und das Wasser

aufstaut, und so macht es Allah den Menschen zunutze: sie trinken davon

und werden satt und benutzen es zu Urbarmachung. Das Regenwasser

gelangt aber auch zu einem Stück Land, das eine weite offene Ebene ist,

wo das Wasser weder gestaut wurde noch Gras wachsen lassen konnte.

Ähnlich ist der Fall derer, die Kenntnis von der Religion, die Allah durch

mich (zu den Leuten) gesandt hat, besitzen, und die sie gelernt haben und

andere lehrten. Im Gegensatz dazu gibt es Menschen, die weder ihre

Köpfe hoben und lernten, noch Allahs Führung annahmen." (Al-Bukhari

und Muslim)

Hadith 163: Dschabir (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) folgendes

Gleichnis erzählte: "Ich und du sind wie einer, der ein Feuer anzündet, und

Motten und andere Insekten beginnen dorthin zu fliegen, um davon

verzehrt zu werden. Und derjenige, der das Feuer angezündet hatte,

versucht sie davon abzuhalten. Ich bin wie dieser Mann, indem ich

versuche, euch an den Hüften zu halten (um euch) vor dem Höllenfeuer

(zu retten), aber ihr schlüpft mir aus den Händen." (Muslim)

Hadith 164: Dschabir (r) erzählte, dass der Gesandte Allahs (s) empfohlen

hat, (nach Beendigung der Mahlzeiten) die Finger und die Teller

abzulecken. Er fügte hinzu: "Ihr wisst nicht, in welchem (Teil der Speise)

Segen steckt." (Muslim)

Eine andere Version bei Muslim lautet: "Wenn einem von euch ein Bissen

(auf den Boden) fällt, soll er ihn aufheben, ihn von Staub etc. reinigen und

ihn essen, und ihn nicht dem Satan lassen. Auch sollte er seine Hände nicht

mit einem Tuch abwischen, ohne (die Speisereste) von seinen Fingern

abgeleckt zu haben, denn er weiß nicht, welcher Teil der Speise gesegnet

ist."83

76

1. Buch der Gebote

Eine weitere Version bei Muslim lautet: "Der Satan kommt zu euch bei

allen Gelegenheiten, sogar, wenn ihr beim Essen seid. Und wenn jemand

von euch einen Bissen verliert, soll er ihn aufheben, ihn von Staub reinigen,

ihn essen und ihn nicht dem Satan lassen."

Hadith 165: Ibn Abbas (r) überliefert: Eines Tages erhob sich der

Gesandte Allahs (s) um uns eine Predigt zu halten, und sagte: "Oh ihr

Leute! Ihr werdet vor Allah versammelt werden, barfuß, nackt und

unbeschnitten. 'An dem Tage, an dem wir den Himmel wie eine Schriftrolle

zusammenrollen, da werden Wir, so wie Wir die erste Schöpfung anfangs

hervorgebracht haben, sie wiedererstehen lassen. Dies ist für Uns ein

bindendes Versprechen. Wir werden es wahrlich erfüllen.'(Sure 21:104)"

Dann führ der Gesandte Allahs (s) fort: "Wahrlich! Der erste, der am Tag

des Gerichts bekleidet wird, ist der Prophet Abraham (as). Und einige aus

der Mitte meiner Gefolgsleute werden auf die linke Seite84 gebracht

werden. Dann werde ich sagen: 'Oh Allah, sie sind meine Gefährten.' Und

mir wird gesagt werden: 'Du weißt nicht, welche Neuerungen sie nach dir

verübten.' Und dann will ich wiederholen, wie ein frommer Diener:

"Niemals habe ich zu ihnen etwas gesagt, außer was Du mir zu sagen

geboten hast: Betet Allah, meinen Herrn und euren Herrn an. Ich war

Zeuge über sie, solange ich unter ihnen weilte. Als Du mich jedoch

abberufen hast, warst Du der Wächter über sie. Und Du bist Zeuge über

alle Dinge. Wenn Du sie bestrafen willst, so sind sie wahrlich Deine

Diener. Und wenn Du ihnen verzeihst, so bist Du wahrlich der

Allmächtige, der Weise.'(Sure 5:117-118)"

Und der Gesandte Allahs (s) führ fort: "Es wird mir gesagt werden: 'Sie

sind von dir abtrünnig geworden, seitdem du sie verlassen hast.'" (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 166: Abu Said Abdullah ibn Mughaffal (r) berichtet, dass der

Prophet (s) Schleudern mit Hilfe des Daumens und des Zeigefingers für

das Geschoss verbot und sagte: "Solch ein Schuss tötet weder das

83 Vergl Hadith nr.608

84 Das Heißt nahe zum Höllenfeuer

77

1. Buch der Gebote

Beutetier, noch verletzt er den Feind, sondern er schadet dem Auge und

bricht den Zahn." (Al-Bukhari und Muslim)

Eine andere Version lautet: Ein naher Verwandter von Ibn Mughaffal

pflegte auf diese Weise zu schießen. Ibn Mughaffal untersagte ihm das,

und erklärte: "Der Prophet (s) hat dieses Vorgehen verboten und gesagt,

es töte nicht das Beutetier." Doch der Mann hörte nicht auf damit, worauf

Abdullah (r) zu ihm sagte: "Ich sagte dir, dass er Prophet (s) uns das

verboten hat, aber du machst dennoch damit weiter. Ich werde deshalb

nicht mehr mit dir sprechen."

Hadith 167: Abis ibn Rabia (r) überliefert: Ich sah Umar ibn al-Khattab

(r) den Schwarzen Stein (in der Ka'ba) küssen und hörte ihn sagte: "Ich

weiß genau, dass du nur ein Stück Fels bist und keine Macht hast, Wohlwollen

auszuüben oder Schaden zuzufügen. Hätte ich nicht den Propheten

(s) dich küssen sehen, dann hätte ich dich nie geküsst." (Al-Bukhari und

Muslim)

Kapitel 17

Pflicht, das Gesetz Allahs zu befolgen,

und was derjenige, der dazu aufgerufen wurde, darauf und auf das

Gebieten von Gutem und Verbieten von Schlechtem antworten soll

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Doch nein, bei deinem Herrn! Sie glauben nicht (wirklich), bevor sie dich

nicht zum Richter machen über das, worüber sie miteinander streiten, und

danach innerlich nicht ärgerlich und bedrückt sind wegen dessen, was du

beschlossen hast, und sich in völliger Ergebenheit fügen." (4:65)

"Hingegen sind die Worte der Gläubigen, wenn sie zu Allah und Seinem

Gesandten aufgerufen werden, damit er zwischen ihnen richte, dass sie

sagen: 'Wir hören und gehorchen.' Und diese sind es, die erfolgreich sein

werden." (24:51)

78

1. Buch der Gebote

Zu diesem Thema gibt es einige Hadithe, unter diesen Hadith Nr. 158.

Hadith 168: Abu Huraira (r) berichtet: Als der Qur’anvers offenbart

wurde: "Allah gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und ob

ihr offenbart, was in euren Seelen ist, oder es geheimhaltet, Allah wird

euch dafür zur Rechenschaft ziehen. Dann verzeiht Er, wem Er will, und

bestraft, wen Er will. Und Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 2:284),

waren die Gefährten des Propheten (s) äußerst beunruhigt. Sie gingen zu

ihm, knieten nieder und sagten: "Oh Gesandter Allahs! Wir sind bereits

beladen mit Pflichten, die wir (mühevoll) erfüllen müssen: den (häufigen)

Gebeten, dem Fasten, dem Dschihad und den Abgaben von (Zakat und)

Sadaqa... Nun ist dir dieser Vers (Sure 2:284) offenbart worden, der

unsere Kräfte übersteigt." Der Gesandte Allahs (s) sagte zu ihnen: "Wollt

ihr etwa sagen, was die Leute der beiden Bücher85 früher schon gesagt

haben, nämlich: 'Wir haben gehört, aber wir werden nicht gehorchen.'? Ihr

sollt aber sagen: 'Wir hören und gehorchen. Gewähre uns Deine Verzeihung,

unser Herr, und bei Dir ruht der Ausgang.'(Sure 2:285)" Als die

Muslime diesen Vers verinnerlichten, hob Allah den Befehl auf, und Er

offenbarte: "Allah bürdet keiner Seele mehr auf, als sie zu tragen vermag.

Ihr wird zuteil, was sie (an Gutem) erworben hat, und über sie kommt,

was sie sich zuschulden kommen lässt. (- Der Prophet bestätigte dies,

indem er "Ja" sagte. -) 'Unser Herr, mache uns nicht zum Vorwurf, wenn

wir uns vergessen oder Schlechtigkeit begehen. Unser Herr, erlege uns

keine Bürde auf, so wie Du sie jenen aufgebürdet hast, die vor uns

waren. (- Er bestätigte dies, indem er "Ja" sagte. -) Unser Herr, und lade

uns nichts auf, wofür wir keine Kraft haben. (- Bestätigend sagte er "Ja" -)

Und vergib uns und gewähre uns Verzeihung und habe Erbarmen mit uns.

Du bist unser Beschützer. So hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen.'

(Sure 2:286)" Und er (s) bestätigte dies, indem er "Ja" sagte. (Muslim)

85 Das heißt: der Thora und des Evangeliums, also Juden und Christen.

79

1. Buch der Gebote

Kapitel 18

Verbot von Neuerungen (Bid'a) und Neuem

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und was gibt es außer der Wahrheit Anderes als Irrtum? Wie lasst ihr

euch also abwendig machen?" (10:32)

"Nichts haben wir im Buch außer Acht gelassen." (6:38)

"Und wenn ihr über etwas in Streit geratet, dann bringt es vor Allah und

den Gesandten..." (4:59)

"Und dies ist wahrlich Mein gerader Weg, so folgt ihm, und folgt nicht

(anderen) Pfaden, die euch von Seinem Pfad abirren lassen..." (6:153)

"Sprich: 'Wenn ihr Allah (wahrhaft) liebt, so folgt mir, dann wird Allah

euch lieben und euch eure Schuld vergeben..." (3:31).

Hadith 169: Aischa (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) gesagt

hat: "Wer in dieser unserer Sache86 etwas neu begründet, was nicht ein

Bestandteil davon ist, ist abzuweisen." (Al-Bukhari und Muslim)

In einer anderen Version bei Muslim heißt es: "Wer gegen unsere Sache

handelt, ist zurückzuweisen."87

86 Das heißt: der islamischen Religion.

87 Sowohl der Neuerer als auch die Neuerung selbst sind zurückzuweisen.

80

1. Buch der Gebote

Hadith 170: Dschabir (r) berichtet: Wenn der Gesandte Allahs (s)

predigte, wurden seine Augen rot, der Ton seiner Stimme erhob sich, und

er erregte sich, als wäre er der Warner vor einem feindlichen Heer, das

auflauert. Er pflegte zu sagen: "Der Feind wartet ab, um am Morgen oder

am Abend über euch herzufallen," Er pflegte auch zu sagen: "Meine

Entsendung ist ein Zeichen der baldigen Ankunft der Stunde (des Jüngsten

Tages). Beide liegen sehr nah beieinander wie dies:" hierbei verschlang er

seinen Zeigefinger mit seinem Mittelfinger und fügte hinzu: "Gewiss ist das

beste Wort die Schrift Allahs, und die beste Führung ist die von

Muhammad (s) gezeigte. Die schlimmste Praxis ist das Einfuhren neuer

Elemente in den islamischen Glauben, und jede Neuerung ist ein Irrtum."

Er sagte stets: "Ich habe Vorrang in der Sorge um jeden Gläubigen vor

ihm selbst. Wenn er etwas an Besitz zurücklässt, gehört dieser (dennoch)

seinen Familienmitgliedern. Und wenn er stirbt und dabei Schulden hinterlässt,

und von Abhängigen überlebt wird, halte ich mich verantwortlich für

das Zahlen seiner Schulden und für den Unterhalt seiner Abhängigen."

(Muslim)

Und al-Irbad ibn Sariya überliefert das bereits aufgeführte Hadith Nr. 157.

Kapitel 19

Einführer von guten oder schlechten Sitten

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und diejenigen, die sagen: 'Unser Herr, gib, dass unsere Ehepartner und

unsere Nachkommen uns Augentrost sind, und mache uns zum Vorbild für

die Gottesfürchtigen.111 (25:74)

"Und Wir machten sie zu Führern, die (die Menschen) nach Unserem

Gebot rechtleiteten..." (21:73).

Hadith 171: Abu Amru Dschanr ibn Abdullah (r) erzählte: Wir waren

eines Vormittags beim Gesandten Allahs (s). Zu ihm kamen auch einige

81

1. Buch der Gebote

Leute, die nichts als Fetzen von Sackleinen an ihrem Körper trugen. Und

sie trugen umgehängte Schwerter. Fast alle von ihnen gehörten zum

Stamme der Mudar. Als der Prophet (s) sah, in welch armseligem Zustand

sie sich befanden, änderte sich sein Gesichtsausdruck. Er stand auf und

ging in seine Kammer, kam sodann heraus und bat Bilal (r), zum Gebet zu

rufen. Dann rief dieser zum Gebet, und sie beteten. Dann sprach er zu den

Versammelten: "Oh ihr Menschen! Fürchtet euren Herrn, Der euch aus

einem einzigen Wesen erschaffen hat, und aus ihm erschuf Er seine Gattin,

und aus beiden ließ Er viele Männer und Frauen (sich auf Erden)

ausbreiten. So fürchtet Allah, in Dessen Namen ihr einander ersucht, und

wahrt die Verwandtschaftsbande (fest). Wahrlich, Al!ah wacht stets über

euch." (Sure 4:1). Und dann las er noch einen Vers aus Sure Al-Haschr

(59:18): "Oh die ihr glaubt, fürchtet Allah, und jede Seele soll schauen,

was sie für morgen vorausschickt. Fürchtet Allah. Allah weiß sehr wohl,

was ihr tut." Dann bat der Prophet (s) die Anwesenden: "Jeder von euch

soll Sadaqa geben, von seinem Geld, seiner Kleidung, Getreide und

Datteln, und wenn es nur eine halbe Dattel wäre." Da kam einer der Ansar

und brachte einen schweren Sack, dessen Gewicht ihm Schwierigkeit

machte, ihn zu tragen; dann folgten andere, einer nach dem anderen, bis da

zwei Haufen von Esswaren und Kleidung lagen. Dann sah ich, wie das

Gesicht des Gesandten Allahs (s) wie Gold strahlte. Allahs Gesandter (s)

sagte: "Wer auch immer eine gute Sitte einfuhrt, der wird dafür Lohn

erhalten, und auch den Lohn für diejenigen, die ihm darin folgen, ohne

dass diesen jedoch irgendetwas von ihrem Lohn abgezogen wird.

Desgleichen wird derjenige, der eine üble Praxis im Islam einfuhrt, dafür

bestraft werden, und auch für diejenigen, die es ihm gleichtun, ohne dass

diesen irgendetwas von ihrer Strafe dafür erlassen wird." (Muslim)

82

1. Buch der Gebote

Hadith 172: Ibn Mas'ud (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Für alle Morde, die ohne irgendeine Rechtfertigung in der Welt begangen

wurden, wird der ältere Sohn des Propheten Adam (d.i. Kain), einen Anteil

an Strafe bekommen, weil er der erste war, der das Töten begann (indem

er seinen Bruder Abel ermordete)." (Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 20

Hinweisen auf Gutes und Aufruf zu Rechtleitung oder Irrtum

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht: "Und

rufe auf zu deinem Herrn..." (28:87),

"Rufe zum Pfad deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung..."

(16:125)

"Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit und Gottesfurcht..."

(5:2)

"Und es soll unter euch eine Gemeinschaft sein, die zum Guten aufruft und

das Rechte gebietet und Unrecht verwehrt..." (3:104)

Hadith 173: Abu Mas'ud Uqba ibn Amru al-Ansari al-Badri (r) sagte: Der

Gesandte Allahs (s) sagte: "Derjenige, der veranlasst, Gutes zu tun,

bekommt die gleiche Belohnung wie der Wohltäter." (Muslim)

Hadith 174: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Derjenige von euch, der um Rechtleitung bittet und aufruft, Gutes zu tun,

wird die gleiche Belohnung erhalten wie diejenigen, die ihm folgen und

Gutes tun, und dies wird ihre Belohnung um nichts schmälern. Ebenso

wird derjenige, der die Leute zu bösen Taten aufruft, die gleiche

Bestrafung erhalten wie diejenigen, die ihm gefolgt sind, ohne dass die

anderen deshalb weniger bestraft werden." (Muslim)

83

1. Buch der Gebote

Hadith 175: Abul-Abbas Sahl ibn Sa'd as-Sa'idi (r) erzählte: Am Tag vor

der Schlacht von Khaibar sprach der Gesandte Allahs (s) folgendes:

"Morgen werde ich die Standarte einem Mann übergeben, durch den Allah

uns Erfolg und Sieg gegen wird. Er liebt Allah und Seinen Gesandten, so

wie Allah und Sein Gesandter ihn lieben."

Die Leute verbrachten die Nacht in gespannter Ungewissheit und unterhielten

sich darüber, wer wohl dazu bestimmt werde, die Standarte zu

tragen. Am nächsten Morgen gingen sie zum Propheten (s), jeder in der

Hoffnung, derjenige zu sein, der diese Ehre erhalten würde. Der Prophet

(s) fragte: "Wo ist Ali ibn Abi Talib?" und es wurde ihm mitgeteilt: "Oh

Gesandter Allahs, er hat Augenschmerzen." Er sagte: "Schickt nach ihm."

Als er kam, tat ihm der Prophet (s) etwas von seinem Speichel in die

Augen und betete für ihn. Er wurde so von seinen Augenschmerzen

geheilt, als ob er niemals Schmerzen gehabt hätte. Dann übergab der

Prophet (s) ihm die Standarte. Ali fragte: "Oh Gesandter Allahs, werde ich

mit ihnen kämpfen, bis sie Muslime werden wie wir?" Der Prophet (s)

antwortete: "Gehe zu ihnen und lade sie zum Islam ein, und sage ihnen,

was das Recht Allahs, des Erhabenen, über sie ist. Bei Allah, wenn Allah

auch nur einen einzigen Menschen durch dich zum Islam führt, ist das

besser, als eine Herde roter Kamele88." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 176: Anas (r) berichtet: Ein Junger Mann vom Stamm der Aslam

kam zum Propheten (s) und sagte: "Oh Gesandter Allahs, ich will mich

dem Dschihad anschließen, aber ich habe weder Ausrüstung noch Geld."

Er sagte zu ihm: "Geh zu Soundso, denn er hat sich voll auf den Dschihad

vorbereitet, aber nun ist er krank geworden." Er ging zu ihm und sagte:

"Der Gesandte Allahs (s) schickt dir seinen Gruß und sagt, du mögest mir

die Ausrüstung aushändigen, die du für den Dschihad vorbereitet hast."

Der Mann bat seine Frau: "Oh Soundso, gib ihm alles, was ich vorbereitet

habe, und behalte nichts davon zurück. Bei Allah, wenn du nichts davon

zurückhältst, wird Allah uns alles segnen." (Muslim)

88 Rote Kamele gelten als besonders kostbar.

84

1. Buch der Gebote

Kapitel 21

Gegenseitige Hilfe in Frömmigkeit und Gottesfurcht

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit und Gottesfurcht..."

(5:2)

"Bei der Zeit! Wahrlich, der Mensch ist zum Verderben (verurteilt), außer

denjenigen, die glauben und gute Werke tun und sich (gegenseitig) zum

Rechten aufrufen und sich (gegenseitig) zur Geduld (und Standhaftigkeit)

aufrufen." (103:1-3)

Imam Asch-Schafi'i (rA) meinte dazu, dass die meisten Menschen die

Bedeutung dieser Sure (Al-Asr) unterschätzen.

Hadith 177: Abu Abdur-Rahman Zaid ibn Khälid al-Dschuhani (r)

berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: "Wer für die Ausrüstung

eines Mudschahids 89 sorgt, zählt auch als Mudschdhid, und wer sich um

die Angehörigen eines Mudschahids kümmert, zählt auch als Mudschahid,

der am Dschihad teilgenommen hat." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 178: Abu Said al-Khudri (r) erzählte: Der Gesandte Allahs (s)

beauftragte eine Abteilung von Mudschahidin gegen den Lahyan-Stamm

von Hudhail zu kämpfen, und er befahl: "Jeder zweite Mann soll sich

vorbereiten, in den Dschihad zu ziehen, doch werden beide das gleiche

Maß an Belohnung bekommen." (Muslim)

Hadith 179: Ibn Abbas (r) erzählte: Der Gesandte Allahs (s) stieß bei Ar-

Rauha'90 auf Reisende, und fragte sie: "Wer seid ihr?" Sie sagten:

"Muslime!", dann fragten sie ihn: "Und wer bist du?" Er antwortete: "Der

Gesandte Allahs." Da trat eine Frau mit einem Jungen hervor und fragte:

"Zählt die Pilgerfahrt dieses Jungen?" Er sagte: "Ja, und du wirst auch eine

Belohnung bekommen." (Muslim)

89 Mudschahid nennt man denjenigen, der Dschihad führt; siehe Anmerkung Nr. 20 auf Seite

90 Das ist ein Vorort von Medina.

85

1. Buch der Gebote

Hadith 180: Abu Musa ai-Asch'ari (r) überliefert: Der Prophet (s) sagte:

"Ein vertrauenswürdiger muslimischer Verwalter ist einer, der seine

Pflichten ehrlich durchfuhrt und vollendet, womit er beauftragt wurde, und

der jedem voll aushändigt, wozu er berechtigt ist, und zwar aus ganzem

Herzen. Ein solcher Verwalter ist wie jemand, der Sadaqa gibt." (Al-

Bukhari und Muslim)

Nach einer anderen Version zählt derjenige, der dafür sorgt, dass ein

anderer etwas erhält, auch als jemand, der Sadaqa gibt. Beide Versionen

gelten als gesund (sahih).

Kapitel 22

Guter Ratschlag

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Die Gläubigen sind doch Brüder, darum stiftet Frieden zwischen euren

(zerstrittenen) Brüdern..." (49:10)

''Ich (Noah) überbringe euch die Botschaft meines Herrn und gebe euch

wohlmeinenden Rat, und ich weiß von Allah, was ihr nicht wisst." (7:62)

"Ich (Hud) überbringe euch die Botschaft meines Herrn, und bin euch ein

aufrichtiger, vertrauenswürdiger Ratgeber." (7:68)

Hadith 181: Abu Ruqayya Tamim ibn Aus ad-Däri (r) berichtet, dass der

Prophet (s) sagte: "Die Grundlage des Glaubens ist aufrichtiger Rat." Wir

fragten: "Wem gegenüber?" Er sagte: "Allah gegenüber, Seinem Buch,

Seinem Gesandten, den islamischen Anführern und den Menschen

gegenüber." (Muslim)

Hadith 182: Dscharir ibn Abdullah (r) berichtet: Ich huldigte dem

Gesandten Allahs (s) und verpflichtete mich dadurch, das Gebet zu verrichten,

die Zakat zu entrichten und jedem Muslim gut zu raten." (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 183: Anas (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Keiner von euch ist gläubig, bis er für seinen Bruder wünscht, was er für

sich selbst wünscht." (Al-Bukhari und Muslim)

86

1. Buch der Gebote

Kapitel 23

Gutes gebieten und Schlechtes verbieten

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und es soll unter euch eine Gemeinschaft sein, die zum Rechten aufruft,

und das Rechte gebietet und das Unrecht verwehrt. Sie sind es, die

erfolgreich sein werden." (3:104)

"Ihr seid die beste Gemeinschaft, die unter den Menschen hervorgebracht

worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verwehrt Unrecht und glaubt an

Gott..." (3:110)

"Übe Nachsicht und gebiete Gutes und wende dich ab von den Törichten."

(7:199)

"Die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einander Beschützer

und Helfer. Sie gebieten das Gute und verwehren das Üble..." (9:71)

"Verflucht wurden die Ungläubigen unter den Kindern Israels durch die

Zunge Davids und Jesu, des Sohnes der Maria. Dies, weil sie sich

widersetzten und (Allahs Gesetze) immer wieder übertraten..." (5:78-79)

"Und sprich: 'Die Wahrheit ist von eurem Herrn!' So möge wer will (sie)

annehmen und wer will möge (sie) ablehnen." (18:29)

"So tue offen kund, wie dir geboten worden ist..." (15:94)

"Und als sie das vergaßen, wozu sie ermahnt worden waren, da retteten

Wir jene, die vom Bösen abhielten. Doch Wir erfassten jene, die Unrecht

taten, mit einer schlimmen Strafe, weil sie sich des Frevels schuldig

gemacht hatten." (7:165)

Hadith 184: Abu Said al-Khudri (r) überliefert, dass er den Gesandten

Allahs (s) sagen hörte: "Wer von euch etwas Übles sieht, soll es mit

eigener Hand ändern, und wenn er dies nicht vermag, so soll er es mit

seiner Zunge verändern, und wenn er dies nicht kann, dann mit seinem

Herzen, und dies ist die schwächste Form des Glaubens." (Muslim)

87

1. Buch der Gebote

'Hadith 185: Ibn Mas’ud (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

.sagte: "Alle Propheten, die vor mir von Allah gesandt wurden, hatten

Vertraute und Gefährten, die ihrem Vorbild folgten und ihren

Anweisungen gehorchten. Nach ihnen kamen Leute, die nicht taten, was

sie sagten, und machten, wozu sie nicht aufgefordert waren. Derjenige, der

Dschihad gegen diese mit seinen Händen unternimmt, ist ein Gläubiger;

derjenige, der Dschihad gegen sie mit seinem Herzen unternimmt, ist ein

Gläubiger; und derjenige, der Dschihad gegen sie mit seiner Zunge

unternimmt, ist ein Gläubiger. Außer diesem existiert es kein Körnchen

Glauben." (Muslim)

Hadith 186: Abul-Walid Ubada ibn as-Samit (r) berichtet: Wir huldigten

dem Gesandten Allahs (s), und verpflichteten uns, unter allen Umständen

auf ihn zu hören und ihm zu gehorchen, unter schweren oder leichten

Umständen, in guten oder schlechten Zeiten, nicht selbstsüchtig zu sein

und keine Vorurteile zu hegen und niemanden zu verurteilen ohne klare

Beweise, immer die Wahrheit zu sagen, wo immer wir uns befinden, und

außer Allah niemanden zu furchten. (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 187: Es überliefert an-Nu’man ibn Baschir (r), dass der Prophet

(s) sagte: "Das Gleichnis dessen, der Allahs Grenzen beachtet, und dessen,

der diese überschreitet, ist wie Reisende auf einem Schiff, die per Los

darüber entscheiden, wer auf das Oberdeck soll und wer unter Deck.

Jene unter Deck mussten über das Oberdeck, um Wasser zu holen,

was den Reisenden vom Oberdeck Unannehmlichkeiten bereitete. So

schlugen sie den Leuten vom Oberdeck vor, ihnen zu erlauben, ein Loch

in den Schiffsboden zu bohren und so Wasser zu schöpfen, ohne ihnen

Unannehmlichkeiten zu bereiten. Wenn die Bewohner des Oberdecks die

anderen ihren Plan durchführen ließen, würden sie alle

gemeinsam

88

1. Buch der Gebote

umkommen; aber wenn sie sie davon abhielten, würden sie sich selbst

retten und alle anderen dazu."

(Al-Bukhari)

Hadith 188: Die Mutter der Gläubigen Umm Salama Hind bint Abi

Umayya Hudhaifa (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Es werden

Menschen zur Herrschaft über euch ernannt werden, von deren Taten ihr

einige in Übereinstimmung mit den Geboten Allahs und einige im

Gegensatz dazu finden werdet. Derjenige, der dies innerlich verabscheut,

ist von Rechenschaft (vor Allah) befreit, und derjenige, der etwas dagegen

unternimmt (mit Wort oder Tat), ist vor Sünde sicher, doch derjenige, der

ihnen folgt und damit zufrieden ist, wird Rechenschaft ablegen müssen."

Die Leute fragten: "Oh Gesandter Allahs, sollen wir nicht gegen sie

kämpfen?" Er sagte: "Nicht, solange sie weiterhin ihr Gebet unter euch

verrichten." (Muslim)

Hadith 189: Die Mutter der Gläubigen, Umm al-Hakam Zainab bint

Dschahsch (r), überliefert: Einmal kam der Prophet (s) zu mir, und der

Schreck steckte in seinen Gliedern, und er sagte: "Es gibt keinen Gott

außer Allah. Wehe den Arabern wegen des nahenden Unheils. Ein Riss ist

in der Mauer, die Gog und Magog91 zurückhält, und das Loch ist von

dieser Größe:" und er zeigte mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis. Ich

sagte zu ihm: "Oh Gesandter Allahs, werden wir alle vernichtet, auch

wenn unter uns gute Menschen ist?" Er sagte: "Ja, wenn Schlechtes

und Bestechung um sich greifen." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 190: Abu Said al-Khudri (r) überliefert, dass der Prophet (s) zu

uns sagte: "Setzt euch nicht an die (Ränder der) Wege." Die Gefährten

bemerkten: "Oh Prophet Allahs, wir haben keinen anderen Platz, an dem

wir sitzen und Angelegenheiten besprechen können." Er sagte: "Wenn das

91 Das Erscheinen von Gog und Magog gilt als ein Anzeichen des Jüngsten Tages.

89

1. Buch der Gebote

so ist, dann erledigt eure Angelegenheiten den Sitten der Wege entsprechend."

Sie fragten: "Oh Gesandter Allahs, was ist die Sitte der

Wege?" Er sagte: "Haltet eure Blicke niedergeschlagen, säubert die Wege

von widrigen Gegenständen, antwortet auf den Friedensgruß, tut das Gute

und verbietet das Üble." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 191: Ibn Abbas (r) berichtet: Eines Tages sah der Gesandte Allahs

(s) einen Mann, der einen goldenen Ring am Finger trug. Der Prophet (s)

nahm den Ring von seinem Finger und warf ihn weg, wobei er sagte: "Wer

auch immer ein Stück glühender Kohle auf seine Hand legen will, der lege

sie darauf." Nachdem der Prophet (s) gegangen war, wurde der Mann

aufgefordert, den Ring aufzuheben und ihn auf andere Weise zu

verwenden. Daraufhin sagte er: "Bei Allah: Nun, da der Prophet (s) diesen

Ring weggeworfen hat, werde ich ihn niemals aufheben." (Muslim)

Hadith 192: Abu Sa'id al-Hasan al-Basri (r) erzählte, dass Aidh ibn Amru

den Ubaidullah ibn ZIyad besuchte und zu ihm sagte: "Oh mein Sohn, ich

hörte Allahs Gesandten (s) sagen: 'Der schlimmste Herrscher ist derjenige,

der zerstört.' Pass auf, dass du nicht so wirst." Da sagte dieser zu ihm:

"Setz dich, du bist wie die Spreu unter den Gefährten des Propheten (s)."

Äidh erwiderte: "Gab es etwa Spreu unter den Gefährten des Propheten

(s) ? Diese gab es doch vielmehr nur unter deren Nachfolgern und

anderen." (Muslim)

Hadith 193: Hudhaifa (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: "Bei Allah,

in dessen Händen mein Leben ist, entweder ihr gebietet das Gute und

verbietet das Üble, oder Allah wird gewiss Strafe über euch senden; und

dann werdet ihr beten, aber eure Bitten werden nicht erhört werden."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith (hasan)

90

1. Buch der Gebote

Hadith 194: Abu Said al-Khudri (r) überliefert, dass der Prophet (s)

sagte: "Der beste Dschihad ist ein wahres Wort zu einem ungerechten

Herrscher."

(Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Nach At-Tirmidhi ist dies ein guter Hadith (hasan).

Hadith 195: Abu Abdullah Täriq ibn Schihäb al-Badschali (r) erzählte:

Während der Prophet (s) gerade eine Reise fortsetzen wollte und seinen

Fuß in den Steigbügel setzte, erkundigte sich ein Mann bei ihm, welche

Art von Dschihad die beste sei. Er sagte: "Ein wahres Wort zu einem

ungerechten Herrscher."

(An-Nasai)

Dieser Hadith ist zuverlässig überliefert (isnad sahih).

Hadith 196: Es berichtet Ibn Mas’ud (r), dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Der allererste Fehler, der unter den Juden gemacht wurde, war,

dass einer von ihnen, als er einen anderen traf, begann zu sagen: 'Fürchte

Allah und unterlasse, was du tust, da es ungesetzlich ist.' Als er den

Fehlgehenden jedoch am nächsten Tag traf und keine Verhaltensänderung

festzustellen war, sagte er nichts zu ihm. und nichts hinderte ihn, mit ihm

zu essen, zu trinken und in seiner Gesellschaft zu sitzen So also kehrte

Allah die Herzen dieser ab, wegen ihres Beisammenseins mit anderen (mit

schlechtem Herzen)." Dann rezitierte der Prophet (s): "Verflucht wurden

die Ungläubigen unter den Kindern Israels durch die Zunge Davids und

Jesu, des Sohnes der Maria. Dies, weil sie sich widersetzten und (Gottes

Gesetze) immer wieder übertraten. Sie pflegten einander nicht vom

unrechten Tun abzuhalten. Schlecht ist fürwahr, was sie zu tun pflegten.

Du siehst, (wie) viele von ihnen sich denen zuwenden, die ungläubig sind.

Schlecht ist fürwahr, was sie für sich selbst vorausgeschickt haben, so dass

der Unwille Allahs über sie gekommen ist und sie in ihrer Strafe verweilen

werden. Wenn sie nur an Allah und an den Propheten und an das geglaubt

hätten, was ihm offenbart worden ist, dann hätten sie sie nicht zu Freunden

genommen. Doch viele von ihnen sind sündig." (Sure 5:78-81).

91

l. Buch der Gebote

Weiterhin sagte er (s): "Gewiss ist es nicht so, wie ihr denkt: Bei Allah, ihr

werdet das Gute gebieten und das Üble verbieten und den Übertretern die

Hand festhalten und sie überreden, gerecht zu handeln, und sie zur

Gerechtigkeit anhalten, damit Allah euch nicht zusammen mit anderen

strafen und wie sie (die Juden) verfluchen wird." (Abu Dawud und At-

Tirrnidhi)

Nach At-Tirmidhi ist dies ist ein guter Hadith (hasan). Die zitierte Fassung

stammt von Abu Dawud.

Die Version bei At-Tirmidhi lautet: Der Prophet (s) sagte: "Als das Volk

Israel sich in Sünde verstrickte, versuchte es zunächst seine Gelehrten

zurückzuhalten, doch niemand achtete auf sie. Seine Gelehrten gesellten

sich schließlich auch zu ihm, und aßen und tranken mit ihm zusammen.

Also ließ Allah ihre Herzen denen der anderen gleich werden, und sie

wurden alle verflucht; durch David und Jesus, den Sohn der Maria, weil sie

ungehorsam waren und sich Ausschweifungen hingaben." Der Prophet (s)

setzte sich, nachdem er zuvor gelegen hatte, auf und sagte: "Bei Dem, in

Dessen Händen mein Leben ist, bis ihr sie dazu bringt, gerecht zu

handeln."

Hadith 197: Abu Bakr as-Siddiq (r) sagte (zu den Anwesenden): "Oh

ihr Menschen, ihr lest den Qur’anvers: 'Oh ihr Gläubigen` Ihr seid nur für

euch selbst verantwortlich. Wer irregeht, kann euch keinen Schaden

zufügen, solange ihr (selbst) rechtgeleitet seid. Zu Allah wird euer aller

Rückkehr sein. Dann wird Er euch Kunde davon geben, was ihr zu tun

pflegt.' (Sure 5:105). Und ich habe gewiss den Gesandten Allahs (s) sagen

hören: 'Wenn die Leute jemanden unrecht handeln sehen und ihn nicht

davon zurückhalten, ist es nur gerecht, wenn Allah sie alle straft.'" (Abu

Dawud, An-Nasai und At-Tirmidhi) Dieser Hadith ist zuverlässig

überliefert (isnad sahih).

92

1. Buch der Gebote

Kapitel 24

Größere Strafe für denjenigen, der Gutes gebietet und Schlechtes

verbietet, jedoch das Gegenteil von dem tut, was er sagt

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Wollt ihr den Menschen das Rechte gebieten, während ihr euch selbst

vergesst, wo ihr doch das Buch lest? Begreift ihr denn nicht?" (2:44), "Oh

die ihr glaubt, warum sagt ihr, was ihr nicht tut? Höchst verabscheuenswürdig

ist es vor Allah, dass ihr sagt, was ihr nicht tut." (61:2-3).

"Er (Schu'aib) sagte: 'Oh mein Volk! Seht ihr nicht, dass ich klare Beweise

habe von meinem Herrn und Er mich mit Seinen Gaben beschenkt, (wollt

ihr mir da nicht glauben?). Ich will im Gegensatz zu euch nicht nach dem

handeln, das zu unterlassen ich euch bitte..." (11:88)

Hadith 198: Abu Zaid Usama ibn Zaid ibn Haritha (r) erzählte: Ich hörte

den Gesandten Allahs (s) sagen: "Am Tage des Gericht wird ein Mann

gebracht und in die Hölle geworfen werden, und seine Eingeweide werden

dort aus seinem Bauch herausbrechen, und er wird sie festhalten und

taumelnd im Kreise gehen wie ein Esel in der Mühle. Die Bewohner der

Hölle werden zu ihm kommen und sagen: 'Oh Soundso! Was ist das?

Batest du die Leute nicht, Gutes zu tun und Übles zu meiden?' Und er wird

sagen: 'So ist es. Ich schloss mich anderen an und bat Sie, Gutes zu tun,

aber ich tat es selbst nicht, und ich verbot ihnen, Übles zu tun, aber ich tat

es selbst.'" (Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 25

Gebot der Rückgabe des anvertrauten Guts (Amana)

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Wahrlich, Allah gebietet euch, dass ihr (euch) Anvertrautes an seine

Besitzer zurückgebt..." (4:58)

"Wir haben fürwahr das Vertrauenspfand den Himmeln und der Erde und

den Bergen angeboten, doch sie weigerten sich, es zu tragen und

schreckten davor zurück. Der Mensch aber nahm es auf sich. Er ist

wahrlich ungerecht, unwissend." (33:72)

93

1. Buch der Gebote

Hadith 199: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Ein Heuchler besitzt drei Kennzeichen:

1) wenn er spricht, erzählt er eine Lüge,

2) wenn er ein Versprechen gibt, bricht er es, und

3) wenn ihm etwas anvertraut wird, betrügt er."

(Al-Bukhari und Muslim)

In einer anderen Version heißt es: "Sogar wenn er fastet, das Gebet

verrichtet und sich selbst als Muslim betrachtet."

Hadith 200: Es berichtet Hudhaifa ibn al-Yaman (r): Der Gesandte Allahs

(s) erzählte uns zwei Hadithe, von denen ich einen (sich bewahrheiten)

gesehen habe und das Eintreffen des anderen erwarte: Der Prophet (s)

berichtete uns, dass die Zuverlässigkeit in den Herzen der Menschen

verwurzelt sei, dass, als der Qur’an offenbart wurde, sie davon lernten und

von der Sunna. Dann erzählte er uns vom Verlust der Zuverlässigkeit und

sagte: "Ein Mensch wird sich schlafen legen, und da schwindet die

Zuverlässigkeit aus seinem Herzen, und nur ihr Eindruck verbleibt darin;

und wenn er sich erneut schlafen legt, schwindet die Zuverlässigkeit bis auf

eine kleine Schwiele in seinem Herzen, gleich einer Brandblase, die innen

leer ist." Dann nahm er (s) einen Kiesel und ließ ihn seinen Fuß hinabrollen,

und er erzählte weiter: "Und dann werden die Leute mit ihren

Geschäften fortfahren, doch keiner von ihnen wird zuverlässig sein, bis die

Zeit kommt, in der man sagt: 'In dem und dem Volk gibt es einen

zuverlässigen Menschen', bis man über einen Menschen sagt: Was für ein

starker, kluger und intelligenter Mensch er doch ist', und das, obwohl er

keine Spur an Glauben besitzt. Es gab eine Zeit, in der ich nicht darauf

acht gab, mit wem ich Geschäftsabschlüsse tätigte: Wenn er (zufällig)

Muslim war, war seine Religion Garantie genug, und wenn er ein Christ

oder Jude war, war seine Schutzbefohlenheit eine gute Garantie. Doch

heute mache ich kein Geschäft außer mit Soundso." (Al-Bukhari und

Muslim)

94

1. Buch der Gebote

Hadith 201: Hudhaifa (r) und Abu Huraira (r) berichten: Der Gesandte

Allahs (s) hat gesagt: "Allah, der Gesegnete und Erhabene, wird (am

Jüngsten Tag) die gesamte Menschheit versammeln, und die Gläubigen

werden aufstehen, und das Paradies wird ihnen nahe sein. Sie werden sich

zuerst Adam (as) nähern und ihn fragen: 'Oh unser Vater, bitte lass das

Paradies sich für uns öffnen.' Er wird antworten: 'Es ist der Fehler eures

Vaters, der eure Vertreibung aus dem Paradies bewirkte. Ich bin dafür

nicht zuständig. Geht zu meinem Sohn, Abraham, dem Freund Allahs.`

Dann werden sie zu Abraham (as) gehen, und der wird ihnen sagen: 'Ich

bin dafür nicht zuständig. Ich war nur ein weit entfernter Freund Allahs.

Geht zu Moses, mit dem Allah gesprochen hat.` Dann gehen sie zu Moses

(as) und er wird zu ihnen sagen: 'Ich bin dafür nicht zuständig. Geht zu

Jesus, dem Wort Allahs und Seinem Geist.' Und Jesus (as) wird auch

sagen: 'Ich bin dafür nicht zuständig.' Dann werden sie zu Muhammad (s)

kommen. Er wird aufstehen und dann wird ihm die Erlaubnis (Fürsprache

einzulegen) gegeben. Die Zuverlässigkeit und die Familienbande werden

geschickt und rechts und links von Sirat 92 stehen. Der erste von euch

wird so schnell wie der Blitz über die Brücke gehen."

Ich fragte: "Bei meinen Eltern, was soll das bedeuten?" Er sagte: "Hast du

nicht bemerkt, wie der Blitz niederfährt und verschwindet, so schnell wie

ein Augenzwinkern?" Und er erzählte weiter: "Dann werden die nächsten

gehen, so schnell wie der Wind, so flink wie die Vögel, und die

Geschwindigkeit ihres Darübergehens wird ihren Taten entsprechend sein.

Und euer Prophet wird an der Brücke stehen und Allah bitten: 'Oh mein

Herr, rette, rette (sie)!`, und wie die Taten der Leute weniger werden, so

wird sich ihre Geschwindigkeit verlangsamen, bis ein Mann kommt, der

dahinkriecht, da er unfähig ist, zu gehen. Und an beiden Seiten der Brücke

werden sich Haken befinden. Und diese Haken werden auf Allahs Befehl

jene halten, die Er zu halten befielt. Und der Eine wird nur gekratzt

werden und ist gerettet, und der Andere wird ins Höllenfeuer geworfen

werden."

Abu Huraira (r) sagte: Bei dem, in Dessen Händen die Seele Abu Hurairas

liegt, die Hölle besitzt eine Tiefe von siebzig Jahren. (Muslim)

Hadith 202: Es erzählte Abdullah ibn az-Zubair (r): Als (mein Vater) az-

Zubair in die Kamelschlacht93 zog, sandte er nach mir, und ich ging zu

92 Sirat ist die Brücke, über die alle am Tag des Gerichts gehen werden müssen.

93 Die Kamelschlacht fand im Jahre 656 n.Chr., also dem Jahr 25 nach der Hidschra, bei Basra

95

1. Buch der Gebote

ihm. Er sagte zu mir: "Oh mein Sohn, heute wird niemand getötet, außer

einem Unterdrücker oder einem Unterdrückten. Ich bin sicher, dass ich

heute als Unterdrückter getötet werde. Meine Schulden sind allerdings

meine größte Sorge. Glaubst du, es wird von meinen Besitz nach Zahlung

der Schulden noch etwas übrig bleiben?" Und dann sagte er: "Oh mein

Sohn, verkaufe unseren Besitz und bezahle meine Schulden. Sollte nach

der Tilgung meiner Schulden noch etwas übrig bleiben, so vermache ich

ein Drittel eines Drittels (d.h. ein Neuntel) davon deinen Kindern."

HiScham bemerkt dazu, dass einige Söhne Abdullahs im gleichen Alter wie

Khubaib und Abbad, den Söhnen von az-Zubair, waren und dass er zu

dieser Zeit neun Söhne und neun Töchter hatte.

Abdullah fuhr fort und sagte: Er unterrichtete mich weiter über seine

Nachlassverwaltung und dann sagte er: "Oh mein Sohn, wenn du auf

Schwierigkeiten in der Verwaltung meiner Schulden triffst, so nimm

Zuflucht zu meinem Herrn und erbitte Seine Hilfe." Bei Allah, ich verstand

nicht, was er meinte, bis ich fragte: "Oh Vater, wer ist dein Herr?" Er

sagte: "Allah!" Und bei Allah, immer wenn ich bei der Verwaltung seiner

Schulden auf Schwierigkeiten stieß, sprach ich: "Oh Herr von az-Zubair,

hebe seine Schuld auf." Und Er löschte sie aus.

Az-Zubair erlitt den Märtyrertod. Er hinterließ kein Bargeld, jedoch einige

Ländereien, eine davon in der Nähe von Medina, namens Al-Ghaba, elf

Häuser in Medina, zwei Häuser in Basra, eines in Kufa und eines in

Ägypten.

Abdullah erzählte weiter: Der Grund für die Schulden war, dass az-Zubair

(r) immer, wenn jemand zu ihm kam und ihn bat, etwas für ihn aufzubewahren,

sagte: "Nein, aber ich werde es ausleihen, denn ich fürchte, es

könnte verloren gehen." Er nahm niemals ein Ehrenamt an oder eine

Stellung als Steuereinnehmer. Er hatte den Vorzug, am Dschihad mit dem

Propheten (s), Abu Bakr (r), Umar (r) und Uthman (r) teilgenommen zu

haben.

Abdullah sagte: Ich machte eine Aufstellung seiner Schulden, und sie

beliefen sich auf zwei Millionen und zweihunderttausend. Hakim ibn

Hizam traf mich und fragte: "Oh mein Neffe, wie viele Schulden hat mein

Bruder hinterlassen?" Den wahren Schuldenstand verschweigend sagte ich:

"Hunderttausend." Hakim sagte: "Bei Allah, ich glaube nicht, dass der

Nachlass das alles abdecken wird." Ich sagte: "Und was würdest du

denken, wenn der Betrag zwei Millionen und zweihunderttausend

umfassen würde?" Er sagte: "Ich würde kaum glauben, dass das machbar

zwischen Ali und seinen Gegnern Talha, az-Zubair und Aischa statt.

96

1. Buch der Gebote

wäre. Solltest du nicht in der Lage sein, alles zu bezahlen, dann rufe mich

zu Hilfe." Az-Zubair (r) hatte das Land in Al-Ghaba für Hundertsiebzigtausend

gekauft. Abdullah verkaufte es für eine Million und Sechshunderttausend,

und danach verkündete er, dass, wer immer eine Forderung

gegenüber az-Zubair (r) habe, nach Al-Ghäba kommen solle. Abdullah ibn

Dscha'far kam zu ihm und sagte, dass az-Zubair ihm vierhunderttausend

schuldete, und dann sagte er zu Abdullah: "Wenn du wünscht, werde ich

es dir erlassen." Abdullah sagte: "Nein." Dann sagte Ibn Dscha'far: "Wenn

du willst, dann zahle mich zuletzt aus." Abdullah sagte: "Nein" Ibn

Dscha'far sagte dann: "Dann gebt mir ein Stück Land dafür." Und

Abdullah gab ihm ein entsprechendes Stück Land. Auf diese Weise

bezahlte Abdullah die Schulden seines Vaters, indem er seine Ländereien

verkaufte. Nach Zahlung der Schuld seines Vaters blieb noch ein Stück

Land mit viereinhalb Gehöften. Nun besuchte Abdullah Mu'awiya, der

gerade Amru ibn Uthman, al-Mundhir ibn az-Zubair und Ibn Zam'a bei sich

hatte. Mu’awiya fragte Abdullah (r), welchen Preis er für das Land in Al-

Ghäba angesetzt habe. Er antwortete: "Einhunderttausend für einen Hof."

Mu’awiya fragte nach, wie viel Land denn noch übrig sei. Abdullah sagte:

"Viereinhalb Gehöfte." Mundhir ibn az-Zubair sagte: "Ich nehme einen

Hof für einhunderttausend." Amru ibn Uthman sagte: "Ich würde auch

einen Hof für Hunderttausend nehmen." Ibn Zam'a sagte: "Ich würde auch

einen Hof für Einhunderttausend nehmen." Dann fragte Mu'awiya; "Wie

viel Land ist jetzt übrig?" Abdullah sagte: "Eineinhalb Gehöfte sind übrig."

Mu'awiya erwarb dieses Stück Land für einhundertfünfzigtausend. Später

verkaufte Abdullah ibn Dscha'far seinen Teil Land an Mu’awiya für

sechshunderttausend.

Als Abdullah ibn az-Zubair die Bezahlung der Schulden abgeschlossen

hatte, sprachen die Erben von az-Zubair (r) zu ihm: "Teile das Erbe unter

uns auf." Aber Abdullah ibn az-Zubair sagte: "Bei Allah, ich werde das

Erbe nicht aufteilen, bis ich auf vier aufeinanderfolgenden Pilgerfahrten

diejenigen aufgerufen habe, die gegen az-Zubair Ansprüche erheben." Und

so machte er diese Ankündigung während der folgenden vier Jahre, und

dann verteilte er das verbleibende Erbe unter den Erben von az-Zubair (r)

nach dessen Anweisungen. Az-Zubair hinterließ vier Frauen. Jede von

ihnen erhielt eine Million und Zweihunderttausend. So belief sich az-

Zubairs vollständiges Erbe auf fünfzig Millionen und Zweihunderttausend.

(Al-Bukhari)

97

1. Buch der Gebote

Kapitel 26

Verbot von Unrecht und Gebot zur Verhinderung von

Ungerechtigkeit

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Die Ungerechten haben dann keinen vertrauten Freund, und keinen

Fürsprecher, der angehört würde." (40:18)

"Und für die, die Unrecht tun, gibt es keinen Helfer." (22:71)

Unter den Hadithen zu diesem Thema ist Hadith Nr. 111.

Hadith 203: Dschabir (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Haltet euch fern von Unrecht, denn Unrecht verwandelt sich in Finsternis

am Tage des Gerichts. Haltet euch fern von Habsucht, denn die Habsucht

hat Völker vor euch zugrunde gerichtet, indem sie sich gegenseitig

umbrachten und die verbotenen Dinge für erlaubt erklärten." (Muslim)

Hadith 204: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Am Tage des Gerichts wird jedem sein Recht gegeben werden, bis hin zu

dem, was die gehörnte Ziege einer hornlosen Ziege angetan hat." (Muslim)

Hadith 205: Ibn Umar (r) berichtet: Als der Prophet (s) noch unter uns

lebte, diskutierten wir über die Abschiedspilgerfahrt, wobei wir nicht

wussten, was dies bedeutet, bis der Prophet (s) Allah dankte und lobpries,

und uns von dem Daddschal 94 ausführlich erzählte. Der Prophet sagte:

"Allah hat keinen Propheten gesandt, ohne ihn von dem Daddschal zu

benachrichtigen, damit er sein Volk vor ihm warnen konnte. So war es

bei dem Propheten Noah und ebenso bei allen Propheten, die nach

Noah kamen. Sollte er unter euch auftauchen, wird seine Gestalt euch

nicht verborgen bleiben. Es ist euch nicht verborgen, dass euer Herr nicht

einäugig ist, während das rechte Auge des einäugigen Daddschal aussieht

wie eine schwimmende Weintraube.95 Hütet euch, die Gebote Allahs zu

übertreten. Euer Leben und euer Besitz sollen heilig und unverletzlich sein,

ebenso wie die Heiligkeit des heutigen Tages, dieses

94 Al-Masih ad-Daddschal, siehe Anmerkung Nr. 60 auf Seite 55.

95 Wörtlich: auf einer Wasserfläche treibend.

98

1. Buch der Gebote

heiligen Monats an diesem heiligen Ort! Nun, habe ich euch nicht

(ausreichend) unterrichtet?" Die Gefährten sagten: "Gewiss!", da sagte er

dreimal: "Oh Allah! Sei mein Zeuge!" Dann rief er: "Wehe euch! Schaut

und denkt nach, dass ihr nicht, wenn ich nicht mehr unter euch bin,

abtrünnig werdet und euch gegenseitig vernichtet." (Al-Bukhari und zum

Teil von Muslim bestätigt)

Hadith 206: Es überliefert Aischa (r), dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Wer sich auch nur das kleinste Stück Land illegal aneignet, wird

dafür (von Allah) bestraft, indem er das Siebenfache davon um seinen

Hals gelegt bekommt." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 207: Abu Musa (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

gesagt hat: "Allah gibt (auch) dem Tyrannen eine Frist, aber wenn Er ihn

bestraft, lässt Er ihn nicht entkommen." Dann las er den Vers aus Sure

Hud. "Und wie dein Herr mit den (früheren) Städten verfahren ist,

ergreift Er auch (andere), wenn sie unrecht tun. Wahrlich, Seine

Bestrafung ist schmerzlich, streng." (11:102) (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 208: Es berichtet Mu'adh (r): Der Gesandte Allah (s) schickte

mich (als Verwalter in den Jemen) und sagte zu mir: "Du wirst (dort)

Leuten der Schrift96 begegnen, so belehre sie, dass es keinen Gott gibt

außer Allah und dass ich Sein Gesandter bin, damit sie dies bezeugen.

Wenn sie auf dich hören, dann erkläre ihnen, dass sie die vorgeschriebenen

fünf Gebete verrichten müssen, am Tag und in der Nacht. Wenn sie dir

gehorchen, dann setze sie darüber in Kenntnis, dass Allah ihnen eine

Abgabe als Pflicht auferlegt hat, die von den Reichen unter ihnen

entrichtet wird, um unter den Armen von ihnen verteilt zu werden.

Wenn sie dir darin gehorchen, dann nimm ihnen ja nie ihre wertvollsten

Besitztümer. Und fürchte die Klage des ungerecht behandelten Menschen,

denn es gibt zwischen ihr und Allah keine Trennwand." (Al-Bukhari und

Muslim)

96 Unter Leuten der Schrift (Arabisch: Ahl-ul-Kitab) versteht man die Angehörigen anderer

Schriftreligionen, also Juden und Christen.

99

1. Buch der Gebote

Hadith 209: Abu Humaid Abdur-Rahman ibn Sa'd as-Sa'idi (r) erzählte:

Der Prophet (s) ernannte einen Mann aus dem Azd-Stamm namens Ibn

al-Lutbiya als Abgabenverwalter. Als dieser (nach Medina) zurückkehrte,

sagte er: "Dies ist für euch, und jenes ist mir (persönlich) geschenkt

worden." Als der Prophet (s) dies hörte, bestieg er das Mimbar und hielt

eine Ansprache, indem er zuerst Allah lobpries und rühmte und dann sagte:

"Wenn ich einen von euch als Verwalter einer Sache, die Allah mir

auferlegt hat, einsetze, wie kann jener (Beauftragte) dann behaupten: Dies

ist für euch, und jenes ist mir (persönlich) geschenkt worden. Wäre er

doch im Hause seiner Eltern geblieben, bis seine Geschenke zu ihm

kommen, wenn er die Wahrheit sagt!! Bei Allah, wenn jemand von euch

etwas nimmt, ohne das Recht dazu zu haben, wird er Allah am Tage des

Gerichts gegenüberstehen mit der Last des Erbeuteten. Ich möchte

niemanden kennen, der Allah belastet gegenübersteht, indem er ein

grunzendes Kamel, eine muhende Kuh oder eine meckernde Ziege trägt."

Dann hob er seinen Arm hoch, dass man das Weiße seiner Achselhöhlen

sehen konnte, und sagte: "Oh Allah! Habe ich (Deinen Befehl)

ausgeführt?" (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 210: Es überliefert Abu Huraira (r), dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Wenn jemand einem anderen gegenüber ein Recht besitzt, soll er es

heute (im Diesseits) fordern, bevor die Zeit kommt, in der er mittellos sein

wird. Denn wenn er Gutes getan hat, wird dann sein Unrecht von seinen

guten Taten abgezogen, und wenn er nichts Gutes getan hat, werden

schlechte Taten des Anderen zu seinen Taten hinzugezählt werden." (Al-

Bukhari)

Hadith 211: Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) überliefert, dass der Prophet

(s) sagte: "Muslim ist derjenige, der keinen Muslim verletzt, weder mit

seiner Zunge noch mit seiner Hand, und Muhadschir" ist derjenige, der

sich von dem, was Allah verboten hat, fernhält." (Al-Bukhari und Muslim)

97 Siehe Anmerkung Nr. 32 auf Seite 22.

100

1. Buch der Gebote

Hadith 212: Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) erzählte: Als Karkara, ein

Mann, der dem Propheten (s) persönlich zu Diensten stand, starb, sagte

der Prophet (s) über ihn: "Er ist im Höllenfeuer!" Die Gefährten gingen der

Sache nach, und fanden in seinem Haus einen Umhang, den er sich zu

Unrecht angeeignet hatte.0 (Al-Bukhari)

Hadith 213: Abu Bakra Nufai` ibn al-Harith (r) überliefert, dass der

Prophet (s) sagte: "Die Zeit verrinnt auf."dieselbe Weise, wie es war, als

Allah das Universum gestaltete. Ein Jahr umfasst zwölf Monate, von denen

vier heilig sind: Drei folgen aufeinander: Dhul-Qa'da, Dhül-Hiddscha und

Muharram, und Radschab Mudar98, der zwischen Dschumada und

Schaban liegt." Er (s) fragt dann: "Welcher Monat ist jetzt?" Wir

antworteten: "Allah und Sein Gesandter wissen es besser." Als er das

hörte, schwieg er eine Weile, bis wir dachten er werde diesem Monat einen

neuen Namen geben. Dann sagte er: "Ist es nicht Dhül-Hiddscha?" Wir

sagten: "Ja, so ist es!" Darauf fragte er: "Was ist der Name dieser Stadt?"

Wir sagten: "Allah und Sein Prophet wissen es besser." Er schwieg eine

Weile, bis wir dachten, er werde ihr einen neuen Namen geben. Dann sagte

er: "Ist es nicht die (heilige) Stadt?" Wir sagten: "Ja, gewiss." Dann fragte

er: "Welchen Tag haben wir heute?" Wir sagten: "Allah und Sein

Gesandter wissen es besser." Er schwieg eine Weile, bis wir dachten, er

werde ihm einen neuen Namen geben. Er sprach. "Ist es nicht der Tag des

Schlachtens?" Wir sagten: "Ja, gewiss." Dann sagte er: "Euer Blut, euer

Besitz und eure Ehre sind einander heilig, so heilig wie dieser Tag, diese

Stadt und dieser Monat. Und ihr werdet euren Herrn treffen, und Er wird

euch nach euren Taten befragen. Werdet daher nicht zu Ungläubigen,

wenn ich nicht mehr bin, indem ihr einander tötet. Lasst alle, die hier

anwesend sind, diese Botschaft denen bringen, die abwesend sind. Es ist ja

nicht ausgeschlossen, dass manche der Nichtanwesenden, die diese

Mitteilung indirekt erhalten, aufmerksamer sind als hier Anwesende, die sie

direkt gehört haben." Darm sprach er: "Habe ich nicht (die Anweisung

Allahs) deutlich übermittelt? Habe ich nicht (die Anweisung Allahs)

deutlich übermittelt?" Wir sagten: "Doch!" Da sagte er: "Oh Allah! Sei

(mein) Zeuge!" (Al-Bukhari und Muslim)

98 Der Monat Radschab wurde Radschab Mudar genannt, da der Mudar-Stamm diesen Monat

besonders achtete.

101

1. Buch der Gebote

Hadith 214: Abu Umama Iyas ibn Tha'laba al-Harithi (r) überliefert, dass

der Gesandte Allahs (s) sagte: "Demjenigen, der einem Muslim sein Recht

genommen hat, hat Allah das Höllenfeuer bestimmt und das Paradies

verwehrt." Ein Anwesender fragte: "Oh Gesandter Allahs! Gilt dies auch

für Kleinigkeiten?" Er sagte: "Auch wenn es nur das Stöckchen eines

Busches" wäre." (Muslim)

Hadith 215: Es berichtet Adi ibn Amira (r), dass er den Gesandten Allahs

(s) sagen hörte: "Wenn wir einem von euch eine Aufgabe übertragen, und

dieser eine Nadel oder etwas noch Geringeres vor uns verbirgt, so läuft

dies auf Unterschlagung hinaus; und der Mensch wird am Tage des

Gerichts ein solches Ding herstellen müssen." Hierbei stand ein

dunkelhäutiger Ansar, an den ich mich erinnere, als sähe ich ihn jetzt vor

mir, auf und sagte: "Oh Gesandter Allahs, erleichtere mir die Aufgabe, die

mir gegeben wurde." Der Prophet (s) fragte den Mann: "Was meinst du?"

Der Mann sagte: "Ich habe dich gerade dieses und jenes sagen hören." Da

sagte er (s): "Ich sage nochmals, wenn wir einem von euch eine Aufgabe

übertragen, dann muss er für seine Arbeit voll Rechenschaft ablegen, im

Großen wie im Kleinen. Was ihm erlaubt worden ist, mag er behalten, und

was ihm verboten ist, soll er meiden." (Muslim)

Hadith 216: Umar ibn al-Khattab (r) erzählte. Während der Schlacht von

Khaibar kamen einige Gefährten des Propheten (s) und sagten: "Der und

der ist Märtyrer geworden und der und der ist Märtyrer geworden...", bis

sie zu einem kamen, und als sie sagten: "Der und der ist Märtyrer

geworden", sagte der Prophet (s): "Gewiss habe ihn im Höllenfeuer

gesehen, wegen eines Umhangs, den er unterschlagen hat." (Muslim)

Hadith 217: Es erzählte Abu Qatada al-Harith ibn Rib'i (r), dass der

Gesandte Allahs (s) in einer Ansprache sagte, dass der Dschihad auf dem

Wege Allahs, und der Glaube an Allah die höchsten Arten von Tugend

seien. Aus den Reihen der Zuhörer stand ein Mann auf und sagte: "Oh

99 Das heißt: ein Miswak-Hölzchen, siehe Anmerkung Nr. 120 auf Seite 157.

102

1. Buch der Gebote

Gesandter Allahs: Meinst du, dass meine ganzen Sünden gesühnt werden,

wenn ich im Kampf um Allahs willen getötet werden sollte?" Er

antwortete: "Ja, wenn du getötet werden solltest um Allahs willen, wobei

du gewissenhaft vorwärts marschierst, entschlossen kämpfst und die

Belohnung Allahs (allein) erwartest, ohne zu fliehen." Dann fragte der

Gesandte Allahs (s): "Was hattest du gemeint?" Der Mann sagte erneut:

"Meinst du, dass meine ganzen Sünden gesühnt werden, wenn ich im

Kampf um Allahs willen getötet werden sollte?" Er antwortete: "Ja, wenn

du getötet werden solltest um Allahs willen, wobei du gewissenhaft

vorwärts marschierst, entschlossen kämpfst, und die Belohnung Allahs

(allein) erwartest, ohne zu fliehen. Außer wenn du Schulden hast. Hiervon

hat mich (der Engel) Gabriel in Kenntnis gesetzt." (Muslim)

Hadith 218: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

seine Gefährten einst fragte: "Wisst ihr, wer wirklich völlig mittellos ist?"

Sie antworteten: "Völlig mittellos ist derjenige, der weder Geld noch

Besitz hat." Daraufhin sagte er: "Der Ärmste in meiner Gemeinschaft ist

derjenige, der am Tage des Gerichts mit einer guten Anzahl von Gebeten

und Fasten und Zakat erscheinen wird, doch hat er auch jemanden

misshandelt, jemanden verunglimpft, die Waren einer anderen Person

unterschlagen, jemanden getötet oder eine andere Person geschlagen.

Dann wird dem Einen ein Teil seiner guten Taten gegeben, und dem

Anderen ein Teil seiner guten Taten gegeben. Und wenn seine guten Taten

vergeben sind, bevor er Rechenschaft abgelegt hat, dann werden Sünden

der anderen (ungerecht Behandelten) auf ihn übertragen, und er wird ins

Höllenfeuer geworfen werden." (Muslim)

Hadith 219: Es überliefert Umm Salama (r), dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Ich bin nur ein Mensch. Eure Streitereien kommen zur

Entscheidung zu mir. Es ist gut möglich, dass einer von euch besser

argumentieren kann als der andere und ich den Fall zu seinen Gunsten

entscheide. Doch wenn ich zu Gunsten einer Person entscheide, die nicht

im Recht ist, spreche ich ihr nur ein Stück vom Höllenfeuer zu." (Al-

Bukhari und Muslim)

103

1. Buch der Gebote

Hadith 220: Ibn Umar (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Ein Gläubiger befindet sich im Rahmen seiner Religion, solange er kein

verbotenes Blut100 vergossen hat." (Al-Bukhari)

Hadith 221: Khaula bint Amir al-Ansariya, die Witwe des Märtyrers

Hamza (r) berichtet: Ich hörte den Gesandten Allahs (s) sagen:

"Diejenigen, die die Gelder Allahs101 zu Unrecht ausgeben, sind am Tage

des Gerichts für das Höllenfeuer bestimmt." (Al-Bukhari)

Kapitel 27

Achtung der Unverletzlichkeit und Erklärung der Rechte der

Muslime, sowie Mitgefühl und Barmherzigkeit mit ihnen

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Wer immer die geheiligten Riten Allahs in Ehren hält, so ist es gut für ihn

bei seinem Herrn." (22:30)

"Und wer die heiligen Stätten und Riten Allahs in Ehren hält, so ist dies ein

Zeichen von Frömmigkeit des Herzens." (22:32),

"So richte niemals deine Augen begehrlich auf das, was Wir einen Teil von

ihnen genießen lassen, und sei nicht traurig ihretwegen, und senke deinen

Fittich (in Barmherzigkeit) auf die Gläubigen." (15:88)

"Wer einen Menschen tötet - es sei.denn als Sühne für einen Mord oder

um Unheilstiften auf Erden zu verhindern -, dann ist es, als ob er die

gesamte Menschheit getötet habe. Und wer einen Menschen am Leben

erhält, dann ist es, als ob er die gesamte Menschheit am Leben erhalten

hätte." (5:32)

Hadith 222: Abu Musa (al-Asch'ari) (r) überliefert, dass der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Der wahre Gläubige steht dem anderen Gläubigen bei,

als wären sie ein fest gefugter Bau: jeder Teil hält und verstärkt den

anderen." Um dies zu verdeutlichen verschlang der Prophet (s) die Finger

einer Hand mit denen der anderen. (Al-Bukhari und Muslim)

100 Das heißt: solange er niemanden unrechtmäßig getötet hat.

101 Das heißt: die Gelder der islamischen Gemeinde.

104

1. Buch der Gebote

Hadith 223: Abu Musa (r) überliefert auch, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Wenn irgendjemand unsere Moscheen oder Märkte besucht und

dabei einen Pfeil oder Speer mit sich trägt, sollte er das spitze Ende davon

mit seiner Hand bedecken, damit es keinen Muslim verletzen kann." (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 224: An-Nu'man ibn Baschir (r) berichtet, dass der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Das Gleichnis der Gläubigen in ihrer gegenseitigen

Freundschaft und Barmherzigkeit sowie ihrem Mitgefühl füreinander ist

wie der Körper eines Menschen: Wenn ein Glied leidet, so leidet der ganze

Körper an Schlaflosigkeit und Fieber." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 225: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) (seinen

Enkel) al-Hasan ibn Ali (r) in Anwesenheit des al-Aqra1 ibn Habis küsste.

Daraufhin kommentierte al-Aqra`: "Ich habe zehn Söhne, und nie habe ich

einen von ihnen geküsst." Der Gesandte Allahs (s) sah ihn an und sagte:

"Wer kein Erbarmen (mit anderen) hat, der hat keinen Anspruch auf

Erbarmen." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 226: Aischa (r) berichtet: Einige Araber vorn Lande besuchten den

Gesandten Allahs (s) und fragten ihn: "Küsst ihr eure Söhne0" Er sagte:

"Ja!" Da sagten sie: "Bei Allah, wir küssen unsere nie!" Daraufhin sagte er:

"Wie kann ich euch helfen, wenn Allah aus euren Herzen die Barmherzigkeit

entfernt hat?" (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 227: Es überliefert Dscharir ibn Abdullah (r), dass der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Allah hat kein Erbarmen mit jemandem, der sich anderer

nicht erbarmt." (Al-Bukhari und Muslim)

105

1. Buch der Gebote

Hadith 228: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Wenn jemand von euch die Gelegenheit hat, die Menschen im Gebet

anzurühren, sollte er dieses kurz fassen, denn unter denen, die hinter ihm

beten, könnten solche sein, die schwach, krank oder alt sind. Wenn du

jedoch allein betest, kannst du so lange (Suren) rezitieren, wie du magst."

(Al-Bukhari und Muslim)

Nach einer anderen Version könnten unter ihnen auch solche sein, die noch

ihr Geschäft erledigen müssen.102

Hadith 229: Aischa (r) erzählte: "Der Gesandte Allahs (s) unterließ einige

Tätigkeiten, die er gerne verrichtet hätte, nur aus Furcht, dass seine

Gefolgsleute damit beginnen würden, das Gleiche zu tun, und dass es für

sie verpflichtend werden könnte." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 230: Aischa (r) berichtet auch, dass der Gesandte Allahs (s) aus

Barmherzigkeit seinen Gefährten verbot, zwei Tage hintereinander zu

fasten, ohne dazwischen etwas zu essen oder zu trinken. Da sagten sie zu

ihm: "Aber du fastest ständig auf diese Weise." Er sagte: "Ich bin nicht wie

ihr. Mein Herr verleiht mir die Kraft von einem, der nachts mit Speise und

Trank versorgt wird." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 231: Abu Qatada al-Harith ibn Rib'i (r) überliefert, dass der

Prophet (s) sagte: "Es kommt vor, dass ich beabsichtige, ein langes Gebet

zu verrichten, und während des Gebets höre ich das Weinen eines Babys.

Dann kürze ich mein Gebet ab, damit seine Mutter nicht leiden muss." (Al-

Bukhari)

Hadith 232: Es überliefert Dschundub ibn Abdullah, dass der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Wer das Frühgebet verrichtet, begibt sich unter den

102 Siehe auch Hadith Nr. 649.

106

1. Buch der Gebote

Schutz Allahs. Du sollst dich darum so verhalten, dass Allah dich nicht

aufrufen muss, Rechenschaft abzulegen. Wenn Allah jemanden aufruft,

Rechenschaft abzulegen, und er wird für mangelhaft befunden, dann wird

er ins Höllenfeuer geschickt werden." (Muslim)

Hadith 233: Ibn Umar (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Ein Muslim ist der Bruder jedes Muslims: Er soll ihn nicht unterdrücken

und ihn nicht seinem Feind ausliefern. Wer seinem Bruder hilft, dem wird

Allah helfen. Und wer einem Muslim bei der Beseitigung seiner Sorgen

hilft, dem wird Allah bei seinen Sorgen am Tage des Gericht helfen.

Ebenso wird Allah demjenigen, der die Schwächen eines anderen Muslims

verdeckt, am Tag des Gerichts seine Fehler verbergen." (Al-Bukhari und

Muslim)

Hadith 234: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Ein Muslim ist der Bruder des anderen Muslims. Weder betrügt er

ihn, noch belügt er ihn, und er lässt ihn nicht im Stich. Alles was einem

Muslim gehört, seine Ehre, sein Besitz und sein Blut, ist für einen anderen

Muslim verboten (haram). Die Gottesfurcht ist hier. Es soll niemand einen

anderen Muslim verächtlich ansehen." (At-Tirmidhi) Dies ist ein guter

Hadith (hasan).

Hadith 235: Abu Huraira (r) überliefert auch, dass der Gesandte Allahs

(s) sagte: "Seid nicht neidisch aufeinander und überbietet (einander beim

Handel) nicht! Hasst nicht einander! Wendet euch nicht von einander ab!

Unterbietet einander nicht (beim Kauf), sondern seid im Dienste Allahs

Brüder! Ein Muslim ist der Bruder jedes Muslims: Er fügt ihm kein

Unrecht zu, er verachtet ihn nicht und er lässt ihn nicht im Stich. Die

Gottesfurcht (Taqwa) ist hier (im Herzen)." Dabei zeigte er dreimal auf

seine Brust. "Es ist schlimm genug, wenn jemand seinen muslimischen

Bruder verächtlich behandelt. Blut, Besitz und Ehre eines jeden Muslims

sind für einen anderen Muslim verboten (haram)" (Muslim)

107

1. Buch der Gebote

Hadith 236: Es überliefert Anas (r), dass der Gesandte .Allahs (s) sagte:

"Keiner von euch ist gläubig, bis er für seinen Bruder wünscht, was er für

sich selbst wünscht." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 237: Anas (r) überliefert auch, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Hilf deinem Bruder, gleich ob er ein Unterdrücker ist oder unterdrückt

wird." Darauf fragte ein Mann: "Oh Gesandter Allahs! Ich sehe ein, ihm zu

helfen, wenn er unterdrückt wird; doch bitte sag mir, wie kann ich ihm

denn helfen, wenn er ein Unterdrücker ist?" Er antwortete: "Hindere ihn,

Unrecht zu tun. Denn ihn daran zu hindern, ist eine Hilfe für ihn." (Al-

Bukhari)

Hadith 238: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Ein Muslim hat einem anderen Muslim gegenüber fünf Pflichten,

das sind:

1) Die Erwiderung seines Grußes,

2) ihn zu besuchen, wenn er krank ist,

3) seinen Begräbniszug zu begleiten,

4) seine Einladung anzunehmen und

5) beim Niesen, wenn er 'Alhamdu lillah sagt, sollst du mit 'Yarhamuk

Allah' 103 antworten."

(Al-Bukhari und Muslim)

Nach einer anderen Version bei Muslim hat man als Muslim einem anderen

Muslim gegenüber sechs Pflichten: Man fragte ihn (s): "Was sind sie, oh

Gesandter Allahs?" Er sagte:

1) "Wenn du ihn triffst, grüße ihn (indem du As-salamu alaikum 104 sagst).

2) Wenn er dich einlädt, sollst du seine Einladung annehmen.

3) Wenn er dich um Rat bittet, rate ihm aufrichtig.

4) Wenn er niest und Allah (mit den Worten Alhamdu lillah) lobt, dann

antworte ihm (mit den Worten 'Yarhamuk Allah').

5) Wenn er krank ist, sollst du ihn besuchen, und

6) wenn er gestorben ist, folge ihm (seinem Begräbniszug).

103 Auf Deutsch bedeutet dies: "Allah habe Erbarmen mit dir!"

104 Auf Deutsch bedeutet dies: "Friede sei mit euch!"

108

1. Buch der Gebote

Hadith 239: Abu Umara al-Bara` ibn azib (r) sagte: Der Gesandte Allahs

(s) hat uns sieben Dinge zur Pflichten gemacht105 und sieben Dinge verboten:

Er schrieb uns vor:

1) Die Kranken zu besuchen,

2) einem Begräbniszug zu folgen, 3) jemandem, der niest, (mit den Worten "Yarhamuk Allah") Allahs

Erbarmen zu wünschen,

4) Gelübde zu erfüllen,

5) den Unterdrückten zu helfen,

6) eine Einladung anzunehmen, und

7) den Friedensgruß zu verbreiten.

Er verbot uns:

1) Goldene Ringe zu tragen,

2) aus silbernen Bechern zu trinken,

3) auf rohseiden gepolsterten Sätteln zu sitzen106,

4) seidene,

5) halbseidene,

6) aus Brokat oder

7) aus Seidenbrokat gefertigte Kleidung zu tragen.

In einer anderen Version steht unter den sieben Geboten auch die Mithilfe

bei der Suche nach Verlorenem. (Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 28

Bedecken der Schwächen der Muslime und Verbot ihrer Verbreitung

ohne zwingenden Grund

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Wahrlich, diejenigen, die darauf bedacht sind, dass Schandtaten sich verbreiten

unter jenen, die gläubig sind, denen wird schmerzliche Strafe in

Diesseits und im Jenseits zuteil. Und Allah weiß, doch ihr wisst nicht!"

(24:19)

Hadith 240: Abu Huraira (r) erzählt, dass der Prophet (s) sagte: "Jedem,

der die Mängel eines anderen in dieser Welt verdeckt, werden von Allah

am Tage des Gerichts seine Mängel verdeckt werden." (Muslim)

105 Vergl. Hadith Nr. 847.

106 Vergl. Hadith Nr. 811.

109

1. Buch der Gebote

Hadith 241: Abu Huraira (r) erzählt, dass er den Propheten (s) sagen

hörte: "Jedem meiner Gefolgsleute wird vergeben werden, außer denen,

die in der Öffentlichkeit Fehler anderer Leute verbreiten. In der Öffentlichkeit

verbreiten bedeutet, dass jemand, nachdem er im Schutze der Dunkelheit

etwas tat, und Allah dieses Fehlverhalten verbarg, am nächsten Tag

dem Soundso erzählt, dass er das und das gemacht hat. So wird er die

Schutzdecke Allahs lüften." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 242: Abu Huraira (r) überliefert auch, dass der Gesandte Allahs

(s) sagte: "Wenn eine Sklavin des Ehebruchs für schuldig befunden wurde,

soll sie bestraft, aber nicht ausgescholten werden. Wenn sie ihn ein zweites

Mal begeht, soll ihr die gleiche Strafe zuteil werden, doch wenn sie ein

drittes Mal fehl geht, soll sie verkauft werden, und wenn es für ein Seil aus

Haaren (d.h. für den geringsten Preis) wäre." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 243: Abu Huraira (r) berichtet: Ein Trunkenbold wurde vor den

Propheten (s) gebracht, und der befahl: "Schlagt ihn!" Abu Huraira erzählt:

Einige von uns begannen ihn mit ihren Händen zu schlagen, einige mit

Schuhen und andere mit Kleidungsstücken. Als er davonlief, sagte einer

von uns: "Möge Allah dich erniedrigen!" Der Prophet (s) sagte: "Sagt so

etwas nicht, helft nicht dem Satan gegen ihn." (Al-Bukhari)

Kapitel 29

Erledigung der Angelegenheiten der Muslime

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Oh die ihr glaubt! Verneigt euch und werft euch nieder und dient eurem

Herrn und tut Gutes, auf dass ihr erfolgreich seid!" (22:77)

Hadith 244 ist eine Wiederholung von Hadith Nr. 233.

110

1. Buch der Gebote

Hadith 245: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Wer einem Gläubigen eine Sorge von den Sorgen dieser Welt

nimmt, dem wird Allah eine Sorge von den Sorgen des Tages des Gerichts

nehmen. Und wer einem Menschen in Bedrängnis Erleichterung verschafft,

dem wird Allah in dieser Welt und im Jenseits Erleichterung verschaffen.

Und wer einen Muslim schützt, den wird Allah schützen, im Diesseits und

im Jenseits. Allah steht Seinem Diener bei, solange Sein Diener seinem

Bruders beisteht. Kein Volk versammelt sich in einem der Häuser Allahs,

um den Qur’an vorzutragen und ihn miteinander zu studieren, ohne dass

innere Ruhe auf sie herab kommt, Barmherzigkeit sie umhüllt, die Engel

sie umgeben, und Allah sie denen gegenüber erwähnt, die bei Ihm sind.

Wer durch seine Taten (auf dem Weg zum Paradies) behindert ist, der

wird durch seine Herkunft nicht befördert." (Muslim)

Kapitel 30

Fürsprache

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Wer Fürsprache einlegt für eine gute Sache, dem steht ein Anteil daran

zu..." (4:85)

Hadith 246: Abu Musa al-Asch'ari (r) berichtet: Immer wenn jemand mit

einer Bitte zum Propheten (s) kam, ging er zu den Anwesenden und sagte:

"Bittet für ihn, ihr werdet euren Lohn (von Allah) erhalten, und Allah lässt

Seinen Propheten sagen, was Er will." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 247: Nach Ibn Abbas (r) sagte der Prophet (s) in der Geschichte

von Barira und ihrem Gatten zu ihr: "Es wäre besser, du würdest zu ihm

zurückgehen." Sie sagte: "Oh Gesandter Allahs, ist das ein Befehl?" Er

111

1. Buch der Gebote

entgegnete: "Ich empfehle nur." Sie sagte: "Ich habe kein Interesse an

ihm."

(Al-Bukhari)

Kapitel 31

Frieden stiften unter den Menschen

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Nichts Gutes ist in vielen ihrer geheimen Besprechungen, es sei denn,

jemand ruft zur Mildtätigkeit auf oder zur Güte oder zur Versöhnung

unter den Menschen..." (4:114)

"... denn die Versöhnung ist vorzuziehen..." (4:128)

"So fürchtet Allah und verfahrt friedlich miteinander..." (8:1)

""Die Gläubigen sind doch Brüder, darum stiftet Frieden zwischen euren

(zerstrittenen) Brüdern." (49:10)

Hadith 248 ist eine Wiederholung von Hadith Nr. 122.

Hadith 249: Umm Kulthum bint Uqba ibn Abi Mu'ait (r) überliefert, dass

sie den Gesandten Allahs (s) sagen hörte: "Der ist kein Lügner, der

Frieden unter den Menschen schafft und Gutes erlangen will, wobei er

etwas Gutes sagt, in dessen Unwahrheit Gutes steckt." (Al-Bukhari und

Muslim)

Eine andere Version Muslims fügt hinzu: Ich habe nie gehört, dass er so

etwas zuließ, außer in drei Situationen: im Krieg, beim Friedenschließen

zwischen Streitenden und beim Berichten des Ehemannes über seine

Ehefrau oder der Ehefrau über ihren Ehemann.

112

1. Buch der Gebote

Hadith 250: Aischa (r) erzählte, dass der Gesandte Allahs (s) hörte, wie

zwei Männer vor seiner Tür mit lauter Stimme stritten. Einer von ihnen bat

den anderen, den Betrag seiner Schulden bei ihm herabzusetzen oder sie

ihm zu stunden. Der andere sagte: "Bei Allah, ich werde das nicht tun."

Der Prophet (s) ging hinaus zu ihnen und fragte: "Wer von euch ist

derjenige, der bei Allah schwor, dass er nicht gut handeln werde?" Der

Mann sagte: "Ich bin es, oh Gesandter Allahs, und er kann haben, was er

will." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 251: Abul-Abbas Sahl ibn Sa'd as-Sa'idi (r) erzählte, dass der

Gesandte Allahs (s) erfuhr, dass in der Familie von Amru ibn Auf ein Streit

ausgebrochen war. Er ging mit einigen seiner Gefährten dorthin, um sie zu

versöhnen. Nach Schlichtung ihres Streites musste er dort bleiben und ihre

Gastfreundschaft in Anspruch nehmen. Unterdessen nahte die Zeit zum

Gebet, und Bilal (r) trat zu Abu Bakr (r) und sagte zu ihm: "Oh Abu Bakr,

der Gesandte Allahs (s) wurde aufgehalten, und es ist (nun) Zeit zum

Gebet. Wirst du das Gebet leiten?" Er sagte: "Ja, wenn du es wünschst."

Bilal rief zum Gebet und Abu Bakr ging vor und sagte den Takbir107, und

die Leute folgten ihm. Da kam der Prophet (s), ging durch die Reihen und

reihte sich ein. Daraufhin begannen die Betenden zu klatschen (um Abu

Bakr anzuzeigen, dass der Prophet gekommen sei). Abu Bakr (r) drehte

sich nie während des Gebets um, und so achtete er nicht auf das Klatschen.

Als das Klatschen jedoch zunahm, drehte er sich um und bemerkte den

Gesandten Allahs (s), der ihm jedoch ein Zeichen gab, an seinem Platz zu

bleiben und das Gebet weiter zu leiten. Abu Bakr (r) jedoch hob seine

Hände, pries Allah und zog sich zurück, um seinen Platz in der Reihe

einzunehmen. Der Gesandte Allahs (s) ging sodann nach vorne, um das

Gebet zu leiten. Nach seiner Beendigung stellte er sich vor die Leute und

sagte: "Oh ihr Leute, warum fangt ihr an zu klatschen, wenn während des

107 Takbir nennt man das Aussprechen der Worte Allahu akbar. Mit diesen Worten beginnt das

Gebet.

113

1. Buch der Gebote

Gebets etwas geschieht? Das klatschen ist (nur) für die Frauen. Wenn

jemand während des Gebets etwas bemerkt, soll er Subhan Allah sagen.

Jeder, der ihn Subhan Allah sagen hört, wird sich umdrehen. Oh Abu

Bakr, was hinderte dich, das Gebet weiter zu leiten, nachdem ich dir ein

Zeichen dazu gegeben hatte?" Er sagte: "Dem Sohn von Abu Quhafa (d.i.

Abu Bakr) ziemt es sich nicht, in Gegenwart des Gesandten Allahs (s) das

Gebet zu leiten." (Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 32

Vorzug der Schwachen unter den Muslimen und der Unbedeutenden

von den Armen

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und fasse dich in Geduld mit denen, die ihren Herrn morgens und abends

anrufen im Trachten nach Seinem Angesicht, und wende deine Augen

nicht von ihnen ab, um nach irdischen Verlockungen zu trachten."

(18:28).

Hadith 252: Es überliefert Haritha ibn Wahb (r), dass er den Gesandten

Allahs (s) sagen hörte: "Soll ich euch erzählen, wer die Bewohner des

Paradieses sind? Es ist jeder, der als schwach und geringschätzig

betrachtet wird und der, wenn er einen Eid unter Berufung auf Allah

leistet, ihn dann auch erfüllt. Jetzt werde ich euch erzählen, wer die

Personen sind, die für die Hölle bestimmt sind: Es ist derjenige, der

unwissend, unverSchamt, stolz und arrogant ist." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 253: Abul-Abbas Sahl ibn Sa'd as-Sa'idi (r) erzählte folgendes:

Einst saßen wir bei dem Propheten (s), als ein Mann an uns vorbeiging.

Der Prophet (s) fragte einen von uns: "Was denkst du von diesem Mann?"

Er antwortete: "Ich denke, er ist ein edler Herr. Bei Allah, er kann erfolgreich

um die Hand jeder Frau bitten, ohne dass man ihn zurückweist, und

114

1. Buch der Gebote

für jeden erfolgreich Fürsprache einlegen." Der Gesandte Allahs (s)

schwieg. Danach kam ein anderer vorbei, und der Gesandte Allahs (s)

fragte jenen Mann wieder: "Und was denkst du über diesen?" Er

antwortete: "Oh Gesandter Allahs! Das ist irgendein armer Muslim! Bei

Allah, man wird ihn ablehnen, wenn er um die Hand einer Braut bitten

sollte, und ihn zurückweisen, wenn er für jemanden sprechen sollte, und

kein Mensch würde ihm zuhören." Daraufhin sprach der Gesandte Allahs

(s): "Dieser (arme Muslim) ist (in der Waagschale Gottes) besser als alle

Bewohner der Erde des anderen Typs." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 254: Abu Said al-Khudri (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte:

"Der Paradiesgarten und das Höllenfeuer stritten sich um den Vorrang (bei

Gott). Da sagte das Höllenfeuer: "In mir sind die Tyrannen und die

ungerechten Hochmütigen", und der Paradiesgarten erwiderte: "Und in mir

leben die Armen und die zu Unrecht verurteilten." Da fällte Allah Sein

Urteil (unter ihnen) und sprach: "Du bist der Paradiesgarten, Meine

Barmherzigkeit; durch dich erweise Ich Meine Gnade wem Ich will. Und

du bist das Höllenfeuer, Meine Strafe; mit dir strafe Ich, wen Ich will; und

es obliegt Mir euch beiden gegenüber, euch randvoll zu machen." (Muslim)

Hadith 255: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Am Tag des Gerichts wird ein großer, fetter Mann vor Allah

stehen, doch wird er (in der Waagschale Gottes) nicht einmal so viel wie

der Flügel einer Mücke wiegen." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 256: Abu Huraira (r) berichtet, dass eine schwarze Frau oder ein

Junge für die Abfallbeseitigung in der Moschee sorgte. Eines Tages

vermisste ihn oder sie der Prophet (s) und er fragte nach ihm oder ihr. Man

sagte zu ihm, er oder sie sei gestorben. Er sagte: "Warum hat man mir

nicht Bescheid gesagt?" Als die Anwesenden staunten, da sie diese Person

gering schätzten, sagte er: "Nun zeigt mir das Grab der oder des

Verstorbenen!" Als man ihm das Grab zeigte, sprach er: "Diese Gräber

115

1. Buch der Gebote

sind voll Dunkelheit für ihre Insassen, und Allah erleuchtet sie für ihre

Bewohner durch meine Gebete für sie." (Al-Bukhari und Muslim)"

Hadith 257: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Manche Diener Allahs, mit wirrem Haar, staubig (von der Reise)

und (an der Türe) nicht willkommen, werden von Ihm erhört und ihre

Bitten mit Gewissheit erfüllt." (Muslim)

Hadith 258: Usama (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Als ich (in

der Mi'radsch-Nacht)108 an der Pforte des Paradieses stand, beobachtete

ich, dass die meisten von denen, die eintraten, arme Leute waren. Den

reichen Leuten war der Eintritt verwehrt worden. Danach wurden die

Leute, die zum Höllenfeuer verdammt waren, dorthin befohlen, und ich

bemerkte, dass die Mehrheit von ihnen Frauen waren." (Al-Bukhari und

Muslim)

Hadith 259: Es erzählte Abu Huraira (r), dass der Prophet (s) berichtete:

Man sagt, Nur drei Personen sprachen in der Wiege: Jesus, der Sohn der

Maria109, und das Dschuraidsch zugeschobene Neugeborene: Dschuraidsch

war ein (jüdischer) Einsiedler, der sich eine Mönchszelle baute und darin

ein zurückgezogenes Leben führte. Eines Tages, als er sich seinen Gebeten

hingegeben hatte, kam seine Mutter und rief ihn: "Dschuraidsch!" Er

antwortete: "Oh Herr meiner Mutter und meiner Gebete." Und er setzte

seine Gebete fort, und seine Mutter ging weg. Am nächsten Tag kam seine

Mutter wieder und rief ihn: "Dschuraidsch." Und wieder bat er: "Oh Herr

meiner Mutter und meiner Gebete." Und er betete weiter. Die Mutter kam

am dritten Tag und rief ihren Sohn: "Dschuraidsch!" Dschuraidsch betete

erneut zu Allah: "Oh Herr meiner Mutter und meiner Gebete." Und er

blieb eifrig bei seinem Gebet. Da rief seine Mutter: "Allah! Lass ihn nicht

108 Mi'radsch ist die Himmelsreise des Propheten am 27. Radschab, die er von Jerusalem

aus unternommen hat.

109 Auf Arabisch: Isä ibn Maryam.

116

1. Buch der Gebote

sterben, bevor er die Gesichter der Huren erblickt hat!" Im Volk Israel

wurden Dschuraidsch und seine Hingabe berühmt und bildeten einen

Hauptgesprächsstoff in den Unterhaltungen. Es gab eine Dirne, deren

Schönheit sprichwörtlich war. Sie sagte: "Wenn ihr möchtet, kann ich

Dschuraidsch in einen Skandal verwickeln." Sodann versuchte sie, ihn zu

verführen, aber Dschuraidsch schenkte ihr keine Beachtung. Dann näherte

sie sich einem Schäfer, der nahe der Klause von Dschuraidsch lebte, gab

sich ihm hin und wurde schwanger von ihm. Als ihr Kind geboren war,

behauptete sie, es sei von Dschuraidsch. Die Leute des Volkes Israel kam

zu Dschuraidsch, erniedrigten ihn, zerrten ihn aus seiner Klause, zerstörten

sie und fingen an, ihn zu schlagen. Er fragte: "Was wollt ihr?" Sie sagten:

"Du hast Ehebruch begangen mit dieser Dirne, und sie hat dein Kind

geboren." Er sagte: "Wo ist das Kind?" Sie brachten es ihm. Er sagte:

"Lasst mich jetzt allein, so dass ich beten kann." Dann betete er, und als er

seine Gebete beendet hatte ging er zu dem Kind, piekste es auf den Bauch

und fragte: "Wer ist dein Vater, mein Kleiner?" Das Kind antwortete:

"Soundso, der Schäfer." Da wandten sich alle Dschuraidsch zu, küssten

ihn, suchten seine Segnung und sagten: "Wir werden deine Klause aus

Gold bauen." Dschuraidsch aber sagte: "Baut sie aus Lehm, wie sie war."

Und sie bauten sie so.

Der dritte Fall war der eines Kindes, das von seiner Mutter gestillt wurde.

Zu der Zeit kam ein Mann vorbei, der ein schnelles und schönes Pferd ritt,

und feine Kleidung trug. Die Mutter betete: "Oh Allah, mach doch meinen

Sohn wie diesen Mann." Das Kind ließ die Brust seiner Mutter los,

bewegte sein Gesicht, schaute den Mann an und sagte: "Oh Allah, mach

mich nicht wie diesen Mann." Dann drehte es sich wieder der Brust seiner

Mutter zu und nahm das Nuckeln wieder auf.

Hier machte der Prophet (s) das Nuckeln eines Kindes vor, indem er

seinen Zeigefinger in den Mund steckte und daran sog. Dann fuhr er fort:

Dann kamen einige Leute vorbei, und die Männer schlugen eine Sklavin,

um sie wegen begangenen Ehebruchs und wegen Diebstahls zu züchtigen;

als Antwort darauf rief sie: "Allah ist für mich genug, und ein vorzüglicher

Beschützer ist Er." Die Mutter betete: "Oh Allah, mach meinen Sohn nicht

wie sie." Daraufhin verharrte das Baby vom Nuckeln, schaute sich die

junge Frau an und sagte: "Oh Allah, mach mich wie sie." Jetzt begann ein

Zwiegespräch zwischen der Mutter und dem Kind. Sie sagte: "Eine schöne

Person kam vorbei, und ich betete: 'Oh Allah, mache meinen Sohn wie ihn.`

Du aber sagtest: 'Oh Allah, mache mich nicht wie ihn.' Dann kamen ein

paar Leute mit einer Sklavin vorbei, die sie schlugen, wobei sie sie wegen

117

1. Buch der Gebote

Ehebruchs und Diebstahls anklagten. Ich bat: 'Oh Allah, mach meinen

Sohn nicht wie sie.' Doch du sagtest: 'Oh Allah, mach mich wie sie.'" Der

Junge antwortete: "Der Mann war eine grausame Person, darum habe ich

widersprochen und gesagt: 'Oh Allah, mach mich nicht wie ihn.' Diese

sagten zu ihr: 'Du begingst Ehebruch.' Tatsächlich hatte sie aber keinen

begangen. Sie behaupteten: 'Du hast gestohlen.` Tatsächlich hatte sie aber

nicht gestohlen. Daher sagte ich: 'Oh Allah, mache mich wie sie.'" (Al-

Bukhari und Muslim)

Kapitel 33

Freundlichkeit zu Waisen, Mädchen und anderen Schwachen,

Armen

und Hoffnungslosen, sowie Wohltat und Mitgefühl, Bescheidenheit

und Demut ihnen gegenüber

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und senke deinen Fittich (in Barmherzigkeit) auf die Gläubigen." (15:88),

"Und fasse dich in Geduld mit denen, die ihren Herrn morgens und abends

anrufen im Trachten nach Seinem Angesicht, und wende deine Augen

nicht von ihnen ab, um nach irdischen Verlockungen zu trachten " (18:28),

"Was darum die Waise angeht, so tue ihr kein Unrecht, und was den

Bittenden angeht, so weise ihn nicht ab..." (93:9-10)

"Hast du denjenigen gesehen, der die Religion verleugnet? Er ist derjenige,

der das Waisenkind schroff abweist, und auch nicht dazu ermutigt, den

Bedürftigen zu speisen." (107:1-3)

Hadith 260: Sa'd ibn Abi Waqqas (r) erzählte: Einst saßen wir zu sechst

bei dem Propheten (s) (als er einigen Ungläubigen den Islam anbot); da

sagten die Ungläubigen zu ihm: "Schicke diese weg, sonst könnten sie

118

1. Buch der Gebote

wagen, uns zu stören." Jene sechs waren ich selbst, Ibn Mas'ud, ein Mann

vom Stamme Hudhail, Bilal und zwei weitere Personen, deren Namen ich

nicht kenne. Der Prophet (s) schickte uns ungern fort und fühlte sich

darauf nicht sehr wohl. Er dachte nach, und Allah offenbarte ihm: "Und

weise nicht diejenigen ab, die vom Morgen bis zum Abend ihren Herrn

anrufen, im Wunsch nach Seinem Angesicht. Du bist in keiner Weise

verantwortlich für sie und sie sind in keiner Weise verantwortlich für dich.

Würdest du sie also abweisen, dann würdest du unrecht tun." (Sure 6:52)

(Muslim)

Hadith 261: Es berichtet Abu Hubaira Äidh ibn Amru al-Muzani (r) - und

er war selbst eine der gesegneten Personen, die dem Propheten (s) einst

(mit Bai'atur-ridwanuo) huldigten - dass Abu Sufyan an den Gefährten

Salman, Suhaib und Bilal (r) vorbeiging. Daraufhin sagten sie: "Schade,

dass die Schwerter Allahs den Feind Allahs (d.h. Abu Sufyan) nicht hart

angepackt hatten." Da sprach Abu Bakr (r) zu ihnen: "Was erlaubt ihr

euch, über den Führer und das Oberhaupt der Quraisch so zu sprechen!"

Danach ging er zum Propheten (s) und berichtete ihm dieses. Der Prophet

(s) sprach zu ihm: "Oh Abu Bakr! Vielleicht hast du diese Menschen

gekränkt. Wenn ja, dann hast du auch deinen Herrn gekränkt." Abu Bakr

(r) ging zu ihnen zurück und sagte: "Oh Brüder, habe ich euch gekränkt?"

Sie antworteten: "Nein, Allah möge dir vergeben, Bruder." (Muslim)

Hadith 262: Sahl ibn Sa'd (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Ich und derjenige, der sich einer Waise annimmt, sind im Paradies

so:" Daraufzeigte er seinen gespreizten Zeigefinger und Mittelfinger. (Al-

Bukhari)

Hadith 263: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Ich und einer, der sich einer Waise annimmt, gleich ob er mit ihr

verwandt ist oder ihr fremd, werden wie diese (Zeigefinger und

Mittelfinger) im Paradies sein."

110 Mit der Bai'atur-ridwan huldigten die Muslime dem Propheten (s) auf der Pilgerfahrt im

Jahre 6 nach der Hidschra, bevor diese aufgrund des Vertrags von Hudaibiya mit den ungläubigen

Mekkanern abgebrochen werden mußte.

119

1. Buch der Gebote

Der Überlieferer, Malik ibn Anas, hob dazu seinen Zeigefinger und den

Mittelfinger, um es zu erläutern.

(Muslim)

Hadith 264: Es überliefert Abu Huraira (r), dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Derjenige ist kein Bedürftiger, der um ein, zwei Datteln oder ein,

zwei Bissen bittet, denn ein echter Bedürftiger bittet nicht darum, trotz

seiner Not." (Al-Bukhari und Muslim)

In einer anderen Version bei Al-Bukhari und Muslim heißt es: "Derjenige

ist kein Bedürftiger, der bei den Menschen umhergeht um einen oder zwei

Bissen, eine oder zwei Datteln zu erbitten. Der wahre Bedürftige jedoch ist

derjenige, der nichts hat, und es wurde ihm Sadaqa gegeben, aber er geht

nicht, die Leute darum zu bitten."

Hadith 265: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte:

"Denjenigen, der für verwitwete Frauen und für Bedürftige sorgt, belohnt

Allah wie denMudschahid, der um Allahs willen kämpft."

Abu Huraira fügte noch hinzu: Ich denke, er hat sogar gesagt: "Dieser

gleicht einem stehenden und niemals ermüdeten Betenden und einem, der

ununterbrochen fastet, ohne sein Fasten zu brechen."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 266: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: "Die

übelste Mahlzeit ist das Festessen, zu welchem Manche gerne kommen

würden, aber sie werden abgelehnt, und zu dem Andere eingeladen

werden, obwohl sie ungern dabei sein möchten; doch müssen sie die

Einladung annehmen, da eine Absage als Ungehorsam Allah und Seinem

Gesandten gegenüber gilt." (Muslim)

In einer anderen Version bei Al-Bukhari und Muslim heißt es: "Die übelste

Mahlzeit ist das Festessen, zu dem Reiche eingeladen werde, und von dem

die Armen ausgeschlossen sind."

120

1. Buch der Gebote

Hadith 267: Anas (r) berichtet, dass der Prophet (s) gesagt hat: "Wenn

jemand zwei Mädchen aufzieht, von ihrer Kindheit bis zum Reifealter, so

werden ich und er am Tage des Gerichts wie diese beiden sein." Und er

legte seine beiden Finger zusammen. (Muslim)

Hadith 268: Aischa (r) erzählte: Eine Frau kam zusammen mit ihren

beiden Töchtern zu mir und bat, ob ich etwas für sie habe. Zu dieser Zeit

hatte ich nichts außer einer einzigen Dattel, die ich ihr gab. Sie teilte diese

unter ihren beiden Töchtern auf und aß selbst nichts. Dann stand sie auf

und ging weg. Als der Prophet (s) kam, erzählte ich ihm, was sich

zugetragen hatte. Er sagte: "Wenn jemand damit beauftragt wird, Töchter

aufzuziehen, und er behandelt sie gut, so wird er vor dem Höllenfeuer

geschützt." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 269: Aischa (r) erzählte: Eine arme Frau stellte mir ihre beiden

Töchter vor (und bat mich, ihnen etwas Essen zu geben). Ich gab ihr drei

Datteln. Sie gab jedem Mädchen eine und wollte die dritte selbst essen.

Die beiden Mädchen baten sie jedoch auch um diese. So teilte sie (die

Dattel) in zwei Teile und gab jedem Mädchen einen Teil davon. Ich war

sehr von ihrem Tun beeindruckt und erwähnte alles dem Propheten (s)

gegenüber. Er sagte: "Allah hat das Paradies für sie vorgesehen," oder

"Allah hat sie vom Höllenfeuer befreit." (Muslim)

Hadith 270: Abu Schuraih Khuwailid ibn Amai al-Khuza'i (r) berichtet,

dass der Prophet (s) sagte: "Oh Allah! Du weißt, dass ich die Verletzung

der Rechte der beiden Schwachen, der Waisen und der Frauen, für

schwere Sünde erkläre und dass ich davor sehr warne."

(An-Nasai)

Dies ist ein guter Hadith (hasan).

121

1. Buch der Gebote

Hadith 271: Mus'ab ibn Sa'd ibn Abi Waqqas (r) erzählte, dass (sein

Vater) Sa'd einst dachte, er sei den anderen (einfachen Muslimen)

gegenüber (wegen seines hohen Ranges) überlegen. Daraufhin sagte der

Prophet (s): "Denkt daran! Nur wegen der Schwachen (unter euch) wird

euch geholfen (gegen die Feinde) und ihr werdet versorgt (in eurem

Lebensunterhalt)." (Al-Bukhari)

Hadith 272: Abud-Darda' Uwaimir (r) überliefert: Ich hörte den

Gesandten Allahs (s) sagen: "Schaut nach meinem Gutdünken bei den

Schwachen (indem ihr ihnen immer helft), denn euch wird gewiss

ihretwegen (gegen die Feinde) geholfen und ihr werdet (in eurem

Lebensunterhalt) versorgt."

(Abu Dawud)

Die Überlieferung dieses Hadithes ist sehr gut belegt {isnad dschayid).

Kapitel 34

Empfehlung in Bezug auf die Frauen

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"...Und lebt mit ihnen in gütlicher ehelicher Gemeinschaft." (4:19)

"Und ihr werdet niemals Gerechtigkeit üben können unter den Frauen,

auch wenn ihr es noch sehr wünscht. Doch wendet euch nicht (von einer

eurer Frauen) ganz und gar ab, so dass ihr sie gleichsam in der Schwebe

lasst. Und wenn ihr euch versöhnt und gottesfürchtig seid, dann ist Allah

wahrlich allverzeihend, allbarmherzig." (4:129)

Hadith 273: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Behandelt die Frauen gut; denn die Frau ist aus einer (gekrümmten)

Rippe geschaffen worden, und der am stärksten gekrümmte Teil ist in der

oberen Region. Wenn du sie gerade biegen willst, wirst du sie brechen,

und wenn du sie lässt, wie sie ist, wird sie verbogen bleiben. Behandle also

die Frauen gut." (Al-Bukhari und Muslim)

In einer andere Version von Al-Bukhari und Muslim heißt es: "Die Frau ist

wie eine Rippe: Wenn du versuchst, sie gerade zu biegen, würdest du sie

zerbrechen, und wenn du aus ihr Nutzen ziehen möchtest, kannst du es

trotz ihres Gebogenseins."

122

1. Buch der Gebote

Noch eine weitere Version von Muslim lautet: "Die Frau ist aus einer

Rippe geschaffen worden und du kannst sie nicht gerade machen. Wenn du

von ihr Nutzen haben willst, so tu es trotz ihres Gebogenseins. Wenn du

jedoch versuchst, sie gerade zu biegen, wirst du sie brechen, und sie

brechen heißt sie verstoßen."

Hadith 274: Es berichtet Abdullah ibn Zam'a, dass er den Propheten (s)

eine Rede halten hörte, in deren Verlauf er den Fall der Kamelstute (des

Propheten Salih) erwähnte und denjenigen, der sie tötete. Im Laufe seiner

Ansprache sagte der Gesandte Allahs (s): '"Als sich der Unseligste unter

ihnen erhob' (Sure 91:12), bedeutet, dass ein mächtiger, aber bösartiger,

und verbohrter Mann zu seinem Volk (den Thamud) kam." Dann erwähnte

er die Frauen und sprach: "Einige unter euch prügeln ihre Frau wie eine

Sklavin, und gegen Ende des Tages schlafen sie mit ihr." Dann ermahnte

er die Anwesenden, nicht über jemanden zu lachen, der einen Wind

fahren lässt, und sagte: "Warum lacht ihr über eine andere Person, wo ihr

doch das Gleiche macht wie sie?" (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 275: Es berichtet Abu Huraira (r), dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Ein gläubiger Ehemann soll niemals seine gläubige Frau hassen.

Wenn er eine bestimmte Angewohnheit von ihr nicht mag, so mag er doch

eine andere bei ihr finden, die ihm gefällt." (Muslim)

Hadith 276: Amru ibn al-Ahwas al-Dschuschami (r) berichtet, dass er den

Propheten (s) auf der Abschieds-Pilgerfahrt sagen hörte, nachdem er (s)

Allah gerühmt und gepriesen und die Anwesenden an die Gebote und

Verbote Allahs erinnert hatte: "Hört zu! Seid gut zu den Frauen; sie sind

wie Gefangene in euren Händen. Darüber hinaus seid ihr ihnen nichts

schuldig. Sollten sie schuldig werden aufgrund offensichtlichen Fehlverhaltens,

könnt ihr sie von euren Betten fernhalten und sie leicht

schlagen, so dass ihr sie nicht verletzt. Wenn sie euch darauf gehorchen,

dürft ihr nichts weiter gegen sie unternehmen. Hört zu! Ihr habt Rechte auf

eure Frauen, und sie haben Rechte auf euch. Euer Recht ist, dass sie

123

1. Buch der Gebote

niemandem, den ihr nicht mögt, erlauben, auf eurer Liegestätte zu sitzen,

und ihm gestatten, euer Haus zu betreten, und ihr Recht ist, dass ihr gut zu

ihnen seid, und dass ihr sie mit Nahrung und Kleidung versorgt."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

Hadith 277: Mu'awiya ibn Haida (r) berichtet: Ich fragt den Propheten

(s); was das Recht einer Ehefrau ihrem Ehemann gegenüber sei. Er sagte:

"Gib ihr zu essen, wenn du selbst isst; kleide sie, wenn du dich selbst

kleidest; schlage sie nicht ins Gesicht; verfluche sie nicht und trenne dich

nicht von ihr außer innerhalb des Hauses."

(Abu Dawud)

Dies ist ein guter Hadith (hasan).

Hadith 278: Es berichtet Abu Huraira (r), dass der Prophet (s) sagte:

"Der vollendetste Muslim in Glaubensangelegenheiten ist derjenige, der ein

vorzügliches Benehmen hat; und die Besten unter euch sind jene, die ihre

Ehefrauen am besten behandeln."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

Hadith 279: Iyas ibn Abdullah ibn Abi Dhubab (r) berichtet, dass der

Prophet (s) warnte: "Schlagt nicht die Dienerinnen Allahs 111. Bald darauf

kam Umar (r) zu dem Gesandten Allahs (s) und sagte: "Die Frauen sind

frech gegenüber ihren Ehemännern geworden." Als er das hörte, erlaubte

der Prophet (s) sie zu schlagen. Danach kamen viele Frauen zu den

Ehefrauen des Propheten (s) und klagten über ihre Ehemänner Sodann

sagte der Prophet (s): "Viele Frauen sind zu meinen Frauen gekommen mit

der Klage über schlechte Behandlung seitens ihrer Ehemänner. Solche

Menschen unter euch sind niemals die Besten."

(AbuDawud)

Dieser Hadith ist zuverlässig überliefert (isnad sahih).

111Damit sind die gläubigen Frauen gemeint.

124

1. Buch der Gebote

Hadith 280: Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) berichtet, dass der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Das irdische Leben ist ein (vergänglicher) Genuss. Das

Beste an diesem Genuss ist eine tugendhafte Ehefrau." (Muslim)

Kapitel 35

Das Recht des Ehemannes seiner Frau gegenüber

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht.

"Die Männer sind die Verantwortlichen für die Frauen, weil Allah die einen

von ihnen mit mehr Vorzügen ausgestattet hat als die anderen und weil sie

von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen jene, die

demütig ergeben sind, die in Abwesenheit das bewahren, was Allah ihnen

zu bewahren aufgab." (4:34)

Unter den Hadithen zu diesem Thema ist Hadith Nr. 276.

Hadith 281: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Wenn der Ehemann seine Frau zu seinem Bett ruft, und sie kommt

nicht zu ihm und er verbringt die Nacht im Ärger auf sie, fluchen die Engel

auf sie die ganze Nacht hindurch, bis zum Morgen." (Al-Bukhari und

Muslim)

Eine andere Version bei Al-Bukhari und Muslim lautet: "Wenn die Ehefrau

das Ehebett die ganze Nacht hindurch meidet, fluchen die Engel auf sie bis

zum Morgen."

Noch eine andere Version lautet: Der Gesandte Allahs (s) sagte: "Bei

Allah, in Dessen Händen mein Leben ist, wenn ein Ehemann seine Frau in

sein Bett ruft, und sie sich ihm verweigert, dann bleibt Er, Der im Himmel

ist, mit ihr unzufrieden, bis sich ihr Mann mit ihr ausgesöhnt hat."

Hadith 282: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Eine Frau darf nicht freiwillig fasten, wenn ihr Mann zu Haus ist,

außer mit seiner Erlaubnis. Sie sollte ebenso niemandem gestatten, sein

Haus zu betreten ohne seine Zustimmung."

(Al-Bukhari und Muslim)

Die zitierte Version stammt von Al-Bukhari.

125

1. Buch der Gebote

Hadith 283: Ibn Umar (r) überliefert, dass er den Gesandten Allahs (s)

sagen hörte: "Jeder von euch ist ein Hüter, und verantwortlich für seine

Herde. So ist der Herrscher ein Hüter und verantwortlich (für jene, die

unter seiner Herrschaft stehen); ebenso ist der Ehemann ein Hüter,

hinsichtlich der Familienmitglieder seines Haushalts die Ehefrau ist Hüter

bezüglich des Haushalts ihres Mannes und seiner Kinder. Jeder von euch

ist also ein Hüter und verantwortlich für seine Herde." (Al-Bukhari und

Muslim)

Hadith 284: Abu Ali Talq ibn Ali (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs

(s) sagte: "Wenn ein Mann nach seiner Frau schickt, um sein Bedürfnis zu

stillen, sollte sie zu ihm gehen, sogar wenn sie mit Brotbacken beschäftigt

ist."

(At-Tirmidhi und An-Nasai)

Nach At-Tirmidhi ist dies ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

Hadith 285: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte:

"Wenn ich irgendjemandem befohlen hätte, sich vor einem anderen niederzuwerfen,

so hätte ich angeordnet, dass die Ehefrau sich vor ihrem Ehemann

niederwirft." (At-Tirmidhi) Dies ist ein guter und gesunder Hadith

(hasan sahih).

Hadith 286: Umm Salama (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Jede Frau, die stirbt, und ihr Mann war mit ihr zufrieden, kommt

ins Paradies."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith {hasan).

Hadith 287: Mu’adh ibn Dschabal (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte:

"Immer wenn eine Frau ihrem Mann im Diesseits Ärger und Qual

verursacht, sagt eine seiner Gefährtinnen unter den Huris des Paradieses

zu ihr: 'Möge Allah dir Schaden zufügen, bringe deinem Ehemann keinen

Ärger, denn er ist nur dein Gast und wird dich bald verlassen, um sich uns

im Paradies anzuschließen!" (At-Tirmidhi). Dies ist ein guter Hadith

{hasan).

126

1. Buch der Gebote

Hadith 288: Usama ibn Zaid (r) erzählte, dass der Prophet (s) sagte: "Ich

hinterlasse keine verderblichere Versuchung für die Männer als Frauen."

(Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 36

Unterhalt für die Familienmitglieder

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und es obliegt dem, dem das Kind geboren wurde, für ihre Nahrung und

Kleidung auf angemessene Weise Sorge zu tragen..." (2:233)

"Wer vermögend ist, soll von seinem Vermögen aufwenden, und der,

dessen Versorgung eingeschränkt ist, soll von dem aufwenden, was Allah

ihm gegeben hat..." (65:7)

"Und ihr gebt nichts als Spende hin, ohne dass Er es euch ersetzt..."

(34:39)

Hadith 289: Es überliefert Abu Huraira (r), dass der Gesandte Allahs (s)

gesagt hat: "Von dem Geld, das du auf dem Wege Allahs ausgibst, von

dem Geld, das du für die Befreiung eines Sklaven ausgibst, von dem Geld,

das du ausgibst als Sadaqa für die Armen, und von dem Geld, das du

ausgibst für deine Familie, ist der höchste Lohn von dem Betrag zu

erwarten, den du für deine Familie ausgegeben hast." (Muslim)

Hadith 290: Der befreite Sklave des Gesandten Allahs (s) Thauban ibn

Budschdud (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: "Das beste

(für Allah) ausgegebene Geld ist, was man für seine Familie aufwendet,

dann folgt der Betrag, den man für sein Reittier im Dschihad um Allahs

willen ausgibt, und dann der Betrag, den man für seine Gefährten um

Allahs willen ausgibt." (Muslim)

Hadith 291: Umm Salama (r) berichtet: Ich fragte den Gesandten Allahs

(s): "Oh Gesandter Allahs, werde ich belohnt werden, wenn ich die Kinder

von (meinem verstorbenen Ehemann) Abu Salama versorge? Sie können

127

1. Buch der Gebote

nicht unversorgt gelassen werden oder hin- und herlaufen (auf der Suche

nach Lebensunterhalt). Sie sind doch schließlich meine Kinder." Er

antwortete: "Ja, du wirst Belohnung bekommen für alles, was du für sie

ausgibst."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 292 ist in Hadith Nr. 7 enthalten.

Hadith 293: Abu Mas'ud al-Badri (r) erzählte, dass der Prophet (s) sagte:

"Wenn der Mensch aufrichtig etwas für seine Familie ausgibt, in der

Hoffnung auf die Vergeltung Allahs, so wird ihm dies zu seinen Gunsten

als Sadaqa angerechnet." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 294: Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) berichtet, dass der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Es ist Grund genug, ein Sünder zu sein, wenn jemand die

von ihr zu ernährenden Menschen zugrunde gehen lässt."

(Abu Dawud und andere)

Dies ist gesunder Hadith (sahih).

In seinem Sahih-Werk überliefert ihn Muslim folgendermaßen: "Es ist

gewiss eine Sünde, wenn jemand den Unterhalt für jemanden, der von ihm

abhängig ist, zurückhält."

Hadith 295: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Kein

Tagesanbruch vergeht, ohne dass zwei Engel herabsteigen, und der eine

ruft: "Oh Allah, vergelte dem Spendenden (seiner Spende) entsprechend!",

und der andere ruft: "Oh Allah! Füge dem Geizigen (den entsprechenden)

Schaden zu!" (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 296: Abu Huraira (r) überliefert auch, dass der Prophet (s) gesagt

hat: "Die obere Hand (also die gebende) ist besser als die untere Hand

128

1. Buch der Gebote

(also die empfangende), und du sollst (beim Geben von Sadaqa) bei denen

anfangen, die von dir abhängig sind; und die beste Sadaqa ist die vom

Überfluss gegebene, und wer Tugend erstrebt, dem wird sie Allah

schenken, und wer Verzicht übt, den wird Allah reich machen." (Al-

Bukhari)

Kapitel 37

Ausgeben des Liebsten und Besten

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Niemals werdet ihr Frömmigkeit erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet,

was ihr liebt..." (3:92)

"Oh die ihr glaubt, spendet von den guten Dingen, die ihr erworben habt,

und von dem, was Wir für euch aus der Erde hervorgebracht haben, und

sucht nicht das Schlechte davon aus, um es zu spenden, wo ihr es doch

selbst nicht nehmen würdet, es sei denn ihr würdet ein Auge dabei

zudrücken. Und wisst, dass Allah Sich selbst genügend ist, des Lobes

würdig." (2:267)

Hadith 297: Anas (r) berichtet, dass Abu Talha (r) der reichste unter den

Ansar in Medina war, was Landbesitz und Dattelgärten angeht. Seinen

Garten Bairahä1, der direkt gegenüber der Moschee des Propheten (s) lag,

mochte er am liebsten von all seinen Besitzungen. Der Prophet (s) pflegte

seinen Garten zu besuchen und dessen süßes Wasser zu trinken. Als der

Qur’anvers "Niemals werdet ihr Frömmigkeit erlangen, ehe ihr nicht von

dem spendet, was ihr liebt." (Sure 3:92) offenbart wurde, ging Abu Talha

(r) zum Gesandten Allahs (s) und sagte: "Oh Gesandter Allahs! Allah hat

dir diesen Qur’anvers herabgesandt: "Niemals werdet ihr Frömmigkeit

erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt', und der Besitz, den

ich am meisten liebe, ist Bairahä'. Daher biete ich ihn als Sadaqa für Allah,

den Erhabenen, an und erhoffe nur Gutes und Belohnung von Ihm. Du

magst darüber verfügen, wie Allah dich leitet." Der Prophet (s) sagte:

"Nun, dies ist ein sehr ertragreicher Besitz, dies ist ein sehr ertragreicher

Besitz. Ich habe gehört, was du gesagt hast, und ich meine, du solltest ihn

129

1. Buch der Gebote

unter deinen Verwandten aufteilen." Abu Talha (r) sagte: "Ich werde es

tun, oh Gesandter Allahs!" Und er teilte jenen gewaltigen Palmenhain

(Bairahq`) unter seinen Verwandten und den Nachkommen seines Onkels

väterlicherseits auf. (Al-Bukhari und Muslim)

Kapitel 38

Pflicht, der Familie, den Kinder, sowie allen Familienmitgliedern zu

gebieten, Allah, dem Erhabenen, zu gehorchen und ihnen zu

verbieten, das Gegenteil zu tun, und sie am Tun von Verbotenem zu

hindern

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und gebiete deinen Angehörigen das Gebet und sei selbst ausdauernd

darin..." (20:132)

"Oh die ihr glaubt! Rettet euch selbst und eure Familien vor einem Feuer,

dessen Brennstoff Menschen und Steine sind." (66:6)

Hadith 298: Abu Huraira (r) berichtet, dass (der Enkel des Propheten (s))

al-Hasan ibn Ali (r) (als er ein Kind war) eine Dattel aus der Menge, die als

Sadaqa zusammengetragen worden war, aufnahm und in seinen Mund

steckte. Daraufhin sagte der Gesandte Allahs (s) zu ihm: "Pfui! Spucke sie

aus! Wusstest du nicht, dass wir (die Angehörigen des Propheten) keine

Sadaqa essen dürfen?" (Al-Bukhari und Muslim)

Nach einer anderen Version sagte er (s): "Sadaqa ist uns (dem Propheten,

seinen Nachkommen und seiner Familie) verboten."

Hadith 299: Abu Hafs Umar ibn Abi Salama, der Stiefsohn112 des

Gesandten Allahs (s), erzählte: Als ich klein war und unter der Obhut des

Gesandten (s) aufwuchs, tat ich (beim Essen) meine Hand überall in die

Schüssel. Da sprach er (s) zu mir: "Mein Junge, sprich den Namen Allahs,

des Erhabenen, und iss mit deiner rechten Hand und von dem, was vor dir

liegt." So wurde dies zu meiner Essensweise. (Al-Bukhari und Muslim)

112 Abu Hafs Umar war der Sohn der Mutter der Gläubigen, Umm Salama.

130

1. Buch der Gebote

Hadith 300: Ibn Umar (r) überliefert, dass er den Gesandten Allahs (s)

sagen hörte: "Jeder von euch ist ein Hüter, und verantwortlich seine

Herde: So ist der Anführer ein Hüter und verantwortlich für seine Herde;

ebenso ist der Ehemann ein Hüter, hinsichtlich der Familienmitglieder

seines Haushalts und verantwortlich seine Herde; die Ehefrau ist Hüter

bezüglich des Haushalts ihres Mannes und verantwortlich für ihre Herde;

der Diener ist ein Hüter über den Besitz seines Herrn und ist

verantwortlich für seine Herde. Jeder von euch ist also ein Hüter und

verantwortlich für seine Herde."113 (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 301: Amru ibn Schu'aib (r) überliefert, dass sein Vater ihm

berichtete, dass sein Großvater (r) sagte: Der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Wenn eure Kinder das Alter von sieben Jahren erreichen, befehlt ihnen,

das Gebet zu verrichten, und züchtigt sie bei Nachlässigkeit darin, wenn

sie zehn Jahre alt sind, und lasst sie in getrennten Betten schlafen." (Abu

Dawud) Dies ist ein guter Hadith (hasari).

Hadith 302: Abu Thurayya Sabra ibn Ma'bad al-Dschuhani (r) berichtet,

dass der Gesandte Allahs (s) sagte: "Wenn ein Junge sieben Jahre alt

geworden ist, dann bringt ihm das Gebet bei. Wenn er dies im Alter von

zehn Jahren nicht verrichtet, dann züchtigt ihn."

(Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Nach At-Tirmidhi ist dies ist ein guter Hadith {hasan).

In der Version von Abu Dawud heißt es: "Wenn ein Junge sieben Jahre alt

geworden ist, dann befehlt ihm das Gebet..."

Kapitel 39

Recht des Nachbarn und Empfehlung in Bezug auf ihn

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und dient Allah und stellt Ihm nichts zur Seite, und erweist den Eltern

Wohltaten und ebenso den Verwandten, den Waisen und Armen, den

nahestehenden Nachbarn und den fernen Nachbarn, und dem Gefährten an

(eurer) Seite und dem Reisenden und denen, die euch gehören. Wahrlich,

Allah liebt nicht die, die überheblich (und) stolz sind." (4:36)

113 Vergl. Hadith Nr. 283.

131

1. Buch der Gebote

Hadith 303: Ibn Umar und Aischa (r) berichten, dass der Gesandte Allahs

(s) sagte: "(Der Engel) Gabriel empfahl mir so oft die gute Behandlung des

Nachbarn, dass ich beinahe dachte, er würde ihn vielleicht zum Erben

einsetzen."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 304: Abu Dharr (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: "Oh Abu

Dharr! Wenn du Suppe zubereitest, gib ein wenig mehr Wasser hinein und

schau, ob dein Nachbar etwas benötigt." (Muslim)

Eine andere Version lautet: Mein Freund, der Prophet (s), wies mich an:

"Wenn du Suppe zubereitest, gib viel Wasser hinein und dann schau, wie

es der Familie deines Nachbarn geht, und gib auch ihr davon."

Hadith 305: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Prophet (s) sprach:

"Bei Allah, er glaubt nicht! Bei Allah, er glaubt nicht! Bei Allah, er

glaubt nicht." Er wurde gefragt: "Wer, oh Gesandter Allahs!?" Er sagte:

"Einer, dessen Nachbar nicht sicher ist vor seiner Bosheit." (Al-Bukhari

und Muslim)

Die Version bei Muslinrlautet: "Derjenige wird nicht ins Paradies

eintreten, dessen Nachbar nicht sicher ist vor seiner Bosheit."

Hadith 306 ist eine Wiederholung von Hadith Nr. 124.

132

1. Buch der Gebote

Hadith 307: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Lasst keinen Nachbarn seinem unmittelbaren Nachbarn verbieten, seine

Dachsparren an der eigenen Wand zu befestigen."

Abu Huraira (r) fügte hinzu: Warum sehe ich, dass ihr euch nun von dieser

Sunna abwendet! Bei Allah, ich werde dennoch damit fortfahren, dies zu

verkünden!

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 308: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Wer an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag, soll seinem

Nachbarn nicht schaden; und wer an Allah glaubt und an den Jüngsten

Tag, soll seinen Gast großzügig behandeln; und wer an Allah glaubt und

an den Jüngsten Tag, soll Gutes sprechen oder schweigen!" (Al-Bukhari

und Muslim)

Hadith 309: Abu Schuraih al-Khuza'i (r) überliefert, dass der Prophet (s)

sagte: "Wer an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag, soll seinen

Nachbarn gut behandeln; und wer an Allah glaubt und an den Jüngsten

Tag, soll seinen Gast großzügig behandeln; und wer an Allah glaubt und

an den Jüngsten Tag, soll Gutes sprechen oder schweigen!"

(Muslim)

Bei Al-Bukhari wird ein Teil dieses Hadithes berichtet.

Hadith: 310: Aischa (r) berichtet: Ich fragte den Propheten (s): "Oh

Gesandter Allahs! Ich habe zwei Nachbarn; wem soll ich etwas schenken?"

Er antwortete: "Dem Nachbarn, dessen Tür näher an deiner Tür ist." (Al-

Bukhari)

Hadith: 311: Abdullah ibn Umar (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs

(s) sagte: "Der beste Freund aus der Sicht Allahs, des Erhabenen, ist

derjenige, welcher seinen Gefährten am besten behandelt, und der beste

Nachbar aus der Sicht Allahs, des Erhabenen, ist derjenige, welcher seinen

Gefährten am besten behandelt."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith (hasan).

133

1. Buch der Gebote

Kapitel 40

Gehorsam den Eltern gegenüber und Pflege der

Verwandtschaftsbande

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und dient Allah und stellt Ihm nichts zur Seite, und erweist den Eltern

Wohltaten und ebenso den Verwandten, den Waisen und Armen, den

nahestehenden Nachbarn und den fernen Nachbarn, und dem Gefährten an

(eurer) Seite und dem Reisenden und denen, die euch gehören..." (4:36)

"So fürchtet Allah, in Dessen Namen ihr einander ersucht, und wahrt die

Verwandtschaftsbande (fest)..." (4:1)

"Jene, die ihre Verpflichtungen Allah gegenüber erfüllen und den Bund

(mit Ihm) nicht brechen, und die verbinden, was Allah zu verbinden befahl,

und ihren Herrn fürchten..." (13:20-21),

"Und Wir haben dem Menschen aufgetragen, gütig gegen seine Eltern zu

sein..." (29:8),

"Und dein Herr hat entschieden, dass ihr niemanden außer Ihm anbeten

und den Eltern Wohltaten erweisen sollt. Falls einer von ihnen oder beide

bei dir ein hohes Alter erreichen, dann sage niemals ein mürrisches Wort

zu ihnen und schelte sie nicht, sondern sprich in gütiger Weise mit ihnen.

Und aus Barmherzigkeit senke die Schwingen der Demut auf sie hernieder

und sprich: 'Mein Herr! Erbarme Dich ihrer, so wie sie mich aufgezogen

haben, als ich klein war."' (17:23-24)

"Und Wir haben dem Menschen seine Eltern ans Herz gelegt - seine

Mutter hat ihn ja in Mühsal über Mühsal (unter dem Herzen) getragen, und

es dauert zwei Jahre bis zu seiner Entwöhnung: 'Erweise Dankbarkeit Mir

und deinen Eltern!1..."(31:14)

Hadith 312: Abu Abdur-Rahman Abdullah ibn Mas’ud (r) berichtet, dass

er den Propheten (s) fragte: "Welche Tat ist Allah am liebsten?" Er sagte:

"Die Gebete zur richtigen Zeit zu verrichten." Ich fragte: "Und dann?" Er

antwortete: "Die gute Behandlung der Eltern." Ich sagte: "Und dann?" Er

sagte: "Die Anstrengung {Dschihad) auf dem Wege Allahs."

(Al-Bukhari und Muslim) .

Hadith 313: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Kein Sohn kann seinein, Vater (dessen Fürsorge) zurückzahlendes sei

denn, er findet ihn als Sklaven und kann ihn freikaufen." (Muslim)

134

1. Buch der Gebote

Hadith 314 ist eine Wiederholung von Hadith Nr. 308.

Hadith 315: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s)

erzählte: Nachdem Allah alle Kreaturen erschaffen hatte, stand der

Schoß114 auf und sprach: "Bin ich der Ort, der bei Dir Zuflucht vor der

Trennung (der Familienbande) bietet?" Allah sagte: "Ja, wärest du denn

zufrieden, wenn Ich zu dem halte, der zu dir hält, und sollte Ich mich von

dem lösen, der sich von dir löst?" Der Schoß sagte: "Ja, gewiss." Allah

sagte: "Dann soll es so sein."

Dann sagte der Gesandte Allahs (s): "Wenn ihr wollt, dann lest folgende

Qur’anverse: 'Es ist nicht möglich, dass ihr, wenn ihr euch abwendet,

Unheil auf Erden stiftet und die Verwandtschaftsbande zerschneidet? Das

sind diejenigen, die Allah verflucht hat und Er hat sie taub gemacht und ihr

Augenlicht geblendet.'(Sure 47:22-23)" (Al-Bukhari und Muslim)

Nach der Version von Al-Bukhari sagte Allah: "Wer zu dir hält, zu dem

werde Ich halten, und wer sich von dir löst, von dem werde Ich mich

lösen."

Hadith 316: Abu Huraira (r) berichtet, dass ein Mann zum Gesandten

Allahs (s) kam und fragte: "Oh Gesandter Allahs, wer von den Menschen

ist am meisten zu guter Behandlung durch mich berechtigt und zu meiner

guten Gefolgschaft?" Er antwortete: "Deine Mutter." Der Mann fragte:

"Und wer nach ihr?" Er sagte: "Deine Mutter." Er fragte: "Und wer nach

ihr?" Er antwortete: "Deine Mutter." Er fragte: "Und wer nach ihr?" Er

sagte: "Dein Vater." (Al-Bukhari und Muslim)

114 Wörtlich: Die "Gebärmutter", das bedeutet: die verwandtschaftliche Beziehung

aufgrund der Geburt.

135

1. Buch der Gebote

Nach einer anderen Version fragte der Mann: "Oh Gesandter Allahs, wer

hat am meisten Anspruch auf gute Behandlung und gute Gefolgschaft?" Er

antwortete: "Deine Mutter, und dann deine Mutter, und dann deine

Mutter, und dann dein Vater, und dann deine näheren Verwandten."

Hadith 317: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Was

für eine jämmerliche Erscheinung, was für eine jämmerliche Erscheinung,

was für eine Jämmerliche Erscheinung ist doch derjenige, der die Gelegenheit

bekommt, seine Eltern oder einen Teil von ihnen im Alter zu erleben,

ohne doch ins Paradies eintreten zu dürfen (weil er es versäumt, ihnen

fürsorglich zu dienen)." (Muslim)

Hadith 318: Abu Huraira (r) erzählte, dass ein Mann zu dem Propheten

(s) sagte: "Oh Gesandter Allahs, ich habe Verwandte, die ich besuche,

doch sie suchen keinen Kontakt mit mir. Ich behandle sie gut, doch sie

behandeln mich schlecht. Ich bin umgänglich mit ihnen, doch sie sind

bösartig zu mir." Da sprach er (s) zu ihm: "Wenn es (wirklich) so ist, wie

du sagst, dann ist es so, als ob du sie (am Tag des Gerichts) mit heißer

Asche fütterst; und solange du so bleibst, wie du bist, wird Allah dir helfen

und dich vor ihren Machenschaften schützen." (Muslim)

Hadith 319: Anas (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: "Wer

(immer) will, dass Allah seinen Lebensunterhalt, sein Alter (und seine

Nachkommen) segnet, sollte seine Verwandtschaftsbeziehungen pflegen."

(Al-Bukhari und Muslim).

Hadith 320 ist eine Wiederholung des Hadithes Nr. 297.

136

1. Buch der Gebote

Hadith 321: Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) berichtet, dass ein

Mann zum Propheten (s) kam und zu ihm sagte: "Ich möchte

dir den Huldigungseid leisten, um auszuwandern und zu kämpfen um

Allahs, des Erhabenen, willen, (nur) um Seinen Lohn dafür zu erhalten."

Der Prophet (s) fragte ihn: "Lebt noch einer von deinen Eltern?" Der

Mann sagte: "Ja, beide leben noch." Der Prophet (s) fragte ihn: "Suchst

du (wirklich) die Belohnung Allahs, des Erhabenen?" Der Mann sagte:

"Ja." Er (s) sprach: "Dann gehe zurück zu deinen Eltern und erweise ihnen

Gutes." (Al-Bukhari und Muslim) Die zitierte Fassung stammt von

Muslim.

In der Version von Al-Bukhari und Muslim heißt es: Ein Mann kam und

ersuchte um Erlaubnis zum Dschihad. Der Prophet (s) fragte ihn: "Leben

deine Eltern noch?" Der Mann sagte: "Ja." Er (s) sagte: "Dann führe

Dschihad, indem du ihnen dienst.115"

Hadith 322: Es überliefert Abdullah ibn Amru ibn al-As (r), dass der

Prophet (s) sagte: "Ein die Verwandtschaftsbande Pflegender ist nicht derjenige,

der den gegenseitigen Kontakt zur Verwandtschaft aufrecht erhält,

sondern derjenige, der an seinen Verwandtschaftsbanden festhält, auch

wenn die Verwandten mit ihm brechen." (Al-Bukhari)

115 Das heißt, der Dienst an den Eltern ist selbst Dschihad.

137

1. Buch der Gebote

Hadith 323: Es überliefert Aischa (r), dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Der Schoß ist am Thron Allahs aufgehängt und verkündet: Allah wird bei

Sich behalten, wer von mir gehalten wird und Allah wird Sich von dem

trennen, der sich von mir trennt." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 324: Maimuna bint al-Harith (r), eine der Mütter der Gläubigen,

berichtet, dass sie eine Sklavin in Freiheit setzte, ohne die Erlaubnis des

Propheten (s) einzuholen. Als er sie an ihrem Tag besuchte, sagte sie zu

ihm: "Oh Gesandter Allahs, merkst du nicht, dass ich meine Sklavin

freigelassen habe?" Er sagte: "Hast du das gemacht?" Sie sagte: "Ja." Er

sagte: "Wenn du sie deinen Onkeln mütterlicherseits gegeben hättest, wäre

es noch besser gewesen." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 325: Es erzählte Asma` bint Abi Bakr as-Siddiq (r): Zu Lebzeiten

des Propheten (s)116 besuchte mich meine Mutter, die noch nicht gläubig

war. Ich ging zum Propheten (s) und fragte ihn: "Meine Mutter ist zu mir

gekommen und sie erwartet etwas von mir. Darf ich mich ihr verpflichten

(und so die Verwandtschaftsbande achten)?" Er sagte: "Ja. pflege die

Verwandtschaftsbande mit deiner Mutter." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 326: Es berichtet Zainab ath-Thaqaflya (r), die Ehefrau von

Abdullah ibn Mas’ud (r): Als der Gesandte Allahs (s) sagte: "Oh ihr

Frauen! Gebt Sadaqa, auch wenn sie von eurem Schmuck sein sollte.",

ging ich zu (meinem Mann) Abdullah ibn Mas’ud und sagte zu ihm: "Du

bist ein armer und bedürftiger Mensch, und der Prophet (s) hat uns

aufgetragen, Sadaqa zu geben. So gehe zu ihm und frage ihn, ob es als

Sadaqa zählt, wenn ich dir etwas gebe, sonst kann ich es auch jemand

anderem geben." Abdullah sagte: "Du solltest selbst gehen und ihn fragen."

So ging ich zu ihm und fand schon eine Frau von den Ansdr an der Tür des

Gesandten Allahs (s), die aus dem gleichen Grund wie ich gekommen war.

Aber wir zögerten hineinzugehen, wegen der Würde und Hoheit des

116 Dies war gerade zu der Zeit, als die Muslime, die nach Medina ausgewandert waren, mit

den Ungläubigen Mekkanern ein Stillhalteabkommen geschlossen hatten.

138

1. Buch der Gebote

Propheten (s). Unterdessen kam Bilal (r) heraus, und wir sagten zu ihm:

"Bitte geh zu Allahs Gesandten (s) und sag ihm, dass zwei Frauen

gekommen sind und wissen wollen, ob es als Sadaqa zählt, wenn sie ihren

Ehemännern spenden, und für die Waisen, die unter ihrer Obhut stehen,

aber erzähle ihm nicht, wer wir sind." Bilal (r) ging zum Propheten (s) und

legte ihm unseren Fall dar. Der Gesandte Allahs (s) fragte: "Wer sind sie?"

Bilal (r) sagte: "Eine ist von den Ansar und die andere ist Zainab." Er

fragte: "Welche Zainab ist es?" Er antwortete: "Die Frau von Abdullah."

Der Prophet (s) sagte: "Sie werden zweifachen Lohn erhalten: einmal für

die (Freundlichkeit zur) Verwandtschaft und einmal für Sadaqa" (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 327: Abu Sufyan Sakhr ibn Harb (r) erzählte in seinem langen

Bericht über (seine Audienz bei) Heraklios, dem oströmischen Herrscher,

unter Anderem, wie dieser ihn fragte: "Was verlangt euer Prophet von

euch zu tun?" Er sagte: "Er verlangt von uns, nur Allah, dem Einen, zu

dienen und Ihm niemanden beizugesellen, nicht den Sitten unserer

Vorfahren zu folgen, außerdem das Gebet zu verrichten, die Wahrheit zu

sprechen, rein zu bleiben und unsere Blutsverwandten gut zu behandeln."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 328: Abu Dharr (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Bald werdet ihr ein Land erobern, in dem man das Qirat (als Maßeinheit)

verwendet."

In einer anderen Version: "Bald werdet ihr Ägypten erobern, und das ist

ein Land, in dem man das Qirat kennt. Behandelt seine Leute freundlich,

denn es gibt Verwandtschaftsbande und Verpflichtungen zu ihnen."

Bei Muslim lautet eine andere Version: "Wenn ihr es erobert, behandelt

seine Bewohner gut, denn es bestehen Verwandtschaftsbande mit ihnen

und Verpflichtungen zu ihnen." Oder er sagte: "Wir haben Verpflichtungen

und mütterliche Beziehungen117."

Die Gelehrten (Ulama`) erklären diese Verwandtschaft mit Ägypten in der

Weise, dass sie sich auf die historische Tatsache bezieht, dass Hädschar,

die Mutter des Propheten Ismail, eine Ägypterin war, und 'mütterliche

Beziehungen' damit, dass Maria, die Mutter Ibrahims, des Sohnes des

Gesandten Allahs (s), (ebenfalls) eine Ägypterin war.

117 Das heißt: die Ägypter sind mit uns verwandt und verschwägert.

139

1. Buch der Gebote

Hadith 329: Abu Huraira (r) berichtet, dass, als der Qur'anvers "Und

warne deine nächsten Verwandten..." (Sure 26:214) offenbart wurde, der

Prophet (s) den Stamm der Quraisch zusammenrief, und alle seine

Angehörigen, gemeine Leute und Oberhäupter, zu ihm kamen. Er sagte zu

ihnen: "Oh Nachkommen von Abdusch-Schams! Oh Nachkommen von

Ka'b ibn Lu'ai! Hütet euch vor dem Höllenfeuer. Oh ihr Nachkommen von

Murra ibn Ka'b! Hütet euch vor dem Höllenfeuer! Oh ihr Nachkommen

von Abd Manäf! Hütet euch vor dem Höllenfeuer! Oh Nachkommen

Häschims! Hütet euch vor dem Höllenfeuer! Oh Nachkommen von

Abdul-Muttalib! Hütet euch vor dem Höllenfeuer! Oh Fatima, Hüte dich

vor dem Höllenfeuer, denn ich werde (am Tag des Gerichts) nicht in der

Lage sein, dem Willen Allahs etwas entgegenzusetzen. Ich kann nichts für

euch tun. außer dass ich mit euch verwandt bin, und es (das Feuer) mit

Wasser bekämpfe." (Muslim)

In diesem Hadith wird das Mißachten von Blutsverwandtschaft dem Feuer

gleichgesetzt, das mit Wasser gelöscht werden kann, oder durch die

Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den Verwandten.

Hadith 330: Abu Abdullah Amru ibn al-As (r) sagte: Ich hörte den

Gesandten Allahs (s) in aller Öffentlichkeit, ohne Verheimlichung sagen:

"Gewiss gehören die Kinder des Soundso nicht zu meinen Freunden; meine

Freunde sind Allah und die tugendsamen Gläubigen. Allerdings besitze ich

Verwandtschaftsbande zu ihnen, und diese habe ich zu pflegen." (Al-

Bukhari und Muslim) Die zitierte Fassung stammt von Al-Bukhari.

Hadith 331: Abu Ayyub Khälid ibn Zaid al-Ansari (r) berichtet, dass ein

Mann fragte: "Oh Gesandter Allahs! Nenne mir eine Tat, die mich zum

Paradies fuhren und vom Höllenfeuer fernhalten wird." Er antwortete:

"Diene Allah und geselle Ihm nichts bei, verrichte das Gebet, zahle die

Zakat und pflege die Verwandtschaftsbande." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 332: Salman ibn Amir (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte:

"Wenn du das Fasten brichst, brich es mit einer Dattel, denn darin steckt

Segen, und wenn du keine Dattel findest, brich es mit Wasser, denn

Wasser reinigt." Er fügte hinzu: "Einem Bedürftigen Sadaqa zu geben, ist

140

1. Buch der Gebote

Sadaqa, und sie einem Verwandten zu geben zählt doppelt: die Sadaqa

und die Pflege der Verwandtschaftsbande."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith (hasan).

Hadith 333: Ibn Umar (r) erzählte: Ich war mit einer Frau verheiratet, die

ich sehr mochte, aber (mein Vater) Umar mochte sie nicht. Er bat mich

daher, mich von ihr scheiden zu lassen, was ich zurückwies. Umar (r) ging

zum Propheten (s) und erzählte ihm dies. Der Prophet (s) sprach zu mir:

"Lass dich von ihr scheiden!"

(Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Nach At-Tirmidhi ist dies ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

Hadith 334: Abud-Darda` (r) erzählte, dass ein Mann zu ihm kam und

sagte: "Ich habe eine Frau, und meine Mutter bittet mich, mich von ihr

scheiden zu lassen." Da sagte er (Abud-Darda') zu ihm, dass er den

Propheten (s) sagen hörte: "Ein Elternteil ist (wie) eine mittlere Tür zum

Paradies. Wenn du willst, kannst du sie dir verderben, und wenn du willst,

kannst du sie dir bewahren." (At-Tirmidhi) Dies ist ein guter und gesunder

Hadith (hasan sahih).

Hadith 335: Al-Bara` ibn Azib (r) erzählte, dass der Prophet (s) sagte:

"Die Schwester einer Mutter ist der Mutter gleich."

(At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

Zu diesem Kapitel gibt es in den Sahih-Sammlungen (von Al-Bukhari und

Muslim) viele bekannte Hadithe, darunter Hadith Nr. 12 und Hadith Nr.

259. Und in den Sahih-Sammlungen finden sich noch viele andere Hadithe

zu diesem Thema, die hier jedoch der Kürze dieses Werkes wegen nicht

aufgeführt wurden. Unter den wichtigsten Hadithen zu diesem Thema ist

auch der, nach dem Amru ibn Abasa (r) in einem längeren Hadith (siehe

Nr. 438) erwähnt, dass er einmal den Propheten (s) während der frühen

Tage des Prophetentums in Mekka besuchte. Er sagte: Ich begab mich

zum Propheten (s) und fragte ihn: "Wer bist du?" Er sagte: "Ich bin ein

Prophet." Dann fragte ich: "Was ist ein Prophet?" Er sagte: "Allah, der

Erhabene, hat mich gesandt." Ich fragte weiter: "Womit hat Er dich

gesandt?" Er sagte: "Er hat mich gesandt, um die Verwandtschaftsbande

zu pflegen, die Götzenbilder zu zerstören und zu verkünden, dass Allah ein

Einziger ist und dass es nichts Verehrungswürdiges neben Ihm gibt."

141

1. Buch der Gebote

Kapitel 41

Verbot des Ungehorsams den Eltern gegenüber und des Abbruchs

der Beziehung zu den Verwandten

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Oder habt ihr etwa die Absicht, wenn ihr euch abwendet, Unheil auf

Erden zu stiften und eure Verwandtschaftsbande zerschneiden? Diese sind

es, die Allah verflucht, und Er hat sie taub gemacht und ihr Augenlicht

geblendet." (47:22-23)

"Diejenigen, die das Bündnis mit Allah lösen, nachdem es geschlossen war,

und das trennen, was nach Allahs Gebot zusammenbleiben soll, und Unheil

auf Erden stiften, sie sind es, auf denen der Fluch lasten soll und für die die

schlimmste Wohnstatt bestimmt ist." (13:25)

"Und dein Herr hat entschieden, dass ihr niemanden außer Ihm anbeten

und den Eltern Wohltaten erweisen sollt. Falls einer von ihnen oder beide

bei dir ein hohes Alter erreichen, dann sage niemals ein mürrisches Wort

zu ihnen und schelte sie nicht, sondern sprich in gütiger Weise mit ihnen.

Und aus Barmherzigkeit senke die Schwingen der Demut auf sie hernieder

und sprich: 'Mein Herr! Erbarme Dich ihrer, so wie sie mich aufgezogen

haben, als ich klein war."1 (17:23-24)

-Hadith 336: Abu Bakra Nufai' ibn al-Harith (r) berichtet, dass der

Gesandte Allahs (s) sagte: "Soll ich euch sagen, was die schwersten

Sünden sind?", und er wiederholte dies dreimal. Wir sagten: "Gewiss, oh

Gesandter Allahs!" Er sagte: "Allah etwas anderes beizugesellen, den

Eltern gegenüber ungehorsam zu sein," - er (s) hatte sich (auf ein Kissen)

gelehnt, setzte sich nun auf und fuhr fort - "und Fälschung und falsches

Zeugnis abzulegen." Er (s) wiederholte diesen letzten Satz so oft, dass wir

wünschten, er möge aufhören." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 337: Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) überliefert, dass der Prophet

(s) sagte: "Die großen Sünden sind: Allah etwas beizugesellen,

ungehorsam gegenüber den Eltern zu sein, jemanden zu töten und falschen

Eid zu schwören." (Al-Bukhari)

142

1. Buch der Gebote

Hadith 338: Abdullah ibn Amru ibn al-As (r) überliefert, dass der

Gesandte Allahs (s) sagte: "Das Verfluchen der eigenen Eltern ist eine der

großen Sünden." Die Leute sagten: "Oh Gesandter Allahs! Könnte jemand

seine eigenen Eltern verfluchen?" Er antwortete: "Ja, wenn er den Vater

einer anderen Person beleidigt, die dafür seinen Vater beleidigt, und wenn

er die Mutter einer anderen Person beleidigt, die dafür seine Mutter

beleidigt." (Al-Bukhari und Muslim)

Eine andere Version besagt: "Die schlimmste der großen Sünden ist, wenn

jemand seine Eltern verflucht." Er wurde gefragt: "Oh Gesandter Allahs!

Wie kann wohl jemand seine eigenen Eltern verfluchen?" Er sagte: "Wenn

er den Vater einer anderen Person beleidigt, die dafür seinen Vater

beleidigt, und wenn er die Mutter einer anderen Person beleidigt, die dafür

seine Mutter beleidigt."

Hadith 339: Abu Muhammad Dschubair ibn Mut'im (r) überliefert, dass

der Gesandte Allahs (s) sagte: "Einer, der die Verwandtschaftsbande

missachtet, wird nicht ins Paradies kommen." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 340: Abu Isa al-Mughira ibn Schu'ba (r) überliefert, dass der

Prophet (s) sagte: "Allah, der Erhabene, hat euch Ungehorsam gegenüber

euren Müttern, Veruntreuung, widerrechtliche Inbesitznahme und das

Begraben der lebenden Töchter118 verboten, und Er hat euer nutzloses

Geschwätz, ausschweifende Fragerei und Güterverschwendung missbilligt."

(Al-Bukhari und Muslim)

118 Dies kam in vor-islamischer Zeit häufig vor.

143

1. Buch der Gebote

Kapitel 42

Vorzug des Gehorsams den Freunden der Eltern, der Verwandten,

der Ehefrau und anderen, die Respekt verdienen, gegenüber

Hadith 341: Ibn Umar (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Die

beste Pietät ist, wenn man sich um die Freunde seines (verstorbenen)

Vaters kümmert." (Muslim)

Hadith 342: Abdullah ibn Dinar (r) berichtet über Abdullah ibn Umar,

dass ein Araber vom Lande ihn auf seinem Weg nach Mekka traf. Abdullah

ibn Umar grüßte ihn und bot ihm an, mit ihm auf dem Esel zu reiten, den

er (zur Abwechslung) ritt, und er bot ihm auch den Turban an, den er trug.

Abdullah ibn Dinar (r) berichtet: Wir sagten zu ihm (Ibn Umar): "Allah

möge dir Tugend schenken; diese Leute vom Dorf sind auch mit wenig

zufrieden (warum also viel tun, um ihnen zu gefallen)." Abdullah ibn Umar

sagte: "Der Vater dieses Mannes war meines Vaters (Umar ibn al-

Khattabs) Freund, und ich habe den Propheten (s) sagen hören: 'Die

beste Pietät ist, wenn man sich um die Familienangehörigen der Freunde

seines (verstorbenen) Vaters kümmert.'" (Muslim)

Eine andere Version lautet: Ibn Dinar (r) sagte über Abdullah ibn Umar

(r), dass dieser, wenn er nach Mekka reiste und zu müde wurde, um auf

einem Kamel zu reiten, auf seinem Esel weiter ritt, um leichter zu reiten,

und einen Turban um seinen Kopf wand. Als er eines Tages auf seinem

Esel ritt, kam ein Araber vom Lande an ihm vorbei, und er (Abdullah ibn

Umar) sagte zu ihm: "Bist du nicht Soundso, der Sohn des Soundso?" Der

Mann sagte: "Ja, der bin ich." Abdullah (r) gab ihm seinen Esel und sagte:

144

1. Buch der Gebote

"Reite du auf ihm!" Er gab ihm auch seinen Turban und sagte: "Winde du

ihn um deinen Kopf!" Da sagten einige seiner Gefährten zu ihm: "Möge

Allah dir verzeihen; du hast diesem Menschen vom Dorf den Esel gegeben,

auf dem du leicht geritten bist, und den Turban, der deinen Kopf bedeckt

hatte." Er sagte: "Ich hörte den Propheten (s) sagen: 'Die beste Pietät ist,

wenn man sich um die Familienangehörigen der Freunde seines Vaters

nach dessen Tod kümmert. Der Vater dieses Mannes war ein Freund von

(meinem Vater) Umar (r)." (Muslim)

Hadith 343: Abu Usaid Malik ibn Rabfa as-Sa'idi (r) berichtet: Einst

saßen wir bei dem Gesandten Allahs (s), als ein Mann aus dem

Salama-Stamm eintraf und ihn ansprach: "Oh Gesandter Allahs! Gibt es

etwas, worum ich mich jetzt (noch) für meine Eltern über ihren Tod hinaus

kümmern kann?" Der Prophet (s) antwortete: "Ja, wenn du für sie betest

und um (Allahs) Gnade und Vergebung für sie flehst, für sie Versprechungen

und Vorhaben erfüllst und die Verwandtschaftsbande, die

durch sie bestehen, pflegst und ihre Freunde achtest" (Abu Dawud)

Hadith 344: Es erzählte die Mutter der Gläubigen Aischa (r) folgendes:

Auf keine Frau des Propheten (s) war ich so eifersüchtig wie auf (die erste

Frau des Propheten,) Khadidscha (r), obwohl ich sie nie gesehen habe,

aber der Prophet (s) erwähnte sie des öfteren. Wenn er eine Ziege

schlachtete, schnitt er Stücke davon ab und verteilte sie an Freundinnen

von Khadidscha. Ich sagte zu ihm: "Als ob es außer Khadidscha keine

andere Frau auf der Welt gäbe!" Und er sagte: "Sie war so und so (und er

zählte einige Vorzüge seiner ersten Frau Khadidscha auf), und ich hatte

meine Kinder von ihr." (Al-Bukhari und Muslim)

Nach einer anderen Version sandte er immer, wenn er eine Ziege

schlachtete, Stücke davon an ihre Freundinnen als Geschenk, so viel, dass

es für sie reichte.

Eine andere Version lautet: Wenn er eine Ziege geschlachtet hatte, pflegte

er (s) zu sagen: "Schick davon an Khadidschas Freundinnen."

145

1. Buch der Gebote

In einer anderen Version berichtet sie (Aischa), dass Häla bint Khuwailid,

die Schwester von Khadidscha (r), den Propheten (s) um Erlaubnis bat,

eintreten zu dürfen. Da erinnerte er sich an Khadidscha119, und war tief

bewegt. Er (ging ihr entgegen und) rief aus: "Oh Allah, es ist Häla bint

Khuwailid!"

Hadith 345: Anas ibn Malik (r) erzählte: Einst ging ich mit Dscharir ibn

Abdullah al-Badschali (r) auf eine Reise. Während der Reise bediente mich

dieser fortwährend, obwohl er älter war als ich. So sagte ich zu ihm: "Bitte

tu das nicht!" Er entgegnete: "Ich sah die Ansar mit einer solchen Demut

den Propheten (s) bedienen, dass ich schwor, immer, wenn ich in der

Gesellschaft eines von ihnen wäre, ihm dienen zu wollen." (Al-Bukhari und

Muslim)

Kapitel 43

Der Familie des Gesandten Allahs (s) Ehre zu erweisen und die

Anerkennung ihrer Vortrefflichkeit

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Wahrlich, Allah will alles Unreine von euch fernhalten, ihr Angehörigen

des Hauses, und euch rein und lauter machen." (33.33)

"So ist es. Und wer die heiligen Stätten und Riten Allahs in Ehren hält, so

ist dies ein Zeichen von Frömmigkeit der Herzen." (22:32).

Hadith 346: Yazid ibn Habban erzählte: Husain ibn Sabra, Amru ibn

Muslim und ich gingen zu Zaid ibn Arqam (r). Als wir bei ihm saßen,

fragte ihn Husain: "Oh Zaid! Du hast eine beträchtliche Menge guter

Dinge erlebt: Du hast den Gesandten Allahs (s) gesehen, seine Worte

gehört, mit ihm zusammen (gegen die Feinde) gekämpft, und du hast

hinter ihm das Gebet verrichtet. Gewiss hast du viel Tugend erworben.

Also lass uns bitte wissen, was du von dem Gesandten Allahs (s) gehört

hast!" Er sagte: "Lieber Neffe (im Islam), ich bin alt geworden, und ich

habe Einiges, was ich von Allahs Gesandtem gelernt habe, vergessen. So

119Die Stimmen der beiden Schwestern klangen sehr ähnlich.

146

1. Buch der Gebote

nehmt bitte an, was ich zu erzählen weiß, und ich zwinge mich nicht, mich

an das zu erinnern, was ich vergessen habe. Der Prophet (s) sprach einmal

bei Khumma`, einer Quelle zwischen Mekka und Medina, zu uns. Er pries

und verherrlichte Allah, und dann ermahnte er uns, indem er unsere Aufmerksamkeit

auf die Bestrafung durch Allah lenkte und auf die Belohnung

durch Allah, und dann lobte er Allah erneut und sagte: "Hört, Leute, ich

bin nur ein Mensch (wie ihr), und bald wird der Bote meines Herrn

kommen (der Todesengel), und ich werde Seinem Befehl gehorchen

müssen. Ich habe euch zwei wichtige Dinge hinterlassen. Das Erste ist das

Buch Allahs (der Qur’an); es beinhaltet Rechtleitung für euch und das

Licht (Allahs). Haltet an diesem Buch fest und richtet euch danach." Er

legte große Bedeutung auf diesen Punkt und bat (seine Gefolgsleute)

danach zu handeln. Dann sagte er: "Und (das zweite sind) die Ahl-ul-Bait,

meine Familienmitglieder. Ich rufe euch auf, um Allahs willen, meine

Familienmitglieder in angemessener Weise zu behandeln, um Allahs willen,

achtet meine Familienmitglieder!" Husain ibn Sabra sagte: "Oh Zaid, wer

sind seine Familienmitglieder? Sind seine Frauen denn nicht Mitglieder

seiner Familie?" Zaid antwortete: "Seine Frauen sind Familienmitglieder,

und auch diejenigen, denen es nicht erlaubt ist, nach seinem Tode Sadaqa

zu erhalten." Daraufhin fragte Husain: "Und wer ist davon betroffen?" Er

(Zaid) sagte: "Es sind die Nachkommen von Ali, die Nachkommen von

Aqil, von Dscha'far und von Abbas." Darauf fragte Husain erneut: "Ist

ihnen allen tatsächlich verboten worden, Sadaqa zu empfangen?" Zaid

antwortete: "Gewiss!" (Muslim)

Nach einer anderen Version sagte der Gesandte Allahs (s): "Ich habe euch

zwei wichtige Dinge hinterlassen: Eines davon ist das Buch Allahs, oder

auch das Seil Allahs. Wer ihm folgt, wird recht geleitet. Wer sich aber nicht

daran hält, der wird in die Irre gehen."

Hadith 347: Ibn Umar (r) überliefert, dass Abu Bakr (r) sagte: "Achtet

Muhammad (s) auf angemessene Weise, indem ihr (auch) seine

Familienangehörigen achtet!" (Al-Bukhari)

147

1. Buch der Gebote

Kapitel 44

Verehrung der Gelehrten (Ulama1), der Alten und Wohltäter und

Bevorzugung anderen gegenüber, sie zu respektieren und ihre

Verdienste zu würdigen

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Sprich: 'Sind etwa diejenigen, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?1

Doch nur die Einsichtigen lassen sich ermahnen." (39:9)

Hadith 348: Es überliefert Abu Mas'ud Uqba ibn Amru al-Badri al-Ansari

(r), dass der Gesandte Allahs (s) sagte: "Vorbeter soll derjenige sein, der

mehr aus dem Qur’an (auswendig) rezitieren kann. Beherrschen alle

Anwesenden die Rezitation (des Qur’ans) gleich gut, dann folgt derjenige,

welcher in der Sunna am gelehrtesten ist; wenn sie hierin gleich sein

sollten, dann ist es der, welcher zuerst ausgewandert ist; und sollten sie in

dieser Hinsicht alle gleich sein, dann sollte der älteste von ihnen das Gebet

leiten. Niemand sollte das Gebet im Hause einer anderen Person leiten, und

niemand sollte ohne Erlaubnis des Hausherrn in seinem Hause auf dessen

Sitz Platz nehmen." (Muslim)

In einer andere Version bei Muslim heißt es statt "der älteste von ihnen"

"derjenige von ihnen, der am längsten Muslim ist".

Eine weitere Version lautet: "Der Leiter im Gebet sollte derjenige sein, der

am meisten vom Qur’an rezitieren kann; sollten alle in dieser Hinsicht

gleich sein, folgt derjenige, der zuerst ausgewandert ist; und sollten sie alle

hierin gleich sein, der Älteste."

Hadith 349: Abu Mas'ud Uqba ibn Amru al-Badri al-Ansari (r) überliefert,

dass der Gesandte Allahs (s) vor dem Gebet (wenn wir uns zum Gebet in

einer Linie aufstellten) seine Hand auf die Schultern der Betenden zu legen

pflegte und sagte: "Steht in geraden Reihen und unterscheidet euch nicht,

damit sich eure Herzen nicht voneinander unterscheiden mögen. Lasst jene

mir am nächsten stehen, die alt sind und Kenntnis besitzen, dann jene, die

ihnen darin nachfolgen, und dann jene, die diesen nachfolgen." (Muslim)

148

1. Buch der Gebote

Hadith 350: Es überliefert Abdullah ibn Mas’ud (r), dass der Gesandte

Allahs (s) sagte: "Lasst mir jene (im Gebet) am nächsten stehen, die alt

sind und Kenntnis besitzen, dann jene, die ihnen darin nachfolgen", und er

wiederholte dies dreimal und er fügte hinzu: "Und hütet euch vor dem

Lärm der Märkte." (Muslim)

Hadith 351: Abu Yahya (oder Abu Muhammad) Sahl ibn Abi Hathma al-

Ansari erzählte: Abdullah ibn Sahl und Muhayyisa ibn Mas’ud gingen

nach Khaibar, wo zu dieser Zeit Waffenstillstand herrschte, und dort

trennten sie sich von einander. Später kam Muhayyisa zurück zu Abdullah

und fand ihn tot in seinem Blute liegen. Er kümmerte sich um sein

Begräbnis und kehrte nach Medina zurück. Da kamen Abdur-Rahman ibn

Sahl und Muhayyisa und Huwayyisa, Söhne von Mas’ud, zum Propheten

(s) und Abdur-Rahman fing an zu reden. Der Prophet (s) sagte: "Der

Älteste sollte sprechen." Sogleich hörte Abdur-Rahman, der der jüngste

der Drei war, auf zu reden, und die beiden anderen wandten sich an den

Propheten (s), der sagte: "Schwört ihr darauf und verlangt Gerechtigkeit

gegen den Mörder?" Und er erzählte den Rest des Hadithes. (Al-Bukhari

und Muslim)

Hadith 352: Dschabir (r) überliefert, dass der Prophet (s) von den

Todesopfern (der Schlacht) von Uhud zwei in einem Grab zu bestatten

pflegte. Jedesmal fragte er: "Welcher von ihnen hat den Qur’an besser

(auswendig) gewusst?" Der, welcher ihm gezeigt wurde, wurde von ihm

zuerst ins Grab gelegt. (Al-Bukhari)

Hadith 353: Ibn Umar (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Ich

träumte, dass ich meine Zähne mit einem Miswak120 säuberte, als zwei

Männer zu mir kamen, einer älter als der andere; ich gab dem jüngeren der

beiden den Miswak, doch ich wurde gebeten, ihn dem älteren zu geben,

was ich tat."

120 Miswak ist eine Wurzel, die zum Zähneputzen verwendet wird.

149

1. Buch der Gebote

Die Fassung dieses Hadithes basiert auf Muslim und wurde bei Al-Bukhari

kommentiert.

Hadith 354: Es überliefert Abu Musa (r), dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Es gehört in der Tat zur Verehrung Allahs, des Erhabenen, einen

betagten Muslim zu ehren, jemanden zu ehren, der den Qur’an auswendig

gelernt hat, vorausgesetzt, er begeht darin keine Textfälschung und

widerspricht durch sein Verhalten nicht dem, was er vorträgt, und einen

gerechten Herrscher zu ehren." (Abu Dawud) Dies ist ein gutes Hadith

(hasan).

Hadith 355: Es überliefert Amru ibn Schu'aib (r), dass sein Vater (r) ihm

erzählte, dass sein Großvater (r) sagte, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Jemand, der zu unseren Kleinen nicht barmherzig ist und die Ehre unserer

Alten nicht achtet, gehört nicht zu uns."

(Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Dies ist ein gesundes Hadith (sahih). Nach At-Tirmidhi ist es gut und

gesund (hasan sahih).

In der Version von Abu Dawud heißt es "das Recht unserer Alten" anstatt

"die Ehre unserer Alten".

Hadith 356: Es erzählte Maimun ibn Abi Schabib (rA): "Einst kam ein

Bettler zu (der Mutter der Gläubigen) Aischa (r) und sie gab ihm ein Stück

Brot. Und als ein gut gekleideter Mann zu ihr kam, ließ sie ihn Platz

nehmen und trug ihm Speisen auf. Als man sie deswegen befragte, sagte

sie: "Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: 'Behandelt die Leute ihrer Würde

gemäß.'"

(Abu Dawud)

Abu Dawud kommentiert dazu, dass Maimün kein Zeitgenosse von Aischa

(r) war.

Muslim erwähnt diesen Hadith in seiner Sahih-Sammlung in folgenden

Worten: Aischa (r) sagte: "Der Gesandte Allahs (s) hat uns aufgetragen,

dass wir die Leute ihrer Würde gemäß behandeln sollen."

Hadith 357 ist eine Wiederholung von Hadith Nr. 50.

150

1. Buch der Gebote

Hadith 358: Es berichtet Abu Said Samura ibn Dschundub (r): Zur Zeit

des Gesandten Allahs (s) war ich noch ein kleiner Junge, und ich pflegte

seine Aussprüche auswendig zu lernen, aber ich erzähle nicht, was ich

behalten habe, weil wir unter uns Leute haben, die älter sind als ich." (Al-

Bukhari und Muslim)

Hadith 359: Anas (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: "Allah

wird für jeden jungen Mann, der einen Greis ehrt, veranlassen, dass auch

er geehrt wird, wenn er ein hohes Alter erreicht."

(At-Tirinidhi)

Dies ist ein merkwürdiger Hadith (gharib).121

Kapitel 45

Besuchen von Wohltätern, Umgang mit ihnen zu pflegen, sie zu

lieben und ihre Fürbitte zu erstreben, und Aufsuchen von guten

Orten.

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Und (gedenke der Zeit) als Moses zu seinem Diener sprach: 'Ich werde

nicht ablassen, ehe ich nicht den Zusammenfluss der beiden Meere erreicht

habe, auch wenn es eine Ewigkeit dauern sollte.` ... Und so fanden sie

einen Unserer Diener, dem wir Barmherzigkeit von Uns verliehen hatten

und den Wir in unserem Wissen unterwiesen hatten. Da sagte Moses zu

ihm: 'Darf ich dir folgen, auf dass du mich einiges von dem lehrst, was dir

an Wissen zuteil wurde über das rechte Tun?'" (18:60-66)

"Und fasse dich in Geduld mit denen, die ihren Herrn morgens und abends

anrufen im Trachten nach Seinem Angesicht..." (18:28)

121 Das bedeutet, der Hadith ist nicht mit ununterbrochener Überliefererkette

überliefert, also schwach (daif).

151

1. Buch der Gebote

Hadith 360: Anas (r) erzählte: Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s)

sagte Abu Bakr zu Umar (r): "Lass uns Umm Aiman122 (r) besuchen, wie

es der Gesandte Allahs (s) zu tun pflegte." Als sie zu ihr kamen, fing sie an

zu weinen. Sie fragten sie: "Warum weinst du? Weißt du denn nicht, dass

das, was Allah für den Gesandten Allahs (s) hat besser ist (als was er in

dieser Welt hatte)?" Sie sagte: "Darum weine ich nicht. Ich weiß wohl,

dass das, was Allah, der Erhabene für den Gesandten Allahs (s) hat besser

ist (als was er in dieser Welt hatte). Ich vergieße Tränen, weil die

himmlische Offenbarung jetzt aufgehört hat." Das berührte die beiden so

sehr, dass sie auch begannen, mit ihr zu weinen. (Muslim)

Hadith 361: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Prophet (s) erzählte: Ein

Mann machte sich auf, einen Bruder in einem anderen Dorf zu besuchen.

Allah, der Erhabene, sandte ihm einen Engel auf seinen Weg. Als der

Mann unterwegs den Engel traf, fragte ihn dieser: "Wohin gehst du?" Er

antwortete: "Ich will meinen Bruder besuchen, der in diesem Dorf lebt." Er

fragte: "Hast du bei ihm etwas (geschäftliches) zu erledigen?" Der Mann

sagte: "Nein. Nichts, außer dass ich ihn liebe um Allahs willen." Er (der

Engel) sagte zu ihm: "Ich bin ein Bote Allahs, gesandt um dir zu sagen,

dass Allah dich liebt, wie du deinen Bruder um Allahs willen liebst."

(Muslim)

Hadith 362: Abu Huraira (r) überliefert auch, dass der Gesandte Allahs

(s) sagte: "Jedem, der einen Kranken oder einen Bruder nur um Allahs

willen besucht, verkündet ein (himmlischer) Rufer: 'Mögest du glücklich

sein! Möge dein Weg gesegnet sein! Und mögest du einen angenehmen

Aufenthalt im Paradies (als Belohnung) bekommen!'" (At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter Hadith (hasan). In einer anderen Hadith-Sammlung wird

er als merkwürdig bezeichnet (gharib).123

Hadith 363: Abu Musa al-Asch'ari (r) berichtet, dass der Prophet (s)

sagte: "Das Gleichnis dessen, der Umgang mit tugendhaften Freunden hat,

und dessen, der mit schlechten Freunden Umgang hat, ist wie einer, der

Moschus (als Parfüm) hat, und einer, der den Schmelztiegel (eines

122 Umm Aiman (r) war eine Sklavin und Pflegemutter des Propheten (s). Später hatte er sie

befreit und mit Zaid ibn Haritha (r) verheiratet. Der Prophet (s) achtete sie immer sehr, besuchte

sie oft und pflegte zu sagen, sie sei seine Mutter.

123 Siehe Anmerkung Nr. 121 auf Seite 159.

152

1. Buch der Gebote

Schmiedes) anfeuert. Der Besitzer von Moschus könnte dir etwas

schenken oder du könntest etwas von ihm kaufen, oder wenigstens

könntest du seinen Duft riechen. Was den anderen betrifft, so könnte er

deine Kleidung in Brand stecken oder du wirst zumindest Gestank vom

Schmelzfeuer einatmen." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 364: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: "Man heiratet eine Frau aus vier Gründen: wegen ihres Wohlstandes,

wegen ihrer Abstammung, wegen ihrer Schönheit oder wegen

ihres Glaubens. Versuche eine wegen ihres Glaubens zu bekommen, so

wirst du gesegnet sein." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 365: Es erzählte Ibn Abbas (r), dass der Prophet (s) (den Engel)

Gabriel fragte: "Warum besuchst du uns nicht öfter als bisher?" Daraufhin

wurde der Qur’anvers offenbart: "Wir kommen nur auf Beschluss deines

Herrn herab. Ihm gehört, was vor uns und was hinter uns und was

dazwischen liegt." (Sure 19:64) (Al-Bukhari)

Hadith 366: Es überliefert Abu Said al-Khudri (r), dass der Prophet (s)

sagte: "Nimm nur Gläubige zu Freunden und lass dein Essen nur von

Gottesfurchtigen essen."

(Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Dieses Hadith ist nicht schlecht überliefert {isnad la ba'sa bih).

Hadith 367: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Man

nimmt (öfter) Gewohnheiten eines Freundes an, daher soll jeder von euch

daraufschauen, wen er zum Freund nimmt."

(Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Dieser Hadith ist zuverlässig überliefert {isnad sahih). At-Tirmidhi

bezeichnet ihn als gut (hasan).

Hadith 368: Abu Musa al-Asch'ari (r) überliefert, dass der Prophet (s)

sagte: "Jeder wird (am Jüngsten Tag) mit denen sein, die er liebt." (Al-

Bukhari und Muslim)

153

1. Buch der Gebote

Eine andere Version lautet: Der Prophet (s) wurde gefragt: "Wie steht es

um eine Person, die jemanden liebt, sich aber ihm nicht zugesellt?" Er

antwortete: "Jeder wird (am Jüngsten Tag) mit denen sein, die er liebt."

Hadith 369: Es überliefert Anas (r), dass ein Araber vom Lande den

Propheten (s) fragte: "Wann wird die Stunde (des Jüngsten Tages)

kommen?" Er fragte ihn zurück: "Welche Vorbereitungen hast du dafür

getroffen?" Er sagte: "(Nur) die Liebe Allahs und Seines Gesandten."

Daraufhin sagte der Prophet (s) zu ihm: "Du wirst mit denen sein, die du

liebst."

(Al-Bukhari und Muslim)

Die zitierte Fassung stammt von Muslim.

Nach einer anderen Version von Al-Bukhari und Muslim sagt der Araber

vom Lande: "Ich habe mich nicht darauf vorbereitet mit vielen Gebeten,

Fasten und Sadaqa, doch ich liebe Allah und Seinen Gesandten."

Hadith 370: Ibn Mas’ud (r) erzählte, dass ein Mann zum Gesandten Allahs

(s) kam und sagte: "Oh Gesandter Allahs! Wie steht es um eine Person, die

jemanden liebt, sich aber ihm nicht zugesellt?" Er antwortete: "Jeder wird

(am Jüngsten Tag) mit denen sein, die er liebt." (Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 371: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: "Die

Menschen sind wie Metalle: Diejenigen von ihnen, die vor dem Islam am

besten waren, sind auch im Islam am besten, wenn sie religiöses Wissen

und Verständnis haben; und die Seelen sind wie Kameradschaften: Wenn

sie sich charakterlich gleichen, finden sie zusammen, und wenn sie sich

charakterlich unterscheiden, sind sie verschieden." (Muslim)

Bei Al-Bukhari wird der zweite Teil dieses Hadithes unter Berufung auf

Aischa aufgeführt.

Hadith 372: Usair ibn Amru oder ibn Dschabir (r) erzählte, dass Umar ibn

al-Khattab (r) immer, wenn eine Abordnung aus dem Jemen zu ihm kam,

154

1. Buch der Gebote

sie fragte: "Ist Uwais ibn Amir bei euch?" bis schließlich die Abordnung

kam, bei der sich Uwais (r) befand. Er fragte ihn: "Bist du Uwais ibn

Amir?" Uwais antwortete: "Ja." Dann wurde er gefragt, ob er zum Qarn-

Zweig des Stammes der Muräd gehöre. Er bestätigte dies. Sodann fragte

der Kalif: "Hast du unter Lepra gelitten und dich davon erholt, außer

einem Fleckchen von der Größe eines Dirham?" Er sagte: "Ja!" "Lebt

deine Mutter noch?" fragte der Kalif. Er bejahte. Darauf sagte Umar (r):

"Ich hörte den Propheten (s) sagen: 'Uwais ibn Amir wird zu dir kommen,

in einer Delegation aus dem Jemen. Er ist von dem Qarn-Zweig des

Muräd-Stammes. Er litt unter Lepra, doch hat er sich davon erholt, nur ein

Fleck von der Größe eines Dirhams ist geblieben. Er besitzt eine Mutter,

die er liebt und der er gehorcht. Wenn er beim Namen Allahs schwört, so

bleibt er bei seinem Schwur, was es auch immer sei. Wenn du ihn dazu

bewegen kannst, für dich zu beten, für deine Vergebung, dann solltest du

es tun.1 Also bitte ich dich inständig, Allah um Vergebung für mich zu

bitten." Daraufhin betete Uwais (r) für Umars Vergebung. Umar (r) fragte

ihn sodann: "Wohin gehst du?" Er sagte: "Nach Küfa." Umar (r) fragte ihn

weiter: "Soll ich dem Herrscher von Küfa schreiben, dass er dir helfe?"

Uwais (r) sagte: "Ich ziehe es vor, unter den armen Leuten zu leben." Im

nächsten Jahr war einer der Edlen von Küfa auf Pilgerfahrt und traf Urnar

(r), der ihn über Uwais (r) befragte. Er sagte: "Ich ließ ihn in einem

baufälligen Haus mit wenigen Einrichtungsgegenständen zurück." Umar (r)

sagte zu ihm: "Ich habe den Propheten (s) sagen hören: 'Uwais ibn Amir

vom Qarn-Zweig des Murad-Stammes wird zu dir kommen in einer

Delegation aus dem Jemen. Er litt unter Lepra, doch er hat sich davon

erholt, nur ein Fleck von der Größe eines Dirhams ist geblieben. Er besitzt

eine Mutter, die er sehr liebt. Wenn er im Namen Allahs schwört, so erfüllt

Allah immer seinen Eid, gleich was es sei. Wenn du ihn bewegen kannst,

für dich um Vergebung zu beten, dann tue es bitte.'" Also ging dieser

(edle) Mann zu Uwais (r) und bat ihn, für seine Vergebung zu beten.

Uwais (r) sagte zu ihm: "Du bist gerade von einer guten Reise zurückgekehrt;

du solltest also - umgekehrt - für mich um Vergebung beten."

Dann bat er den Edlen weiter: "Trafst du Umar (s)?" Der Mann sagte: "Ja,

ich traf ihn." Uwais (r) betete dann für des Edlen Vergebung. Da

bemerkten die Leute die Tugend von Uwais (r), und seinem Impuls

folgend ging er demzufolge von diesem Platz fort. (Muslim)

155

1. Buch der Gebote

Eine andere Version bei Muslim lautet folgendermaßen: Die Bewohner

von Küfa kamen zu Umar (r). Unter ihnen war einer, der sich über Uwais

(r) lustig machte. Umar (s) fragte: "Ist jemand unter euch (vom Unterstamm

der) Qarn?" Daraufhin kam dieser Mann hervor. Dann sagte Umar

(r): "Der Prophet (s) hat gesagt: 'Ein Mann namens Uwais wird zu euch

kommen aus dem Jemen. Er wird nur seine Mutter im Jemen zurückgelassen

haben. Er hat unter Lepra gelitten und zu Allah gebetet, von

dieser Krankheit geheilt zu werden. Daraufhin wurde er geheilt; es blieb

nur ein Mal von der Größe eines Dinars oder Dirhams auf seiner Haut

zurück. Wenn einer von euch ihn trifft, so möge er ihn bitten, für ihn um

Verzeihung zu beten.'"

Noch eine andere Version besagt: Umar (r) sagte: Ich habe den Propheten

(s) sagen hören: "Der beste unter denen, die meinem Weg nachfolgen, ist

ein Mann namens Uwais; er besitzt eine Mutter und er hat weiße Flecken

auf seinem Körper (Lepra). Bittet ihn, um Vergebung für euch zu beten."

Hadith 373: Umar ibn al-Khattab (r) berichtet: Ich bat den Propheten (s)

um Erlaubnis, die kleine Pilgerfahrt (Umra) durchzuführen. Er gewährte

mir die Zeit dafür und sagte: "Mein Bruder, bitte vergiss nicht, uns in dein

Gebet einzuschließen!"

Umar (r) sagte: Dieses ist etwas, was ich für die ganze Welt nicht eintauschen

möchte.

Nach einer anders lautenden Version sagte der Prophet (s) zu Umar (r):

"Bruder, schließ uns in deine Gebete ein!" (Abu Dawud und At-Tirmidhi)

Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).

Hadith 374: Ibn Umar (r) erzählte, dass der Prophet (s) oft die Qubä-

Moschee124 zu besuchen pflegte, sowohl reitend als auch zu Fuß, und dort

immer zwei Rak'a betete. (Al-Bukhari und Muslim)

124 Die Quba-Moschee ist die erste Moschee, die von den Muslimen errichtet wurde,

und befindet sich in einem Vorort von Medina.

156

1. Buch der Gebote

Nach einer anderen Version besuchte der Prophet (s) jeden Samstag die

Quba-Moschee, wobei er hin ritt oder zu Fuß ging, und Ibn Umar (r), der

ihm auf den Fersen folgte, tat es ebenso.

Kapitel 46

Vorzug der Liebe um Allahs willen und Ansporn dazu, sowie

demjenigen, den man gern hat, mitzuteilen, dass man ihn lieb hat,

und was man demjenigen antworten soll, der einem dies mitteilt

Qur’an: Allah, der Erhabene, spricht:

"Muhammad ist der Gesandte Allahs, und diejenigen, die mit ihm sind, sind

streng gegen die Ungläubigen, aber barmherzig untereinander... (48:29)

"Und diejenigen, die vor ihnen in der Stadt wohnten und im Glauben

(verwurzelt waren), lieben diejenigen, die zu ihnen auswanderten. Sie

finden in ihren Herzen kein Bedürfnis nach dem, was (jenen) gegeben

wurde. Sie geben ihnen den Vorzug vor sich selbst, auch wenn sie selbst

unter Entbehrungen leiden. Und diejenigen, die vor ihrer eigenen Habsucht

bewahrt sind, denen wird es wohl ergehen." (59:9)

Hadith 375: Anas (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: "Es gibt drei

gute Eigenschaften, wer sie besitzt, der wird die Süße des Glaubens

schmecken:

1) Der, der Allah und Seinen Gesandten über alles liebt;

2) der, der einen Anderen liebt, einfach um Allahs Willen; und

3) derjenige, der eine Rückkehr zum Unglauben, nachdem Allah ihn davor

gerettet hat, über alles hasst, und der es verabscheut, ins Höllenfeuer

geworfen zu werden."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 376: Es überliefert Abu Huraira (r), dass der Prophet (s) sagte:

"Sieben genießen den Schutzschatten Allahs (am Jüngsten Tag), wenn es

keinen Schatten gibt außer Seinem Schutzschatten: Diese sind:

1) Ein gerechter Herrscher;

2) ein junger Mann, der seine Jugend mit Anbetung und Dienst für Allah,

den Allmächtigen und Erhabenen, verbrachte;

3) der, dessen Herz ständig mit der Moschee verbunden ist;

4) zwei Personen, die einander um Allahs willen lieben - sie haben sich

zusammengetan um Seinetwillen und trennten sich um Seinetwillen;

157

1. Buch der Gebote

5) jemand, der von einer bezaubernden und hübschen Frau zur Sünde

eingeladen wird, es aber verweigert, indem er sagt, er furchte Allah;

6) einer, der Sadaqa gibt, ohne viel Aufsehens zu machen, so dass seine

linke Hand nicht weiß, was seine rechte Hand gegeben hat; und

7) einer, der sich Allahs erinnert in Einsamkeit, so sehr, dass seine Augen

überfließen."

(Al-Bukhari und Muslim)

Hadith 377: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s)

sagte: Am Tag des Gerichts wird Allah, der Erhabene, verkünden: "Wo

sind diejenigen, die einander lieben, um Meiner Erhabenheit willen? Heute

werde ich sie durch Meinen Schutzschatten schützen, an diesem Tag, an

dem es keinen Schatten gibt außer Meinen." (Muslim)

Hadith 378: Abu Huraira überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:

"Bei Allah, in Dessen Händen meine Seele ist, ihr werdet nicht ins Paradies

kommen, wenn ihr nicht glaubt (an den Islam), und ihr werdet nicht

glauben, solange ihr euch nicht gegenseitig liebt. Darf ich euch erzählen,

wie ihr euch gegenseitig liebt? Verbreitet Frieden und Grüße unter den

Menschen." (Muslim)

Hadith 379 ist eine Wiederholung von Hadith Nr. 361.

Hadith 380: Al-Bara' ibn Azib (r) überliefert, dass der Prophet (s) über